Schlagwort-Archive: zweiter weltkrieg

web 2.55 – lebenstagebuch.de

immer noch, über 60 jahre später, machen menschen die traumatischen erinnerungen an den zweiten weltkrieg zu schaffen. lange verdrängt, suchen sich die erinnerungen ihren weg. teils drückt sich dies durch psychische störungen oder über körperliche beeinträchtigungen aus. manche der über 65-jährigen fangen nun an, ihre erinnerungen zu verarbeiten. auch ohne beeinträchtigungen kann man feststellen, dass eine auseinandersetzung mit erlebtem generell entlastet.

eine hilfe dabei bietet die homepage http://www.lebenstagebuch.de/ an. die seite bietet eine schreibtherapeutische hilfe für menschen über 65 an, die sich mit ihren traumatischen erlebnissen beschäftigen und sie verarbeiten möchten. das angebot kann nur online genutzt werden, es sind keine realen konsultationen in einer praxis vorgesehen. hier wird das schreiben als entlastende hilfe und zur umstrukturierung der erinnerungen genutzt.

um menschen, die an ihren traumen erkrankt sind, nicht in der virtuellen welt behandeln zu müssen (dies ist nicht vorgesehen), ist im vorfeld ein fragebogen zu beantworten. sollten psychische oder körperliche störungen vorliegen, wird lieber an andere angebot abseits des internets vermittelt. das angebot des „lebenstagebuchs“ wendet sich an menschen, die genug eigene ressourcen aktivieren können, um einen umgang mit dem erlebten zu finden.

das „lebenstagebuch“ ist eine kooperation von berliner und stralsunder beratungs- und forschungsstellen zum thema traumatisierung. ein interessanter versuch, schreiben, das internet und biografiearbeit miteinander zu verbinden.

biografisches schreiben und kriegserfahrungen

man muss nicht soldat oder soldatin auf dieser welt sein, um einen krieg hautnah mitzuerleben. es gibt weiterhin viel zu viele kriege. immer wieder versagt die diplomatie und menschen meinen, die einzige lösung könne es sein, andere menschen zu töten. wer solche situationen miterlebt, wer den schrecken und die angst spüren muss, wird diese situation nie vergessen.

wie die generationen, die den zweiten weltkrieg miterlebt haben, zeigen, kann man ein traumatisierendes erlebnis aber oft erst einmal gut verdrängen, so dass man sich nicht weiter mit dem erlebten auseinandersetzen muss. da ist nichts verwerfliches dran, da der menschliche körper die verdrängung auch als selbstschutz bei traumatisierungen eingebaut hat. der alltag kann aufrecht erhalten werden, das funktionieren wird gesichert.

aber es hat sich herausgestellt, dass die generationen so lang verdrängen konnten, so lang sie gefordert waren und nicht zur ruhe kamen. das schwierige am gedächtnis ist aber, dass die traumatisierungen gern dann erinnert werden, wenn man einmal zur ruhe kommt. als die kriegsgenerationen in rente gingen, stellte sich für viele plötzlich die frage, weshalb es ihnen so schlecht ging. sie fanden keine worte für ihre empfindungen. etliche projekte boten und bieten heute noch daraufhin das biografische schreiben als möglichkeit an, sich selbst seiner zu vergewissern und seine lebensgeschichte aufzuarbeiten. dabei stellte sich heraus, dass erlebnisse, die jahrzehnte lang vergessen schienen wieder die oberfläche erreichten und einen ausdruck suchten. die traumatisierung war nicht vergessen.

man kann sich die frage stellen, ob die aufarbeitung der vergangenheit sein muss, Weiterlesen