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mein computer und ich – eine umgangslehre (10)

kaufzwang

inzwischen gibt es technische entwicklungen, die keine wahl mehr lassen. die umstellung elektronischer, digitaler oder technischer geräte mutiert immer mehr zu einem beschleunigungseffekt, der nicht mehr nachzuvollziehen ist. aktuelles beispiel (das nicht ausschließlich mit meinem computer zu tun hat), die umstellung der fernsehsender auf digitale sendefrequenzen. die gesamte bevölkerung hat dieser entscheidung zu folgen, hat sich dem unterzuordnen. ähnlich war die durchsetzung der verkabelung der nation organisiert. all dies erfordert beständige nachrüstung der eigenen geräte – oder, und dies ist heftig, sie können nicht mehr an den medien der nation teilhaben.

hier wäre es nur logisch, dass eine grundversorgung gesichert ist. entweder weiter über analoge sendeanlagen oder über kostenfreie zusatzgeräte, die mit den empfangsgebühren abgegolten sind. doch weit gefehlt, es werden künstlich einträgliche geschäftsfelder geschaffen.

ähnliches zeigt sich bei datenträgern (videokassette, cd, dvd, blueray, mp3-stick …). irgendwann funktionieren zwar noch die geräte, aber die software oder noch notwendige hardware sind nicht mehr kompatibel. die geschwindigkeit der wechsel nimmt zu, der zeitabstand zwischen neuerung und altbackenem wird immer kürzer. suchen sie mal einen internet-anbieter, der noch dsl-verbindungen ohne wlan anbietet. es kann doch sein, dass man die neuerung gar nicht möchte. aber der kunde hat kein mitsprache-recht.

oder haben sie großes interesse daran, irgendwann nur noch 3-d-filme zu sehen? und wenn sie nicht das richtige tv-gerät haben, dann sehen die werke doch eher skurril aus. identisch sind die entwicklungen im bereich der software: der stete versuch, upgrades anzubieten, die alte dateien oder peripherie-geräte nicht mehr akzeptieren. mir kann niemand weiß machen, dass der programmiercode nicht so geschrieben werden kann, dass Weiterlesen

„ich will so werden wie ich bin“ von kitz & tusch – ein buchtipp

das leben scheint anstrengend zu sein. es erscheint immer mehr menschen als stressiges unterfangen, aus dem sie sich nicht mehr zurückziehen können. man erfährt sich in einem hamsterrad gefangen. ist unsere welt so anders geworden oder ist es nur luxus darüber zu jammern, wie anstrengend alles ist?

volker kitz und manuel tusch zeichnen in der ersten hälfte ihres buches „ich will so werden wie ich bin – für selberleber“ ein genaues bild der anmutungen von „außen“, die inzwischen auf alle menschen in unserer gesellschaft einwirken. dabei widmen sich sich vor allen dingen den indirekten zwängen, die oft in widerspruch zu den eigenen bedürfnissen stehen. ganz oben in der liste steht ein leistungszwang, der nicht mehr nur das berufsleben, sondern auch die freizeit und die „selbstverwirklichung“ betrifft.

oft verliert man durch diese mechanismen (eben indirekte zwänge und formen der fremdbestimmung) den kontakt zu sich selbst und seinen subjektiven bedürfnissen. man handelt also gegen die eigenen interessen. das setzt unter druck. getoppt wird das ganze noch durch die inzwischen unendlich scheinenden möglichkeiten, die uns angeboten werden. wir sind gezwungen ständig entscheidungen zu treffen, was wir denn machen wollen, und diese sollten natürlich auch die „richtigen“ entscheidungen sein.

kitz und tusch laden in ihrem buch dazu ein, sich wieder sich selber und seinen bedürfnissen zu zu wenden. das ist eine logische folge der analyse gesellschaftlicher verhältnisse im ersten teil des buchs. die autoren des buches betonen, dass diese veränderung der eigenen lebenssituation nur funktioniert, wenn man dies auch möchte. und sie bieten im zweiten teil des buches techniken an, wie man eine veränderung herbeiführen kann. dabei schlagen sie vor allen dingen techniken aus der systemischen therapie vor, die erst einmal das vorherrschende system verstören, um ein neues aufbauen zu können.

sie führen in einer verständlichen und motivierenden sprache an übungen heran, die helfen, die eigenen bedürfnisse benennen zu können und bieten möglichkeiten an, sich der erfüllung dieser bedürnisse zu widmen. man kann darüber streiten, wie weit dies eine etwas einseitige herangehensweise ist, die vor allen dingen wieder den einzelnen fordert, aber die nötigen gesellschaftlichen veränderungen ignoriert. aber als erster schritt und vor allen dingen kurzfristiger schritt, seine eigene lebenssituation zu verbessern, lohnt es sich, das buch zu lesen.

persönlich finde ich, sollten aber zwei strategien gleichzeitig verfolgt werden: die kurzfristige, mich gegen die zwänge von außen ein stück weit zu verwehren und eigene wege zu gehen. dann aber auch die langfristige, sich für eine veränderung der gesellschaftlichen verhältnisse einzusetzen, die dazu führen, dass wir immer wieder im hamsterrad landen. auf alle fälle ist das buch eine vortreffliche anregung, über das eigene lebenskonzept nachzudenken. es ist im campus verlag 2011 in frankfurt am main erschienen. ISBN 978-3-593-39218-9

selbstbefragung (88) – saftig

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „saftiges„.

  • welchen saft mögen sie am liebsten? warum?
  • wann erscheint ihnen ihr leben besonders saftig? beschreiben sie.
  • welche deftige tat möchten sie in ihrem leben noch vollbringen? wann?
  • was tun sie, wenn sie voller energie sind und vor kraft strotzen?
  • ab wann werden für sie texte und bücher vulgär? erklären sie.
  • in welchen lebenssituationen reissen sie sich zu sehr zusammen, würden sie gern direkter sein?
  • wenn sie alle möglichkeiten der welt hätten, womit würden sie sich als erstes berauschen (hier sind keine drogen gemeint)?
  • was bringt sie in ekstase? beschreiben sie.
  • was frisst ihre energie und wie wehren sie sich dagegen?
  • welche menschen im umfeld führen ein saftiges leben?

schreibidee (223)

gelesenes animiert mich inzwischen schnell dazu, schreibideen parallel zu entwickeln. das kann bedenklich stimmen, dass man ständig an schreibideen denkt, es ist aber auch ein steter quell an kreativem output. und so halte ich ein buch über die zwänge, denen wir in unserer heutigen gesellschaft ausgesetzt sind, in händen. warum nicht einmal darüber schreiben, was einen beständig unter druck setzt, obwohl es noch nicht einmal eigenen regeln und vorstellungen entspricht? darum wird in dieser schreibanregung das verfassen von „zwangstexten“ vorgeschlagen.

der einstieg ist schnell gefunden. alle schreibgruppenteilnehmerInnen verfassen 10 sätze mit dem anfang „du sollst …“. sie werden aufgefordert dabei an die erwartungen, die von außen an sie herangetragen werden, zu denken. die jeweiligen zehn sätze werden kurz in der schreibgruppe vorgetragen. anschließend greifen sie eine forderung oder erwartung heraus und beschreiben auf maximal zwei seiten die folgen dieser verinnerlichten regel. wie sehen die auswirkungen auf ihre leben aus? welche handlungen, die ihnen widerstreben, vollführen sie? dieser text wird nicht vorgetragen.

als nächstes geht es darum, weshalb man sich so selten gegen diese anforderungen wehrt. es gibt gute gründe, den zwängen zu folgen. meist ist es angst vor sanktionen, die folgen könnten, die antizipiert werden, wenn man sich anders verhält und den eigenen bedürfnissen folgt. darum werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, einen text von maximal einer seite zu verfassen, in dem sie überlegungen anstellen, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn sie den zwängen nicht mehr folgen. welche sanktionen, welche unangenehmen reaktionen werden sie auslösen? auch dieser text wird nicht in der gruppe vorgetragen.

sind die zwänge einmal erkannt, kann man sich einem positiveren vorgehen zuwenden. zum abschluss wird eine längerer text verfasst, der darstellt, wie das eigene leben aussehen wird, wenn man all die erwartungen und anforderungen hinter sich lässt. dies kann eine geschichte, ein bericht, eine situationsbeschreibung, ein tagesablauf oder vieles andere sein. die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden eingeladen, ein leben zu schildern, das (ohne anderen zu schaden) ausschließlich den eigenen bedürfnissen folgt. anschließend werden die entstandenen texte vorgetragen und ein feedback gegeben.

biografisches schreiben und freiheit

freiheit ist ein weiter begriff. es gibt keine eindeutigen und klaren definitionen, was denn unter freiheit zu verstehen ist. außerdem ist zu unterscheiden zwischen gesellschaftlichen voraussetzungen, die freiheiten zulassen, und dem persönlichen denken, wie frei man sich fühlt. denn selbst in gesellschaften, die eine menge freiheiten geben, kann der einzelne das gefühl haben, eingeengt und fremdbestimmt zu sein.

zur subjektiven vorstellung von freiheit gehört eben die lebensgeschichte. welche erfahrungen von freiheit habe ich denn im laufe meiner lebens gemacht? wie weit wurde mir vermittelt, dass ich über viele aspekte meines lebens selbst bestimmen kann? durfte ich als kind die erfahrung relativer freiheit machen? bin ich menschen begegnet, die ein leben abseits vieler konventionen und regeln führten, und beeindruckten mich die menschen?

der mensch ist ein zwiespältiges wesen. zum einen strebt er hohe freiheitsgrade an, wenn sie ihm möglich erscheinen. doch er möchte nicht allein in der welt stehen. so kann eine vielzahl von entscheidungsoptionen auch angst verursachen. die wortwörtliche „qual der wahl“ kommt hier zum tragen. nicht selten fehlen anhaltspunkte ob derer entscheidungen getroffen werden können. so begrüssen viele eine struktur, die ihnen vermittelt und vorgegeben ist. andere wiederum gestalten ihre freiheit auf kosten weiterer mitmenschen. und generell bleiben wir soziale wesen, die auf kontakt zu anderen menschen angewiesen sind. so ist freiheit ohne lebensgeschichte und kontext nicht benennbar.

das biografische schreiben bietet hier eine gute möglichkeit, sich seinem eigenen, ganz persönlichen freiheitsbegriff anzunähern. man kann sich beim notieren der eigenen lebensgeschichte fragen: in welchen momenten fühlte ich mich zu sehr eingeschränkt? wann habe ich mich eventuell selber eingeschränkt? habe ich inzwischen eine form für mich gefunden, die vielen meiner bedürfnisse nahe kommt und die mir viele selbstständige entscheidungen ermöglicht? Weiterlesen

web 2.0 und die herrschaft des marktes

eigentlich wollte ich ein post darüber schreiben, dass in ein paar tagen „mickey mouse“ 80 jahre alt wird. doch dann kam mir etwas dazwischen, dass eine sehr ärgerliche entwicklung im internet darstellt. mir wird der weg verwehrt, frei zu wählen, welche homepage ich aufrufen möchte.

ich gab einfach „disney.com“ auf, um auf die originale seite des heimatlandes von mickey mouse zu kommen. doch kaum hatte ich dies eingegeben, konnte ich wählen, ob ich disney in den usa haben möchte oder ein land in meiner nähe. also wählte ich disney in den usa. als sich die seite geöffnet hatte wählte ich den link zu den figuren von disney. doch nun wurde mir keine liste der figuren angezeigt, sondern ich wurde wieder aufgefordert zu wählen, ob ich die disney-seite in den usa wolle oder eine in meiner nähe.

aus dieser schleife war nicht auszubrechen, da meine ip-adresse dem server aufzeigte, dass ich nicht aus den usa komme. irgendwann versuchte ich es über die deutsche seite von disney und landete auf einer homepage, auf der ich mir bekloppte feen selber basteln konnte aber weit und breit nichts von mickey mouse zu sehen war. das wollte ich aber nicht. der ausweg fand sich nur über google. indem ich dort nach mickey mouse suchte, landete ich dann plötzlich wieder auf der seite in den usa, die mir vorher versperrt geblieben ist und konnte mir den steckbrief zu mickey mouse anschauen (hier zu finden: http://disney.go.com/mickey/html/meet/mickey.html ).

diese form der entmündingung des nutzers des web 2.0 dient nur einem zweck, möglichst direkt dort kasse zu machen, wo der besucher der seiten wohnt. ähnlich herrisch verhält sich zum beispiel ein elektro-kaufhaus, das einen nur auf die eigenen seiten lässt, wenn man cookies freischaltet. anders erhält man keinen zugang zu den angeboten. was soll das? man muss es sich jedenfalls nicht gefallen lassen. und so bleibt das post über den 80ten geburtstag von mickey mouse ungeschrieben.