Schlagwort-Archive: worte

nabelschau (51)

wählerwanderung der besonderen art. gestern wurde bei den verschiedenen wahlberichterstattungen ständig wiederholt, dass berlin keine normale stadt sei und das wahlergebnis ausdruck der berliner mentalität wäre. wie formulierte es die nette dame vom rbb? meckern. faszinierend, dass die forderung nach mehr beteiligung und mehr transparenz in politik und verwaltung als „meckern“ ausgelegt wird. und die „piraten“ haben ihr label auch schon erhalten, so werden sie als „digitale bohemiens“ (fernsehen) oder „digitale wutbürger“ (süddeutsche zeitung) bezeichnet.

aber darum soll es mir hier überhaupt nicht gehen. nein, es gab eine andere faszinierende tatsache, die mir wirklich rätsel aufgibt. das angemessene abschneiden der fdp bei der wahl wurde mit wählerwanderungen belegt. dazu gab es in der ard eine hübsche grafik und es wurde aufgezeigt, wo die wählerInnen so hinwanderten. und 1 % zog es von den liberalen zur linken. wie geht das? erst für die freiheit der märkte stimmen und dann der kapitalismuskritik seine stimme geben?

hier muss es gravierende umbrüche in einzelnen biografien gegeben haben. jedenfalls rätselte ich den ganzen abend, was bei jemandem passiert sein muss, damit er oder sie in ihrer politischen grundhaltung so erschüttert wurden, dass sie den weg von dem versprechen einer ungezügelten wirtschaft ohne hohe lohnnebenkosten zu einer grundsicherung für arbeitnehmer gefunden haben. ist hier das eigene unternehmen pleite gegangen? wird nach farben gewählt? oder verrutschte das letzte mal das kreuzchen auf dem stimmzettel und man hat es dieses mal korrigiert?

irgendwoher müssen die zahlen ja kommen. da werden doch bestimmt menschen befragt, wie sie bei der letzten und wie sie bei dieser wahl gewählt haben. vielleicht war da nur jemand genervt von der fragerei und machte einen scherz. aber man sollte nicht zu sehr an veränderungen zweifel, denn der mensch kann jederzeit umdenken. wieso sollte ein mensch während seines wirtschaftswissenschaftsstudiums nicht auch mal den marx lesen, wird er dort doch wegen seiner treffenden analysen beachtet, und umgedacht haben?

wahrscheinlich wählt der bürger ernsthafter als es politikerInnen und journalistInnen ihm zugestehen mögen, meinungsbildend statt meckernd.

schnickschnack (90)

das f***-wort ist inzwischen gebräuchlicher als noch vor jahrzehnten, ja es hat etwas freundliches, beinahe umgangssprachlich kuscheliges erhalten. manchen deutschen deftigen dialekten ist das nicht fremd. hier werden ausdrücke, die in anderen regionen beleidigungen darstellen, als freundschaftsbeweise und sprachliche zuneigung ausgeteilt.

ähnlich zu verstehen ist die website „fuck you very much“ aus dänemark. sie geht eine wunderbare verbindung aus diashow und gaaaanz knapper selbstdarstellung in ein paar worten ein. jeden tag kommen neue bilder und neue anmerkungen hinzu. die bilder sind fundstücke aus dem internet, die kommentare sind von zwei schreibenden verfasst.

wenn man dieses digitale bilderbuch aufschlägt, dann findet man wahrscheinlich sehr schnell ein gefallen daran, immer weiter zu blättern, sich eigene kommentare zu den bildern zu überlegen und einfach die schreibenden stück für stück kennenzulernen. wie weit die durchschimmernden haltungen der beiden veröffentlichenden nur virtuelle fantasie sind oder realität, das lässt sich nicht sagen, spielt aber auch keine rolle.

die seite ist vor allen dingen eine anregung. eine anregung zum bildersammeln, eine anregung sich selber mit ein paar worten und vielen bildern darzustellen. oder eine anregung, zu einzelnen bildern ganz eigene geschichten zu erfinden und zu schreiben. einfach mal vorbeischauen bei http://fuckyouverymuch.dk/ .

schreibpädagogik und irrtümer

die schreibpädagogik ist weiterhin kein eindeutiges, klar umrissenes fach, keine festgelegte profession oder grundlage einer institution. die schreibpädagogik versucht die vermittlung des schreibens zu umfassen, in ein wort zu hüllen. dabei gehen die meinungen, wie dies aussehen kann, auseinander.

der häufigste irrtum besteht in der verwechslung, überhaupt schreiben zu vermitteln gehöre zum gebiet der schreibpädagogik. also schreibpädagogInnen begeben sich in die grundschulen oder zu analphabetInnen und bringen ihnen buchstabe für buchstabe das alphabet, die worte bei. nein, die schreibpädagogik setzt zumindest zum teil voraus, dass man unser schreibsystem kennt, auch wenn die worte und deren verwendung nicht bekannt sein müssen.

ein weiterer irrtum besteht darin, dass schreibpädagogInnen das schöne schreiben, oder auch „schönschreiben“ genannt, vermitteln. also mit menschen üben, eine leserliche, sich an die konventionen der schreibschrift haltende schrift zu erhalten. auch wenn es sich dabei um einen form des schreibens handelt, schaut die schreibpädagogik eher auf den inhalt, denn auf das schriftbild.

auch die vermittlung verschiedener schreibarten ist nicht aufgabe der schreibpädagogik. also es wird nicht schreibschrift, zehn-finger-schreibsystem, die verwendung von schriften am computer oder dergleichen mehr vermittelt. auch das schriftbild interessiert die schreibpädagogik nur als möglichkeit, wie man sich mit einer visuellen anordnung ausdrücken kann.

das wäre vielleicht eine mögliche beschreibung der schreibpädagogik: sie vermittelt varianten des schriftlichen ausdrucks. Weiterlesen

web 2.0 und domain-namen

je größer das web wird desto schwerer wird es passende titel für den eigenen auftritt zu finden. soll der titel doch möglichst schon einen hinweis auf den inhalt geben. gleichzeitig darf er aber nicht zu lang sein, da die tipperei, die seite aufzurufen nicht die form einer kurzgeschichte annehmen sollte. also bemühen sich viele, einen treffenden ausdruck zu finden.

der hier schon einmal am rande erwähnte „nationale aktionsplan IN FORM“ tat sich auch in diesem zusammenhang besonders hervor. abseits der kinderleichten regionen fanden sich noch manche wortwendungen, die den lachmuskel erfreuen. zum beispiel:

fantasie haben sie, das muss man ihnen lassen, wenn es darum geht dem volk zu sagen, dass es gefälligst gesund bleiben sollte. wie habe ich heute gelesen, muskulöse menschen haben eine höhere lebenserwartung. na dann mal rein ins tretrad, immer das richtige essen und wehe sie haben einen hang zu genussmitteln. das ist die teuflische verführung im land der askese und des edelkäse. hier kann man lernen, worin unser dasein besteht: „ob spazierengehen, wandern oder nordic walking – der moderne mensch ist zum geher geboren. eine wiederentdeckung für die gesundheit.“ da plädiere ich für die neue domain http://www.fittiche.de, das neue glaubensportal für gesunde menschen.

worte und kunst – ein ausstellungstipp

die kunstkritik ist eigentliche der klassische moment, in dem die kunst mit worten und der sprache in berührung kommt. also tritt das wort oft erst in aktion, wenn die kunst als gemälde, skulptur oder fotografie schon geschaffen ist.

aber es gibt ausnahmen. dann, wenn die worte, die sprache und das spiel mit ihnen in die kunst einfliesst. am bekanntesten dafür ist sicherlich die plakatkunst, die das geschriebene durch das layout untermalt. die aber auch die worte so platziert, dass sie ihre eigene aussage verstärken. entweder durch den schrifttyp, die schriffarbe oder die anordnung der schrift.

plakate fangen bei der papiergröße A3 und erreichen größen bis zur abdeckung von ganzen hauswänden. doch der künstler lawrence weiner hat auf das plakat verzichtet und seine „wortspiele“ gleich an den dafür vorgesehenen orten angebracht. er macht die alltägliche umgebung zum plakat, ähnlich den sprayern, die über das setzen ihrer duftmarke hinausgehen. dieses zusammenspiel der sprache und wortspiele mit gebäuden und urbanen umgebungen kann zur zeit in düsseldorf anhand der ausstellung „AS FAR AS THE EYE CAN SEE“ betrachtet werden. die bis januar in der ausstellungshalle „k21“. mehr informationen zur ausstellung sind zu finden unter: http://www.kunsthalle.de/de/ausstellungen/2008/k21-lawrence-weiner.html . danach kann man sich überlegen, ob nicht die eigene hauswand mit einem guckloch versehen werden sollte, um das sich auf der fläche des hauses die worte „schauinswand“ breitmacht 😛

wortklauberei (6)

„mit dem wort links habe ich keine berührungsängste“

am samstag, den 13ten september war ein langes interview mit dem amtierenden außenminister steinmeier in der süddeutschen zeitung mit folgendem satz übertitelt: „mit dem wort links habe ich keine berührungsängste„. daraus ergeben sich einige fragen.

wie kann man mit einem wort in berührung kommen? eigentlich sollte man mit keinem wort berührungsängste haben, wenn man die sprache ungehemmt verwenden möchte. wichtiger als die berührung scheint doch der kontext, in dem das wort verwendet wird. der satz scheint als ausflucht davor, wirklich position zu beziehen und ergibt in der folge keinen sinn. denn ich kann sagen „links sein ist scheiße“ und ich kann sagen „links sein ist toll“. in beiden fällen fiel die berührung nicht schwer. selbst so fürchterliche wörter wie „kollateralschaden“ und „rechtsradikalismus“ müssen keine angst auslösen, wenn sie angemessen verwendet werden.

was wollte uns der außenminister also damit sagen? er sagt nicht, dass er seine eigene position als links definieren würde. er sagt auch nicht, dass er eine linke politik anstrebt. genausowenig teilt er in dem moment mit, dass er nur rechts abbiegt, weil er links nicht mag. wahrscheinlich lässt sich seiner auffassung nur durch den ausschluss von dem, was er nicht gesagt hat, annähern. so hätte er auch sagen können: „ich habe keine probleme damit, das wort links in den mund zu nehmen.“ hier ist sie wieder, sie seltsame berührung mit den worten. wie kann man ein wort in den mund nehmen? beide ausdrücke machen worte zu gegenständen. und zeigen nur an, dass man keine eindeutige aussage treffen möchte. es deutet an, dass man sich der vergegenständlichten haltung und position vielleicht annähert. denn sonst hätte herr steinmeier gesagt: „ich bin ein linker.“ so sagt er aber nur, er kann sich vorstellen über links zu reden. auch diese aussage ist doppeldeutig und muss im kontext des interviews gesehen werden. es handelt sich zum beispiel nicht um „internet-links“, die steinmeier meint. aber es ist ein perfekter ausdruck von „politsprech“, keine aussage zu treffen, noch nicht einmal eine haltung zu vermitteln. er hat nur keine angst das wort zu verwenden. wie er es in zukunft verwenden wird weiß kein mensch.

wortklauberei (5)

„wellness“

ein wort, wie ein gefühl, nur seltsamerweise mit skurriler aussage. als erstes kann man damit „fitness“ oder „loch ness“ assoziieren. doch wellness ist inzwischen so gebräuchlich, dass man vom wohlfühlen überhaupt nicht mehr spricht. nur leider bedeutet die direkte übersetzung „gutheit“, „verbesserung“ nur leider nicht von was. gebräuchlich ist es natürlich in bezug auf die gesundheit und die mentale verfassung. die frage bleibt, wer den maßstab für diese befindlichkeit setzt.

denn sich gut zu fühlen ist eine sehr subjektive angelegenheit und deshalb auch sehr verschieden bei den menschen. besetzt wird der begriff aber vor allen dingen mit entspannungsanwendungen. so sind im wellness-urlaub vor allen dingen massagen, moorbäder, schlafen im heu, entspannungsübungen und fitnesstrainings angesagt. doch mensch könnte auch den besuch der kneipe, den konsum von drogen oder das mehrgängige essen als wellness empfinden. schön wäre es, dies auch so auszudrücken, doch hier sei der sorgende gesundheitssektor vor. mensch wird angehalten sich „vernünftig“ um sich zu sorgen. früher nannte man vieles, was heute wellness ist, einfach „kur“. und die kur wurde klar vom urlaub getrennt. der wellness-urlaub drückt die verlagerung der sorge um die befindlichkeit des arbeitnehmers in das private leben. es wird nicht mehr nach den ursachen des stresses gefragt, sondern nur noch vermittelt, dass es dem menschen besser gehen wird, wenn er sich der „wellness“ hingibt. interessant wäre die frage, was dann „worseness“ sein könnte.

wortklauberei (3)

„ausbildung“

bildung basiert auf lernen, auf veränderung. „ausbildung“ basiert also auf der vorstellung „ausgelernt“ zu haben und etwas herausgebildet zu haben. eine neue rolle, einen beruf, die dann auf ihre anwendung warten. das mag einmal so gewesen sein, doch selbst damals entsprach der ausdruck nicht der realität. denn die ständig gemachten erfahrungen während der berufsausübung waren eine form von fortbildung. egal wie eintönig eine arbeit erscheinen mag, im laufe der zeit verändert sich die tätigkeit, lernen die arbeitenden dazu.

heute begeben sich alle in „fort-“ und „weiter“bildungung oder „um“schulungen. diese wortschöpfungen wären überhaupt nicht notwendig, wenn bildung bei uns nicht mit seltsamen vorstellungen verknüpft wären. so ist es immer noch üblich davon auszugehen, dass ein lernprozess etwas unangenehmes und anstrengendes, wenn nicht sogar schmerzvolles ist. ein prozess, durch den man durch muss, wenn man anschließend es zu etwas bringen möchte. in dem wort „ausbildung“ versammeln sich diese grundhaltungen und machen es zusätzlich so schwer die gesellschaftlichen trampelpfade zu verlassen. es kann eine bildung nicht gleichwertig wertvoll sein, wenn sie spaß macht. dann sind die anforderungen nicht hoch genug, die lernenden scheinen in den augen vieler unterfordert. das birgt die gefahr in sich, dass sich viele menschen abseits ihrer eigenen interessen und bedürfnisse „ausbilden“ lassen. im eklatanten widerspruch dazu steht dann der „beruf“, der sich auf die „berufung“ beruft. wundert es da noch jemand, dass die reformierung unserer bildungssysteme seit über 30 jahren nie wirklich gelingt. vielleicht sollte man die „ausbildung“ generell abschaffen und durch „lebenserweiterung“ ersetzen. dies erscheint mir allemal sinnvoller, als von einer „erlebnis“pädagogik zu sprechen, die eher dem eventcharakter folgt, also schon eine motivationstheorie im schlepptau hat, als endlich davon auszugehen, dass lernen, wenn es weitestgehend selbstbestimmt ist, einfach spaß machen kann. auch hier bleibt die verdächtigung den menschen gegenüber haften, dass sie von sich aus keine anstrengung unternehmen werden, zu lernen. lässt man den menschen entscheiden bleibt er „aus-“ und „ungebildet“ wird vermutet. so macht das alles keinen spaß 😛

„geflügelte worte“ – ein buchtipp

wussten sie, dass sprüche wie „sich in die höhle des löwen wagen“ oder „sich mit fremden federn schmücken“ aus fabeln des griechen äsop stammen und uralt sind. der berliner sprachforscher georg büchmann veröffentlichte 1864 das erste mal seinen zitatenschatz unter dem titel „geflügelte worte„. dabei griff er sprichwörter und begriffe auf, um deren quellen aufzuzeigen.

die heutige ausgabe ist natürlich überarbeitet und ein wenig modernisiert worden, doch sie enthält zum großteil noch die arbeit von büchmann. „wer niemals einen rausch gehabt, der ist kein braver mann“ und dergleichen mehr sind in dem buch versammelt. eine wunderbare grundlage für die gestern vorgestellte schreibidee (45). aber auch viele andere begrifflichkeiten können sowohl schreibanregung sein, als auch erklärt werden. oder wussten sie, dass die „lynchjustiz“ wirklich auf einen richter william lynch um 1780 zurückgeht?

einziges manko des buchs ist es, dass die aneinanderreihung der Zitate sich nicht in einem inhaltsverzeichnis widerspiegelt. dafür gibt es ein sehr ausführliches stichwortverzeichnis. und doch hätte man gern die zeitliche abfolge der sprichwörter noch ein wenig erklärt bekommen. aber ein runder, bürgerlicher zitatenschatz zur vielfältigen verwendung, erschienen 1977 in der droemerschen verlagsanstalt th.knaur nachf. in münchen, heute in der ich-weiß-nicht-wievielten auflage mit der ISBN 13-978-3-426-07502-9

wortklauberei (02)

„seitenflügel“

berlin zeichnet sich durch viele alte gebäude aus, die bis zu drei oder vier hinterhöfe haben. sehr beliebt bei der beschilderung an den klingelknöpfen oder in den mieterverzeichnissen ist die bezeichnung „seitenflügel“. es leben also menschen im seitenflügel. das scheint nicht besonders erwähnenswert, wenn sich nicht die frage stellen würde, wo flügel sonst sitzen.

es gibt auch bei dem fliegenden federvieh keine oben-, unten- oder vorderflügel. ist ein vogel doch kein fisch, der in jegliche richtung flossen sein eigen nennen kann. also ist der seitenflügel doppeltgemoppelt und es würde seitengebäude als hinweis oder rechter und linker flügel. da hat es jemand gut gemeint mit den orientierungslosen, die versuchen im gewirr der hinterhöfe den freund zu besuchen. manche häuser mit verschiedenen aufgängen im hinterhof nummerieren sie einfach durch. dies gewährleistet die orientierung ebenso. hilfreich scheint die bezeichnung vorder- und hinterhaus. doch auch sie folgt keiner klaren logik. ist der gesamte komplex doch das haus und keine ansammlung verschiedener häuser. so müsste es eigentlich haus vorne und haus hinten heißen.

wer sich die lagebeschreibungen einfallen ließ ist unklar. es könnte sein, es hat sich um jemanden gehandelt der dem motto „my home is my castle“ verfallen ist. denn die vorstellung zweier seitenflügel ist bei schlössern eine berechtigte. steht man vor dem hauptgebäude breiten sich häufig rechts und links die schwingen aus und der steinhaufen macht den eindruck, wie wenn er gleich abheben wolle. der seitenflügel wiederum scheint eher einen vogel im ruhezustand zu symbolisieren, der seine flügel angelegt hat.

ähnlich verhält es sich mit dem „kotflügel„, der auch nicht gerade den eindruck ausgebreiteter federflächen erweckt. aber hier interessiert weniger der flügel, als die frage, woher das wort „kot“ in diesem zusammenhang kommt. das englische „mudguard“ für kotflügel erscheint logischer. aber vielleicht fahren die deutschen autos immer durch ländliche regionen, wo kuh, schwein, pferd und federvieh auf die strasse geschissen haben. und auch hier scheint der flügel von der auffassung „my car is my castle“ abzustammen. ob wir alle irgendwann abheben?

wortklauberei (01)

tiefkühlkost

ein wort, das relativ neu ist, aber wirkt, wie wenn es der klamottenkiste entstiegen sei. vom ende her aufgerollt, trifft man auf den begriff „kost“. mir ist der eigentlich erst einmal vom ausdruck „kost und logis“ her bekannt. diesen ausdruck verwendet heute kaum jemand. kost heißt in diesem zusammenhang also „essen“ oder „mahlzeit“. doch tiefkühlessen oder tiefkühlmahlzeit hätte nicht die gleiche unterkühlte art wie tiefkühlkost.

doch nicht genug damit, eigentlich enthält das wort einen ausdrucksfehler, kann doch von kühlem wind, auch von kühlem essen die rede sein, aber nicht von „kühl“ essen. dann schon tief gekühltes essen. vielleicht hat hier jemand gemeint „cool“ eins zu eins übersetzen zu müssen oder es handelt sich um eine abkürzung.

um die abkürzung einer wortkombination, die nicht logisch ist. was ist „tief gekühlt“, oder andersrum gefragt, was würde man unter „hoch gekühlt“ verstehen? die worte ergeben keinen sinn. da wir uns hier im bereich der minus-grade bewegen, müsste es, wenn man sich an den zahlen orientiert, entweder hoch-kühl oder niedrig-gekühlt heißen. so komme ich auf worte wie „niedriggekühltmahlzeit“, „tieftemperaturkost“, „starkgefrieressen“ oder „hochkaltware“.

sicherlich waren wortspielerInnen am werk, die die anfangsbuchstabenfolge t-k-k des rhythmus wegen gewählt haben, als sie den begriff erfanden. denn es klingt immer hübsch, auch wenn man „teufelskollegenkonsortium“ oder „transportkarrenkombinat“ sagt. der rhythmus im hintergrund sorgt für eine zackige betonung. und so sind im single-haushalt häufig die „tiefkühlkost“ und der „tageskulturkalender“ nicht mehr wegzudenken 😛

kreatives schreiben und wortschöpfungen

das kreative schreiben spielt mit worten, teilweise auch mit lauten und stellt dabei nicht selten die ernsthaftigkeit der sprache in frage. so kann es während des schreibens dazu kommen, das worte geschöpft werden, die es im deutschen gar nicht gibt. da man sich aber nicht in einem germanistischen seminar befindet und auch nicht sprachwissenschaftlich tätig ist, darf dies geschehen.

sicherlich macht es sinn, einen möglichst fehlerfreien text am ende produziert zu haben. das ist schon deshalb hilfreich, da man nicht ins stocken gerät, wenn man ihn irgendwo vorträgt. aber auf der anderen seite, darf zum beispiel der begriff „gelbes federvieh“ für einen kanarienvogel im text auftauchen. dabei handelt es sich eigentlich noch um keine wortschöpfung, sondern um eine ungewöhnliche wortkombination. diese können einen sachverhalt, eine begebenheit teilweise leichter und schneller darstellen, als ein erklärender satz. so zeigt „gelbes federvieh“ eventuell auf, dass ein sehr distanziertes verhältnis zu diesem haustier besteht.

aber es kann noch weitergehen, in der lyrik häufiger als in prosa, wenn ganz eigenständige wörter geschöpft werden. wenn der knöterich „gartenzäunend“ um das rasengrundstück rankt, dann können sich leserInnen eventuell vorstellen, dass der knöterich eine gartenzaunartige funktion übernehmen könnte. oder dass er sich so verknotet, wie ein jägerzaun. das ist erlaubt, führt aber nicht immer dazu, dass der begriff so verstanden wird, wie er gemeint ist. doch es gehört zum kreativen schreiben, oder zum literarischen schreiben an sich, dass die intentionen des autors selten vollständig von leserInnen erfasst werden können. was aber den texten keinen abbruch tun muss.

wortschöpfungen können erst einmal eine anregung beim schreiben darstellen. was könnte eine „rasenverzweigung“, ein „müllherz“ oder eine „giraffenhose“ sein? hier lässt sich hemmungslos assoziieren und beschreiben.  und es lassen sich umstände ganz anders erfassen, als es vorher möglich war. und wenn der linientreue text sich verstandeskurbelnd in der hirnschale eingräbt, kann der abschnittsschluss wortgewaltig geraten.

mein persönliches wort-wendungs-ranking (4)

manchmal braucht man nicht lange zu warten, bis einem wieder formulierungen über den weg laufen, die entweder freude verursachen oder ekel hervorrufen. hier die nächste ganz persönliche ranking-liste:

1. „die stufen rufen“ – wieder eine dieser unsäglich pädagogischen „Gesundheit“serziehungsmaßnahmen, die meinen körper verändern sollen. dieses mal von der berliner charite: http://www.champ-info.de/die_stufen_rufen/ (siehe 2.).

2. „10 000 schritte im land der ideen“ – schon das „land der ideen“ grenzte an verblödung, jetzt aber noch „gesunde“ bewegung in schritten zu zählen und das als idee zu verkaufen, lässt die erfindung des rades blass erscheinen.

3. „getränkegeprägte kleingastronomie“ – das bundesverfassungsgericht zur eckkneipe. die folge: salatgeprägte kleingastronomie = der vegetarische imbiss, kartoffelgeprägte kleingastronomie = pommesbude, hackgeprägte kleingastronomie = mac donalds, burger king und „buletten-babsi“, würstchengeprägte kleingastronomie = Bratmaxe, käsegeprägte kleingastronomie = die alm…

4. „werden sie fugen-pate – zusammenhalt für die gedächtniskirche“ – was gott trennt soll der mensch nicht zusammenfugen.

5. „l´ost forever“ – die volksbühne war doch noch zu sehen, sie verschwand nicht mit dem bonmot

6. „hallo deutschland“ – muss umbenannt werden, da die sendung ausschließlich aus berichten über tod, mord und amok besteht, in: „hallo? deutschland!

7. „jetzt geh ich mich noch überzuckern“ – wirklich süß, wie man zu aufhübschen auch noch sagen kann.

8. „christlicher plakatdienst“ – für teuflische werbung in den u-bahnhöfen im besitz der familie „von der mark“, haben noch nicht auf euro umgestellt.

9. „christoff umstandsmode“ – fand sich bei google als werbung als ich nach dem eigenen namen suchte

10, „strumpfhoden“ – wohin ein tippfehler führen kann.

 

na dann mal gesund, gläubig und gut verfugt nach weiteren ranking-kandidaten suchen.

mein persönliches wort-wendungs-ranking (3)

es ist wieder an der zeit die unsäglichkeiten und unschreiblichkeiten in einem ranking aufzulisten. irgendwer hat es dann doch gesagt oder aufgeschrieben und deshalb hier die superultimativen wort-wendungen:

 

1. „pregnancy hill„: die aktuellste und treffendste bezeichnung für den fortpflanzungsfreudigsten kiez in berlin, den prenzlauer berg

2. „nur nackt ist billiger„: kik hat sich der bevölkerungsarmut angenommen und der anblick könnte in den nächsten jahren interessant werden

3. „übergewicht? nimm jesus„: wenn der glaube pfunde versetzt freut es den deutschen verein für gesundheitspflege e.v.

4. „summer must-haves„: was brauchen nach der ansicht von pantene pro-v summer (also wespen, bienen und dicke fliegen)?

5. „vanish oxi-action-power-weiß mit intelligence-formel„: womit reinigen dann dumme? trash proxy-flower-scheiss mit stupid-formel 😮

6. „bayern ist da, wo der bund hin will„: liebe angela, ich schreib nur, ab in die berge!

7. „initiative für das gute gespräch„: jacobs sorgt dafür, dass jeder mit seinem computer ein gutes gespräch führen kann: http://www.initiative-fuer-das-gute-gespraech.de 

8. „zeitnah„: ein wort wie ein hammer, das erst zeitfern wirkt

9. „slow food„: nicht langsame füße sind das problem, sondern essen das auf dem teller liegen bleibt und nicht mehr wegrennt

10. „zeit des genießens – tipps für reisefreudige in den besten genuss-jahren„: in zusammenarbeit mit den 50+hotels. wir wussten es schon lange, erst nach den wechseljahren kann man den sex genießen

 

weitere sinnlose äußerungen sind zu finden unter:

wort-wendungs-ranking (1)

wort-wendungs-ranking (2)

mein persönliches wort-wendungs-ranking (2)

fängt man  an zu sammeln welcher wahnsinn tagtäglich formuliert und fabuliert wird, dann stellen sich schnell neue listen und rankings ein. das möchte man niemandem vorenthalten. hier sind sie, die ultimativen wort-wendungen:

1. „die erste haartherapie mit zement-ceramid„: botox klingt schon wie ein chemischer kampfstoff aber was haben wir dann erst auf dem kopf

2. „runder tisch für nachhaltiges palmöl„: was öle heute so alles können

3. „ausphasen von streubomben„: der verteidigungsminister meinte vielleicht, dass sie abgeschafft werden sollen 😮

4. „treff bundeswehr„: ein infostand auf der internationalen luftfahr-ausstellung, sollte vielleicht heißen „treffer bundeswehr“

5. „das must-heft für den style der stars„: ein wort: must-opf

6. „abgrund – eine stadt stürzt ein„: abgrund – ein sender stürzt ab

7. „schwarz-rot-grill„: die ultimativen em-grillwürstchen bei lidl, bloß wie schmecken die?

8. „wenn katzen vögeln„: selbstkreiertes motto für die rolligen katzen im hinterhof, die die ganze nacht tobten

9. „der erste gouda zum streichen„: klingt wie käse zum streicheln

10. „das deutsche zusatzstoffmuseum„: sicherlich ein interessantes museum im hamburg, aber früher verlängerte man einfach hosen.

 

sollten noch andere begriffe und wort-wendung begeisterung auslösen, können sie mir gern per mail geschickt werden. werde sie dann hier veröffentlichen.

mein persönliches wort-wendungs-ranking (1)

um nicht hinter der ganzen bewertungsmaschinerie zu verschwinden, habe ich mich entschieden ein persönliches ranking zu verfassen. ich bewerte wörter und wortwendungen, die mir besonders gut gefallen oder die ich vermisse. die liste verschiebt sich immer ein wenig, doch hier der aktuelle stand:

1. „bürgerliche dämmerung„: anscheinend immer noch ein gebräuchlicher begriff in der meteorologie. reizt dazu, die „prekäre dämmerung“ zu erfinden.

2. „keck„: einfach ein wunderbares wort

3. „das ist emo„: steht für emotional, gefühlig

4. „dialog-marketing-fachkräfte„: das sind menschen, die im call-center arbeiten

5. „eine chronisch ansteigenden unterfinanzierung im gesundheitssystem„: wahrscheinlich der politische fachausdruck für das früher so genannte „minuswachstum“.

6. „schmuck„: damit meine ich nicht die klunker, sondern einen anderen ausdruck für schön, hübsch. „das ist aber schmuck“.

7. „der käse, der mitlacht„: dazu nur: heiter weiter

8. „black forrest„: ein mineralwasser aus dem schwarzwald, hoch lebe die fantasie, klingt nach robin hood.

9. „anheimfallen„: einfach nur schön altertümlich

10. „wellness-oase„: der ausdruck für den ganzen wohlfühl-mist.

möchte hier noch jemand beim wörterranking mitmachen, einfach eine mail schicken oder als kommentar eintragen. die welt ist voller schönster begebenheiten, machen wir sie öffentlich, ohne sie an menschen zu koppeln.

das stichwort als „tag“

bei dem selbstversuch einen blog zu schreiben, geschieht es mir immer wieder, nicht zu wissen, welche stichworte ich denn einem beitrag zuordnen soll. entweder gestaltet sich die überlegung als zu reichhaltig, soll heißen, bis ich den beitrag umfassend beschrieben finde, sind mir dreissig stichwörter eingefallen, die ich alle auflisten könnte. bei einem buchtipp wäre es dann eher hilfreich nur den buchtitel zu nennen, aber ein wenig umschreibung erscheint nötig. erst dachte ich, den schnickschnack kann man weglassen. aber ich lernte dazu, dass inzwischen weltweit im web 2.0 die „tags“ gelistet werden und es sogenannte „tag-surfer“ gibt, die sich ausschließlich entlang der stichworte bewegen. da ist es mir natürlich ein anliegen, die schreibpädagogik bekannter zu machen. aber auch dies ist ein trugschluss, denn dieses stichwort landet natürlich unter ferner liefen. die aktuellen tags lauten: Politics News Life Music Family Personal Religion Art Travel Random Thoughts Photography Food All Books Poetry Media Culture Friends Entertainment Love Video Health Humor Writing Technology Events Blogging Sports Photos Business History Barack Obama Movies Education Christianity Faith Reviews Radiant penguin Relationships Work Hillary clinton Rants Science Opinion Videos Blog Internet Fun School Iraq Philosophy Fashion Church Holidays Film Drama God Spirituality Announcements YouTube People TV Television Action Musings War Marketing Obama Recipes Comedy Environment The Page Children Miscellaneous Misc Journal Race Nature Quotes Design Democrats Home Society Me. zumindest bei wordpress.com . interessant finde ich, dass niemand über sex schreibt, sind doch die bei den suchmaschinen am häufigsten eingegebenen begriffe sexueller art. es gibt da wohl noch ein web 3.0, das irgendwie nebenher läuft.