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„ich will so werden wie ich bin“ von kitz & tusch – ein buchtipp

das leben scheint anstrengend zu sein. es erscheint immer mehr menschen als stressiges unterfangen, aus dem sie sich nicht mehr zurückziehen können. man erfährt sich in einem hamsterrad gefangen. ist unsere welt so anders geworden oder ist es nur luxus darüber zu jammern, wie anstrengend alles ist?

volker kitz und manuel tusch zeichnen in der ersten hälfte ihres buches „ich will so werden wie ich bin – für selberleber“ ein genaues bild der anmutungen von „außen“, die inzwischen auf alle menschen in unserer gesellschaft einwirken. dabei widmen sich sich vor allen dingen den indirekten zwängen, die oft in widerspruch zu den eigenen bedürfnissen stehen. ganz oben in der liste steht ein leistungszwang, der nicht mehr nur das berufsleben, sondern auch die freizeit und die „selbstverwirklichung“ betrifft.

oft verliert man durch diese mechanismen (eben indirekte zwänge und formen der fremdbestimmung) den kontakt zu sich selbst und seinen subjektiven bedürfnissen. man handelt also gegen die eigenen interessen. das setzt unter druck. getoppt wird das ganze noch durch die inzwischen unendlich scheinenden möglichkeiten, die uns angeboten werden. wir sind gezwungen ständig entscheidungen zu treffen, was wir denn machen wollen, und diese sollten natürlich auch die „richtigen“ entscheidungen sein.

kitz und tusch laden in ihrem buch dazu ein, sich wieder sich selber und seinen bedürfnissen zu zu wenden. das ist eine logische folge der analyse gesellschaftlicher verhältnisse im ersten teil des buchs. die autoren des buches betonen, dass diese veränderung der eigenen lebenssituation nur funktioniert, wenn man dies auch möchte. und sie bieten im zweiten teil des buches techniken an, wie man eine veränderung herbeiführen kann. dabei schlagen sie vor allen dingen techniken aus der systemischen therapie vor, die erst einmal das vorherrschende system verstören, um ein neues aufbauen zu können.

sie führen in einer verständlichen und motivierenden sprache an übungen heran, die helfen, die eigenen bedürfnisse benennen zu können und bieten möglichkeiten an, sich der erfüllung dieser bedürnisse zu widmen. man kann darüber streiten, wie weit dies eine etwas einseitige herangehensweise ist, die vor allen dingen wieder den einzelnen fordert, aber die nötigen gesellschaftlichen veränderungen ignoriert. aber als erster schritt und vor allen dingen kurzfristiger schritt, seine eigene lebenssituation zu verbessern, lohnt es sich, das buch zu lesen.

persönlich finde ich, sollten aber zwei strategien gleichzeitig verfolgt werden: die kurzfristige, mich gegen die zwänge von außen ein stück weit zu verwehren und eigene wege zu gehen. dann aber auch die langfristige, sich für eine veränderung der gesellschaftlichen verhältnisse einzusetzen, die dazu führen, dass wir immer wieder im hamsterrad landen. auf alle fälle ist das buch eine vortreffliche anregung, über das eigene lebenskonzept nachzudenken. es ist im campus verlag 2011 in frankfurt am main erschienen. ISBN 978-3-593-39218-9

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schreibidee (223)

gelesenes animiert mich inzwischen schnell dazu, schreibideen parallel zu entwickeln. das kann bedenklich stimmen, dass man ständig an schreibideen denkt, es ist aber auch ein steter quell an kreativem output. und so halte ich ein buch über die zwänge, denen wir in unserer heutigen gesellschaft ausgesetzt sind, in händen. warum nicht einmal darüber schreiben, was einen beständig unter druck setzt, obwohl es noch nicht einmal eigenen regeln und vorstellungen entspricht? darum wird in dieser schreibanregung das verfassen von „zwangstexten“ vorgeschlagen.

der einstieg ist schnell gefunden. alle schreibgruppenteilnehmerInnen verfassen 10 sätze mit dem anfang „du sollst …“. sie werden aufgefordert dabei an die erwartungen, die von außen an sie herangetragen werden, zu denken. die jeweiligen zehn sätze werden kurz in der schreibgruppe vorgetragen. anschließend greifen sie eine forderung oder erwartung heraus und beschreiben auf maximal zwei seiten die folgen dieser verinnerlichten regel. wie sehen die auswirkungen auf ihre leben aus? welche handlungen, die ihnen widerstreben, vollführen sie? dieser text wird nicht vorgetragen.

als nächstes geht es darum, weshalb man sich so selten gegen diese anforderungen wehrt. es gibt gute gründe, den zwängen zu folgen. meist ist es angst vor sanktionen, die folgen könnten, die antizipiert werden, wenn man sich anders verhält und den eigenen bedürfnissen folgt. darum werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, einen text von maximal einer seite zu verfassen, in dem sie überlegungen anstellen, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn sie den zwängen nicht mehr folgen. welche sanktionen, welche unangenehmen reaktionen werden sie auslösen? auch dieser text wird nicht in der gruppe vorgetragen.

sind die zwänge einmal erkannt, kann man sich einem positiveren vorgehen zuwenden. zum abschluss wird eine längerer text verfasst, der darstellt, wie das eigene leben aussehen wird, wenn man all die erwartungen und anforderungen hinter sich lässt. dies kann eine geschichte, ein bericht, eine situationsbeschreibung, ein tagesablauf oder vieles andere sein. die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden eingeladen, ein leben zu schildern, das (ohne anderen zu schaden) ausschließlich den eigenen bedürfnissen folgt. anschließend werden die entstandenen texte vorgetragen und ein feedback gegeben.