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schreibgruppen selber gründen (05)

rhythmus / zeit

einmal spaß am schreiben gefunden, möchte man manchmal gar nicht mehr aufhören. vor allen dingen in der gruppe ergeben sich schnell momente, in denen die texte immer länger werden und alle den wunsch haben ein ausführliches feedback auf ihren text zu erhalten. und schon entsteht zeitdruck, da die schreibgruppen-zeit vorüber ist, manche ein ausführliches feedback erhalten haben und andere noch nicht einmal ihren text vorstellen konnten. das kann schnell zu konflikten führen.

also sollte man sich im vorfeld beim gründen einer schreibgruppe überlegen, wie der zeitrahmen für die schreibgruppe aussehen sollte. dazu kommt die frage, in welchem rhythmus ein treffen stattfindet und wie mit dem zeitmanagment während der eines gruppentreffens umgegangen wird.

wöchentliche treffen sind bei vielen schreibgruppen üblich. dies hat den vorteil, dass man annähernd von treffen zu treffen in einem schreibfluss bleiben kann, die unterbrechung nicht zu lang ist. es hat den nachteil, wenn man aus einem treffen viele ideen für das schreiben mit nach hause nimmt, dass einem die zeit zu kurz erscheint, für sich selber einiges davon einmal in ruhe umzusetzen.

hier kann sich die gruppe auf unterschiedliche modi einigen.

  • so kann man längere abstände zwischen einzelnen gruppentreffen wählen, mit der option, dass die einzelnen gruppentreffen genug zeit und raum bieten, um in der zwischenzeit entstandene texte vorstellen zu können.
  • oder man bleibt beim wöchentlichen rhythmus, baut aber vielleicht einmal im monat oder alle zwei monate ein treffen ein, an dem ausschließlich abseits der gruppentreffen entstandene texte vorgetragen werden können und ein ausführliches feedback erhalten.
  • man kann sich auch darauf einigen in regelmäßigen abständen eine lesung zu veranstalten, die raum für alle texte gibt, aber ohne feedbackrunde stattfindet.
  • zudem kann man für das intensive arbeiten an texten und inhalten zum beispiel zweimal im jahr ein klausurwochenende durchführen, das mehrere stunden andauert.
  • oder man einigt sich darauf, abseits der gruppe entstandene texte nicht in der gruppe zu verhandeln, aber die veröffentlichung untereinander für alle teilnehmerInnen im internet auf einer verschlüsselten plattform zu ermöglichen.
  • bei einer gruppenstärke von 10 teilnehmerInnen sind zwei stunden für ein gruppentreffen sehr wenig zeit, wenn einmal ein längerer text geschrieben und vorgetragen werden soll. da scheinen drei stunden für kleinere einstiegsübungen, einen längeren text schreiben und ausführlichen feedbackrunden sinnvoll.
  • die gruppe könnte sich auch auf eine(n) zeitbeobachter(in) pro treffen verständigen, damit alle ein angemessenes feedback auf ihre texte bekommen und sie vortragen können.
  • ein open end für eine gruppe ist immer schwierig, da meist einige noch termine und verpflichtungen haben und nicht bis zum schluss bleiben können und sich somit die gruppentreffen stück für stück auflösen.

wichtig scheint mir, sich bewusst zu sein, dass in schreibgruppen die teilnehmerInnen, auch wenn sie sich ein wenig zieren, gern ihre texte vortragen möchten und sich auch meist ein feedback von den anderen wünschen. dem sollte rechnung getragen werden, damit alle anschließend zufrieden nach hause gehen und nicht das gefühl haben, übergangen worden zu sein. zeiten und rhythmen können ja alle halbe jahre von der gruppe überprüft und bei bedarf geändert werden.

schreibpädagogik und geschwindigkeit

das anleiten von gruppen, die ausbilden und etwas mit lernen zu tun haben, ergibt sich gern das problem, dass menschen in ganz verschiedenen geschwindigkeiten die lernprozesse vollziehen. es wird zum beispiel bei schulklassen nach dem prinzip verfahren, sich nicht an den schnellsten aber auch nicht an den langsamsten schülerInnen zu orientieren.

in schreibgruppen ist das vorgehen in diesem zusammenhang schwieriger, da der kreative prozess beständig ausgeweitet werden kann. soll heißen, ich kann meine schreibaufgabe beständig nicht beenden, da mir immer noch ein satz einfällt, ich noch an meinem text feilen möchte. so findet man sich bei der leitung von schreibgruppen schnell an dem punkt wieder, dass die schreibgruppe keine ende bei der bewältigung der aufgabe findet, wenn keine klaren zeitvorgaben gemacht wurden. viele teilnehmerInnen berufen sich darauf, dass sie noch nicht fertig sind mit dem text und vor allen dingen das ergebnis nicht zufriedenstellend finden, wenn sie jetzt abbrechen müssen.

hier ist es aber aufgabe von schreibgruppenleiterInnen den schreibprozess irgendwann abzubrechen. denn es geht nicht darum den perfekten text abzuliefern und somit auch den inneren zensor zur beständigen überarbeitung anzuspornen, sondern es geht darum eben keinen „zeit-raum“ dem zensor zu überlassen. vielen wird immer die zeit bei verschiedenen schreibanregungen zu kurz sein. und klar, man kann noch ganz viele ideen haben, doch sie finden in diesem moment einfach keinen platz. das scheint wichtig, da sich die schreibgruppe sonst in einen roman-workshop verwandelt.

deshalb sollte man sich im vorfeld gut überlegen, welchen zeitrahmen man für das schreiben ansetzt und dies allen teilnehmerInnen im vorfeld mitteilen. ungefähr zwei minuten vor beendigung der schreibaufgabe teilt man dies den teilnehmerInnen mit. zum schluss bittet man alle, ihren stift abzulegen. anschließend lässt man noch ungefähr eine halbe minute zeit, um den letzten satz zu formulieren und besteht dann darauf, dass der stift abgelegt wird. die beste möglichkeit, den schreibprozess zu stoppen, besteht darin, gleich die leserunde zu beginnen. denn beim kreativen schreiben geht es nicht um die schreibgeschwindigkeit, sondern um die schaffung eines möglichst ungerichteten schreibprozesses.