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wortklauberei (68)

grenzwert

eine unserer menschlichsten fähigkeiten besteht neben der selbstreflexion im dinge vergleichen können. wir finden worte dafür wie „groß“ und „klein“, „dick“ und „dünn“ oder „hell“ und „dunkel“. diese vergleiche haben wir perfektioniert. wir haben sie messbar gemacht. da gibt es skalen für die verschiedensten eigenschaften, die uns eine einordnung leichter machen. manche skala erscheint einem sehr hilfreich, wie zum beispiel die schuhgrößen, andere, wie die reissfestigkeit von frischhaltefolien, interessiert nur am rande.

besonderes augenmerk werfen wir aber auf grenzwerte. grenzwerte werden immer dann festgelegt, wenn etwas gefährlich wird, also für den menschen gefährlich wird. meist ist es ein langer prozess, bis ein grenzwert zu diesem ernannt wird. je mehr wissenschaftliche erkenntnisse über die auswirkungen von flüssigkeiten, stoffen und strahlungen auf den menschen, entstehen, desto genauer können grenzwerte festgelegt werden. natürlich sind grenzwerte nie ohne politische einflussnahme entstanden. doch sie stellen eine verallgemeinerungen und einen gesellschaftlichen konsens dar.

ja, wir menschen halten unser leben für schützenswert. das ist eigentlich eine schöne grundhaltung uns selbst gegenüber. und wird ein grenzwert überschritten, gibt es eine meldung darüber, wird dies inzwischen häufig veröffentlicht. der grenzwert war bis heute eigentlich kein pädagogisches instrument. doch da haben wir uns getäuscht. es gibt einzelne menschen, die uns nun erklären, dass grenzwerte eigentlich nur eine kleine spielerei sind. die „grenze“, die festgelegt wurde, wurde nur festgelegt, damit sich alle bemühen, unter der grenze zu bleiben.

aber nun greift eine weitere fähigkeit des menschen: die hohe flexibilität und anpassungsbereitschaft. nach dem super-gau in japan werden überall auf der welt die grenzwert für verstrahlte gegenstände und produkte hochgefahren. denn die bisher herrschenden grenzwerte seien sehr niedrig veranschlagt worden. ah ja, eine interessante haltung, denn anscheinend werden die werte gewürfelt und nicht begründet. in dem moment, in dem grenzwerte regelmäßig überschritten werden, in dem setzt man dann den wert einfach hoch, damit er nicht so häufig überschritten wird.

vielleicht hat jemand das wort grenzwert einfach noch nicht verstanden. es ist kein notenspiegel, der den leistungen der gesamten gruppe angepasst wird. der wert stellt eine grenze dar, ab wann etwas für den menschen gefährlich werden kann. wir menschen mögen flexibel sein, aber wir sind kein lebewesen, das über nacht gegen strahlung resistent werden kann. hier ist nur jemandem lästig immer wieder die überschreitung des grenzwertes zu melden. darum schlage ich vor den „grenzwert“ in „was-nicht-tötet-härtet-ab-wert“ umzubenennen.

wortklauberei (37)

„bad bank“

es gibt zur zeit eine menge banken, die auf miesen krediten, wertlosen spekulationen und einer menge schulden sitzen. geschickt wie der finanzjongleur ist, sind deshalb pläne entstanden, die eine so genannte „bad bank“ initiieren wollen, in der all die negativen werte versammelt werden. dadurch soll der rest der bank gut dastehen und eine rettung möglich sein.

mehr milchmädchenrechnung ist kaum möglich oder besser formuliert, mehr kann man nicht faken. hier tritt zutage, dass die ganze finanzspekulation ein einziges ideengebäude ist, das auf wenig basiert. denn wenn man alles negative hin- und herschieben kann und dies anscheinend zu einer verbesserung des restes führt, dann scheint wert beliebig und somit auch die wertschöpfung.

aber beim ersten hören von dieser überlegung und den folgenden planungen, können einem viele ideen in den sinn kommen. wie wäre es mit einem „bad konto“. dies können alles kontoinhaber einrichten, die ihren dispo vollständig ausgeschöpft haben und denen eine sperrung ihres kontos droht. so wäre es möglich von heute auf morgen wieder auf plus-minus null zu kommen. damit lebt es sich doch gleich viel angenehmer. oder auch die vollständige löschung bei der schufa könnte so ein schritt sein. es wird eine „bad schufa“ gegründet, die all die offenbarungseide und kreditunwürdigkeiten versammelt. so steht die bevölkerung bei der schufa plötzlich wieder gut da und das spiel mit den leichtfertigen krediten kann von vorne beginnen.

ein wenig erinnert dies an „monopoly“ spielen, wo der erfolg immer davon abhängig war, wie großzügig der mitspieler, der die bank inne hatte war. so konnte bei manchen ein kredit nach dem anderen aufgenommen werden. wenn genug mitspieler verschuldet waren, annullierte man diese. das spiel konnte weitergehen. leider gab es aber auch die ereigniskarte „gehe ins gefängnis, begib dich direkt dort hin. gehe nicht über „los“, zieh keine 4000 mark ein.“ nun, auch das könnte für manche abläufe eine alternative sein.