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wie man den spass am schreiben abgewöhnt (05)

lustlos lesen

bei dieser rubrik lande ich anscheinend immer wieder bei der schule, bei pädagogik und erziehung. dies hat mit unser aller biografien zu tun, mit unseren frühen erfahrungen – die nicht selten auswirkungen auf unser späteres leben haben. und doch, auch dies sei hier mal erwähnt – einmal etwas abgewöhnt, heisst nicht, es sich nicht wieder zu holen, es wieder zu entdecken. es gibt zwar etliche krude theorien, die immer noch von prägungen wie bei wildgänsen ausgehen und der meinung sind, einmal die lust am lesen verloren (oder jedweder anderen kompetenz), bleibt das auch so für den rest des lebens. langjährige tätigkeiten in der altenpflege haben mich eines besseren belehrt: der mensch kann (muss aber nicht) ein leben lang lernen, sich entwickeln.

also zurück zum lesen. in der schule gab es (und gibt es vielleicht noch) diese unsäglichen leseübungen (und lesewettbewerbe), die aus dem lesen eine konkurrenzveranstaltung machen. es geht dabei nicht mehr darum, texte, geschichten und literatur für sich zu entdecken, sondern es geht darum, die perfekte betonung, das fehlerfreie wiedergeben des textes vorzuführen. dies führt zum ausschluss mancher jungen menschen, da ihnen das laute deklamieren schwer fällt. die annäherung an literatur geschieht nicht über den inhalt, die aussagen und die eigenen gedanken dazu.

nun kann man einwenden, dass dies ja so nicht stimme, denn neben den leseübungen gebe es ja auch noch die bearbeitung von (welt)literatur. wohl wahr, aber auch hier geht es meist um lehrplanliche vorgaben, um einen literaturkanon, den man auch als kind und jugendlicher vielleicht nicht teilt, der aber als wichtig erachtet wird. oh je, was mussten wir uns durch die klassiker quälen, auch wenn wir in unserer freizeit zu ganz anderer literatur gegriffen haben. aber keine chance, diese literatur in den unterricht zu integrieren. doch, wir hatten einmal einen lehrer, der erlaubte es, ein einziges mal, dass seine schülerInnen, nachdem sie protestierten, ein buch zu wählen, das im unterricht behandelt werden sollte.

man muss da nur einmal zurück auf null gehen: haben sie mal kinder beobachtet, wenn sie die ersten bilderbücher bekommen? und wenn sie dann die ersten worte lesen können, sich bücher stück für stück selber aneignen. wenn man es in diesen momenten nicht vergeigt, wenn man den kindern die wahl, was sie lesen wollen überlässt, dann kann sich so etwas wie eine lust am lesen entwickeln. und das kann sich bis ins hohe alter durchziehen. doch zu dieser freiheit gehört auch, dass man sich literatur aneignet, die in den augen vieler nicht dem eigenen alter entspricht. kinder und jugendliche lesen anders als erwachsene. das, was uns tief berührt, muss jüngere menschen überhaupt nicht ansprechen.

und hat ein mensch einmal entdeckt, in welche welten er sich mit hilfe der bücher begeben kann, wird er diesen weg Weiterlesen

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„warum?“ von nikolai popov – ein buchtipp

dieses buch enthält weder text noch erklärung, es ist ein bilderbuch. ein bilderbuch eher für erwachsene, das in schön gemalten ganzseitigen bildern versucht, die ursache für kriege zu finden. womit ich beim bezug zu den letzten posts bin. es liegt vielleicht nur im unterschied. ein kurzer abriss:

ein frosch sitzt mit einer blume auf eine ast. der frosch erfreut sich an der blume. eine maus kommt hinzu und möchte auch diese blume, obwohl drumherum lauter blumen der gleichen art wachsen. aber die maus hätte gern ausgerechnet diese blume, wahrscheinlich, da sie den frosch so erfreut. und weil es eben ein frosch ist, den die blume erfreut, also jemand anderes, keine maus. so kommt es zum kampf um die blume. und in der folge geht es gar nicht mehr um die blume, sondern um die gruppe, also frosch und maus holen sich unterstützung von anderen fröschen und mäusen. der schluss ist recht einfach, die blumenwiese ist verwüstet, die kontrahenten sind verletzt, der krieg ist irgendwann vorüber. und es bleibt die frage des titels: „warum?„.

nikolai popov hat ein schlichtes aber eindrückliches bilderbuch geschaffen. es könnte ohne probleme eine wunderbare schreibanregung für das thema unterschiede und konflikte in schreibgruppen sein, na ja und es könnte den blick für neid schärfen. das buch ist im neugebauer verlag 1995 in zürich, hamburg, salzburg erschienen und nur noch antiquarisch erhältlich. ISBN 3-85198-539-0