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„auf sie mit idyll“ von wiglaf droste – ein buchtipp

wie der vollständige titel des buches „auf sie mit idyll – die schöne welt der musenwunder“ schon sagt, finden sich darin kurze und etwas längere texte, die sich vor allen dingen der literatur aber auch sonst den schönen künsten und dem schönen leben zuwenden. wiglaf droste berichtet darin von seiner zeit als stadtschreiber in rheinsberg, portätiert krimiautoren und widmet sich den aktuellen politischen entwicklungen.

aber vor allen dingen beschäftigt sich droste mit dem gebrauch unserer sprache. er kommt in fahrt, wenn er das gefühl hat, dass sprache verhunzt wird, dass sie verschleiern und verstecken soll. und er hat keine hemmungen, eigene sprachkreationen (und kleine bösartigkeiten) in den text einfließen zu lassen. eine sehr amüsantes buch, das einen animiert, gleich selber zum stift zu greifen und sich der glosse zu zu wenden.

gewürzt wird ein teil der texte mit kleinen zwei- oder vierzeilern, mit einer „hymne auf die lesebrille“ oder eben solchen rhythmischen und direkten aussagen wie „das leben muss weggelebt, wachheit ist der schlüssel, und ohne klare bewusstsein ist alles nur tran und dschumm und pooftütentum.“ (droste über die erkenntnisse von janwillem van de wetering). ein durch und durch empfehlenswertes buch für menschen, die während des lesens gern lachen. es ist 2011 bei der edition tiamat erschienen. ISBN 978-3-89320-145-7.

wortklauberei (58)

„neujahr“

alles neu macht der tag, auch das jahr. das ist hübsch, man kann viel hinter sich lassen, einen neu-start wagen und ganz von vorn anfangen. mit neu-gier, neu-rosen, neu-trum und all dem anderen.

neu-jahr lässt uns neu-artig sein, überredet uns zur neu-ordnung. gibt dem -lich, dem -ling, dem -tral und den -ronen eine bedeutung. selbst -rasthenie, rotoxin und -rodermitis erhalten überhaupt erst einen sinn. der mond, der wert, das fundland und das seeland, sie alle werden aufgefrischt, wenn sich das „neu“ davorschiebt.

und so schiebt sich das „neu“ an diesem tag vor das jahr. die drei buchstaben erfrischen, lassen ein reload, einen wechsel im system zu. die chance sollte man nutzen, denn sonst dauert es wieder 365 tage, bis es einem erlaubt ist, alles neu zu machen, also zumindest ein ganzes jahr lang.

es sind allen ab heute viele -igkeiten, -fassungen, -erungen und -belebungen zu wünschen, damit neujahr wirklich zu neu-jahr wird.