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web 2.58 – visuelle poesie

das auge liest mit. auf diesen nenner könnte man den blog von anatol knotek aus wien bringen. visuelle poesie hat eine lange tradition. sie ist der versuch, wortspiele nicht mit abfolgen und lauten darzustellen, sondern mit der anordnung des geschriebenen.

früher war visuelle poesie das starre darstellende bild. doch heute bietet das web 2.0 in kombination mit den digitalen animationstechniken eine unglaubliche bandbreite an neuen möglichkeiten, bewegung in die sprache zu bringen. in dem blog „visuelle poesie“ wird dies in wunderbarer weise umgesetzt. es gibt eine menge sehr humorvoller wortspiele in bewegung.

der inzwischen recht einfach zu erstellenden flash-animation sei dank, dass unsere sprache, dass die worte und einzelne buchstaben durch die luft gewirbelt werden können, um zur nachahmung anzuregen. wer sehr schöne bilder genießen möchte, besuche doch einfach mal http://visuelle-poesie.blogspot.com/ .

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wortklauberei (51)

„black puty“

holldrioh, die waldfee!! manchmal sitzt man vor der glotze und fragt sich, für wie blöd halten die einen eigentlich. da fängt eine schwarze plastepackung mit irgendeinem fleischigen inhalt an, auf dem tisch zu tanzen. im lauf der werbung stellt sich heraus, dass geflügel, in diesem falle pute (und sicherlich auch puterich, also truthahn, also großes geflügel, also thanksgiving-kram) in scheibchen verarbeitet wurde, noch anderweitig behandelt wurde und eben nun in schwarz daher kommt.

um der neuen verpackung und dem neuen produkt eine überschrift zu geben, waren die pr-strategen unglaublich witzig, also german-tv-witz, und nannten das ganze „black puty“. mir kommt bei dem wortspiel als erstes der russische nebenpräsident in den sinn. hat wohl was mit der lautmalerei zu tun. danach finde ich in meinem bildungsbürgerlichen oberstübchen noch das pferd, also eigentlich „black horsy“, das mal in einen roman und in einen film gepackt wurde und damals junge menschen zum mitfühlen anregte. noch weiter hinten im oberstübchen findet sich auch die us-amerikanische bürgerrechtsbewegung, die vor jahrzehnten „black ist beautiful“ skandierte.

doch inzwischen tanzt „black“ „putyful“ auf dem holztisch rum, weil es ja so lecker ist. verstehen kann man nur einen sprachkalauer. nicht verstehen kann man die kaufstrategie und vor allen dingen die sprachverirrungen. denn würde man dem englischen frönen, dann müsste das produkt „black turkey“ heissen. aber in diesem moment kommt das land der elenden migrationsdebatten richtig ins schwitzen, würde dies nicht nur „schwarze pute“, sondern auch „schwarze türkei“ in der übersetzung heißen. aber „puty“ gibt es nicht nur „to put“ oder „to putt“. also, alles in allem schwebt da essbarer „schwarzer schwachsinn“ über den bildschirm, pute an sprachkauderwelsch.

ab morgen neue rubrik – „wortklauberei“

es gibt tolle wörter in der deutschen sprache, die ganz selbstverständlich für bestimmte dinge oder verhaltensweisen verwendet werden. und doch könnte man sie auch anders verstehen. sie zu sezieren, macht manchmal spaß. darum möchte ich mir ab morgen in unregelmäßigen abständen worte vornehmen, um sie nach ihrem gehalt zu betrachten.

doch weshalb dies einen tag vorher ankündigen? habe ich doch bei anderen rubriken auch nicht gemacht. da gleich vorgebaut sei. es handelt sich bei der rubrik  nicht um eine germanistische, wortentstehungsgeschichtliche herangehensweise, sondern um eine ganz subjektive, selbstanimierende. sie ist der gegenpol zum wortwendungsranking, das sich auf neologismen stürzt und nach deren sinnhaftigkeit fragt. die „wortklauberei“ sollen dazu einladen, mitzumachen. zugesandte ideen und andere subjektive eindrücke von worten oder begriffen werden gern hier veröffentlicht. können aber auch in den kommentarkasten gesetzt werden. je nach belieben. denn das umdrehen und sezieren von worten bietet immer die möglichkeit, neue zu entdecken oder sie leichter zweckentfremdet zu verwenden. wer mitmachen möchte, sende seine / ihre „wortklauberei“ an diese mailadresse.

kreatives schreiben und wortschöpfungen

das kreative schreiben spielt mit worten, teilweise auch mit lauten und stellt dabei nicht selten die ernsthaftigkeit der sprache in frage. so kann es während des schreibens dazu kommen, das worte geschöpft werden, die es im deutschen gar nicht gibt. da man sich aber nicht in einem germanistischen seminar befindet und auch nicht sprachwissenschaftlich tätig ist, darf dies geschehen.

sicherlich macht es sinn, einen möglichst fehlerfreien text am ende produziert zu haben. das ist schon deshalb hilfreich, da man nicht ins stocken gerät, wenn man ihn irgendwo vorträgt. aber auf der anderen seite, darf zum beispiel der begriff „gelbes federvieh“ für einen kanarienvogel im text auftauchen. dabei handelt es sich eigentlich noch um keine wortschöpfung, sondern um eine ungewöhnliche wortkombination. diese können einen sachverhalt, eine begebenheit teilweise leichter und schneller darstellen, als ein erklärender satz. so zeigt „gelbes federvieh“ eventuell auf, dass ein sehr distanziertes verhältnis zu diesem haustier besteht.

aber es kann noch weitergehen, in der lyrik häufiger als in prosa, wenn ganz eigenständige wörter geschöpft werden. wenn der knöterich „gartenzäunend“ um das rasengrundstück rankt, dann können sich leserInnen eventuell vorstellen, dass der knöterich eine gartenzaunartige funktion übernehmen könnte. oder dass er sich so verknotet, wie ein jägerzaun. das ist erlaubt, führt aber nicht immer dazu, dass der begriff so verstanden wird, wie er gemeint ist. doch es gehört zum kreativen schreiben, oder zum literarischen schreiben an sich, dass die intentionen des autors selten vollständig von leserInnen erfasst werden können. was aber den texten keinen abbruch tun muss.

wortschöpfungen können erst einmal eine anregung beim schreiben darstellen. was könnte eine „rasenverzweigung“, ein „müllherz“ oder eine „giraffenhose“ sein? hier lässt sich hemmungslos assoziieren und beschreiben.  und es lassen sich umstände ganz anders erfassen, als es vorher möglich war. und wenn der linientreue text sich verstandeskurbelnd in der hirnschale eingräbt, kann der abschnittsschluss wortgewaltig geraten.

mein persönliches wort-wendungs-ranking (4)

manchmal braucht man nicht lange zu warten, bis einem wieder formulierungen über den weg laufen, die entweder freude verursachen oder ekel hervorrufen. hier die nächste ganz persönliche ranking-liste:

1. „die stufen rufen“ – wieder eine dieser unsäglich pädagogischen „Gesundheit“serziehungsmaßnahmen, die meinen körper verändern sollen. dieses mal von der berliner charite: http://www.champ-info.de/die_stufen_rufen/ (siehe 2.).

2. „10 000 schritte im land der ideen“ – schon das „land der ideen“ grenzte an verblödung, jetzt aber noch „gesunde“ bewegung in schritten zu zählen und das als idee zu verkaufen, lässt die erfindung des rades blass erscheinen.

3. „getränkegeprägte kleingastronomie“ – das bundesverfassungsgericht zur eckkneipe. die folge: salatgeprägte kleingastronomie = der vegetarische imbiss, kartoffelgeprägte kleingastronomie = pommesbude, hackgeprägte kleingastronomie = mac donalds, burger king und „buletten-babsi“, würstchengeprägte kleingastronomie = Bratmaxe, käsegeprägte kleingastronomie = die alm…

4. „werden sie fugen-pate – zusammenhalt für die gedächtniskirche“ – was gott trennt soll der mensch nicht zusammenfugen.

5. „l´ost forever“ – die volksbühne war doch noch zu sehen, sie verschwand nicht mit dem bonmot

6. „hallo deutschland“ – muss umbenannt werden, da die sendung ausschließlich aus berichten über tod, mord und amok besteht, in: „hallo? deutschland!

7. „jetzt geh ich mich noch überzuckern“ – wirklich süß, wie man zu aufhübschen auch noch sagen kann.

8. „christlicher plakatdienst“ – für teuflische werbung in den u-bahnhöfen im besitz der familie „von der mark“, haben noch nicht auf euro umgestellt.

9. „christoff umstandsmode“ – fand sich bei google als werbung als ich nach dem eigenen namen suchte

10, „strumpfhoden“ – wohin ein tippfehler führen kann.

 

na dann mal gesund, gläubig und gut verfugt nach weiteren ranking-kandidaten suchen.

schreibaufgabe (09)

wie schon bemerkt ist es zeit für urlaub und reisen. es ist hochsommer, schulferien beginnen in den nächsten wochen überall und der alltag gestaltet sich ein wenig gelassener. wenn dann mal gepackt ist, der stau hinter einem liegt und sich alle vertragen.

man hat zeit. und manche(r) weiß nicht so recht, was mit dieser zeit anfangen. gern werden rätsel gemacht oder kleine wortspiele verfertigt. so auch bei dieser schreibaufgabe, damit es nicht langweilig wird in der sonne. grundlage der aufgabe bildet das wort „sommerurlaubsreiseplanung„. ein wort mit vielen buchstaben, die durcheinander gewürfelt neue worte, ja ganze sätze geben können.

darin besteht auch die aufgabe. verfasse einen text aus den buchstaben des wortes „sommerurlaubsreiseplanung“. es kann ein text sein der sätze aneinanderreiht, die aus dem wort gebildet werden können. es kann aber auch ein text aus den wörtern sein, die man mit dem grundlagenwort bilden kann. natürlich kann es auch ein kleines gedicht oder elfchen sein.

also ein mix aus kreativem schreiben und worträtsel. worum der text sich dreht ist freigestellt und wörter dürfen sich natürlich wiederholen. perfekt wird es, wenn es keine wiederholungen gibt. viel spaß und erholung dabei.