Schlagwort-Archive: lyrik

schreibidee (385)

auch wenn es diesen sommer mit den sonnenstunden ganz mau aussieht, man kann glück haben, die sonne scheint, die temperaturen sind angenehm und nicht auf backofen-niveau, kein gewitter, keine stürmischen böen und kein regen. man kann es wagen, mit der schreibgruppe die räume zu verlassen, um das zu tun, was man eigentlich immer gern im sommer tut – „draußen-texte“ schreiben. über was man alles schreiben kann, dazu hier ein paar schreibanregungen:

gehen sie in den wald. es sollte ein abwechslungsreicher und möglichst wilder wald sein. die bieten mehr für das auge. wenn sie in einer monokultur aus fichten oder kiefern stehen, dann macht die einstiegsschreibanregung nicht so richtig sinn. denn alle teilnehmerInnen wählen sich einen baum aus, der ihnen gefällt. sie stellen sich unter den baum, blicken in die krone, machen sich vertraut mit dem gewächs. nun schreiben alle eine kurze charakterstudie ihres baumes. anschließend kommt die schreibgruppe an einem treffpunkt wieder zusammen. vorher sollten sich alle teilnehmerInnen merken, wo sich ihr baum befindet. die gruppe wird nämlich von ausgewähltem baum zu baum gehen und sich die texte gegenseitig vorlesen.

eine weitere möglichkeit wäre es, dass man sich in einem festgelegten areal einen baum auswählt. die bäume stehen so nah beinander, dass man sich kurze texte zurufen kann. denn nun wird gemeinsam einen unterhaltung zwischen den bäumen geschrieben. alle schreiben mit. jeder baum kann sich in das gespräch einschalten, wenn er möchte. die schreibgruppenteilnehmerInnen sind die sprachrohre für die bäume. sie rufen die nächste äußerung in den wald. und andere bäume antworten darauf.

schön ist es auch, wenn man in einem wald oder park eine ruhige lichtung findet. dort kann sich die gruppe niederlassen. auf einer lichtung lichte gedichte verfassen wäre die aufgabe für die schreibgruppe. alle teilnehmerInnen sind eingeladen, sich von der atmosphäre einer lichtung inspirieren zu lassen. das gedicht muss sich nicht reimen, wahlweise kann ein haiku erstellt werden. anschließend wird auf der lichtung die lyrik deklamiert – alle sitzen, eine/r steht.

oder man sucht sich einen kleinen bachlauf (möglichst plätschernd und gurgelnd), in dessen nähe lautgedichte oder lautmalerische texte verfasst sind, die in verbindung zu dem plätschern und gurgeln des baches stehen. solch eine schreibübung kann man nur draußen veranstalten, da sie dann am originalschauplatz vorgetragen werden können. schön wäre es, wenn die lautgedichte im zusammenspiel mit dem gewässer als audiodatei aufgezeichnet werden.

ansonsten kann draußen durch die natur und das grün gelaufen werden, eindrücke können notiert werden, einzelne besonderheit zur schreibanregung gemacht werden. ob es nun pflanzen, tiere oder landschaften sind, beinahe alles lässt sich zur grundlage eines textes machen. selbst wüsten oder einöden strahlen eine atmosphäre aus, die man thematisieren kann. einzige voraussetzung für solch eine schreib-expedition, die die üblichen wege verlässt, ist, dass die teilnehmerInnen ganz gut zu fuss sind. und ob man sich in der freien natur gegenseitig ein feedback gibt, sollte der schreibgruppe überlassen werden. denn vielleicht will die gruppe die zeit des treffens lieber den vielen schreibanregungen draußen in der natur widmen.

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das 13te poesiefestival in berlin ab dem 01ten juni – ein veranstaltungstipp

lyrik und dichtung der lebhaften sorte kann man anfang juni wieder in berlin erleben. das 13te poesiefestival startet am freitag mit lesungen, diskussionen, workshops und konzerten.

wie schon die diskussion um das gedicht von günter grass und sein neues gedicht zur lage griechenlands gezeigt haben, die lyrik, das gedicht sind alles andere als verschlafen oder im sterben begriffen. ob nun poetry slam, songtexte oder performances, die kürzere form der literatur zeigt weiterhin wirkung.

das poesiefestival bildet all dies einmal im jahr ab. an verschiedenen auftrittsorten mit verschiedenen konzepten kann man sich 9 tage lang der posie und lyrik annähern. man kann gesprächen mit den dichterInnen lauschen und sich vielleicht nach dem besuch einer veranstaltung selbst wieder einmal an ein gedicht setzen.

das programm findet man hier: http://www.literaturwerkstatt.org//index.php?id=1225 .

VERSschmuggel/RéVERSible – Machen Sie mit! – ARTE

lyrik übersetzen, vertonen oder filmen – deutsch-französisch – französisch-deutsch. ein wettbewerb, eine kreative aufgabe und spass am gedicht. einsendeschluss ist der 01.07.12 für übersetzungen und 15.09.12 für audio-und videoclips.

VERSschmuggel/RéVERSible – Machen Sie mit! | VERSschmuggel/RéVERSible | Rendez-vous littéraire | Kultur entdecken | de – ARTE.

schreibidee (355)

ich möchte dieses mal den gedanken der steten kombination aufgreifen. beim kreativen schreiben lassen sich ohne probleme absurde verknüpfungen herstellen, die neues, spannendes oder auch sinnloses ergeben. der versuch ist es jedenfalls wert und deshalb hier die schreibanregung zu „kkk – kreativen kombinationsketten“.

gestartet wird mit einem beipackzettel eines medikaments. alle teilnehmerInnen der schreibgruppe bekommen die kopie des zettels und erhalten die aufgabe, das geschriebene in eine gedicht zu verwandeln. natürlich darf es dabei zu auslassungen und neukombinationen kommen, nicht der gesamte beipackzettel soll wiedergegeben werden. anschließend werden die gedichte kurz vorgetragen.

da nun alle schon einen beipackzettel vorliegen haben, werden sie aufgefordert, einen liebesbrief in der form eines beipackzettels für medikamente zu verfassen. wie kann man tiefe gefühle als nebenwirkungen darstellen? 😉 es dürfte nicht ganz so schwer sein, da verliebt sein oft genug mit einem krankheitsgefühl verglichen wird. die beipackzettel werden anschließen vorgelesen.

als nächstes bekommen alle schreibgruppenteilnehmerInnen einen kurzen nachrichtentext aus einer zeitung als kopie. dieser text soll nun in die form eines liebesbriefs gebracht werden. wie könnten nachrichten hoch emotional und mit viel liebe an andere menschen vermittelt werden? auch die nachrichten-liebesbriefe werden in der gruppe vorgetragen.

nach dieser kombination verschiedener textsorten schreiben alle teilnehmerInnen ein haiku (es wird kein thema vorgegeben). im anschluss wird das haiku in einen nachrichtentext verwandelt. beide, haiku und nachrichtentext werden vorgelesen. generell kann nach jedem schritt natürlich ein feedback stattfinden, doch die kette der vorgehensweisen würde dadurch länger unterbrochen werden. vielleicht ist es einmal ganz sinnvoll, am stück von kombination zu kombination zu gehen und erst abschließend eine feedbackrunde zu den jeweiligen eindrücken durchzuführen.

denn nun soll ein kochrezept in ein haiku verwandelt werden. dafür bekommen alle teilnehmerInnen die kopie eines rezeptes und sind aufgefordert aus dem vorhandenen text ein haiku zu verfassen. es dürfen auch gern zwei oder drei haikus werden. die haikus werden vorgestellt.

und um zum schluss den kreis zu schließen, ist jetzt ein gedicht in ein kochrezept zu verwandeln. dazu kann entweder das zu beginn aus dem beipackzettel geschriebene gedicht verwendet werden oder ein vorher in der schreibgruppe geschriebenes oder ein von der schreibgruppenleitung mitgebrachtes. auch die kochrezepte werden vorgetragen.

natürlich kann diese kreative kombinationskette durch andere textformen erweitert werden. es können romane in haikus, kochrezepte in kurzgeschichten oder gebrauchsanweisungen in lyrik verwandelt werden. der kombination von schriftlichen erzeugnissen sind keine grenzen gesetzt – oder wie würde ihnen ein gesetzestext als elfchen gefallen?

wortklauberei (102)

„wirtschaft – wachstum – wohlstand“

die welt kann so einfach sein, wenn man dem „www“, der kapitalistischen dreieinigkeit des bundesministeriums für wirtschaft und technologie glaubt. diese wortkombination aus „wirtschaft – wachstum – wohlstand“ prangte öfter in werbebannern auf webseiten von tageszeitungen. doch nicht genug damit, das „www“ war erst der anfang. danach wurde noch ministeriumslyrik an der seite der homepage eingeblendet:

„energiewende!
neue netze
neue fakten
neuer newsletter!“

abgesehen von der politischen dimension, dass die flexibilität in richtung neuer positionen nach jahrzehnten der oden an die atomenergie einen doch noch erschreckt, fallen einem viele assoziationen zu den texten ein. ja, man wird überschwemmt von ideen. ich würde dem beinahe rhythmischen verslein gern die überschrift „“neu“lich“ verpassen. und ich würde gern den neuen newsletter durch „neue haltungen“ oder „neue versprechungen“ ersetzen.

auch das „www“ ließe sich noch ein wenig aufhübschen. wie wäre es mit „wirtschaft – wachstum – weltzufriedenheit“ oder „wirtschaft – wachstum – wahnsinn“? man könnte eine kleine schreibaufgabe daraus entwickeln: schreiben sie ein gedicht für das ministerium für wirtschaft und technologie!
ganz schnell würde ich folgendes einreichen:

klimawandel!
wirtschaft
wachstum
weltuntergang

ja, ja, ich weiß, die moralkeule, aber spaß macht es schon. die ministerialen dichterInnen haben zumindest bei mir ihr ziel erreicht: aufmerksamkeit 😉

web 2.85 – the cowbird

diese homepage ist eine mischung aus blog, sammlung, texten und bildern. und sie kommt sehr ansprechend daher. „the cowbird“ ist eine seite für geschichtenerzählerInnen. für schreiberInnen, die über persönliches, erlebtes, erfahrenes oder auch ausgedachtes erzählen möchten. dafür, dass die seite noch nicht so wahnsinnig lang existiert, hat sich schon einiges eingefunden.

neben den geschichten ist vor allen dingen das layout sehr ansprechende. bilder treten bei den stories nicht in den hintergrund. sie nehmen ebenso viel raum ein, wie der text. daneben ist die homepage mehrfach verschränkt, verlinkt und durchsuchbar. das macht das leseerlebnis so labyrinthisch aber auch abwechslungsreich. also eine seite, die sich vielleicht in der nächsten zeit zu einer sehr vielfältigen homepage für storyteller entwickelt.

hier sollen geschichten erzählt werden, die das leben schreibt und die lang erhalten bleiben. man kann selber entscheiden, wie die story in erscheinung treten soll. alles ist vorbereitet, man kann es nutzen, wie man lustig ist. dafür muss man eine einladung anfordern. doch dann befindet man sich in gesellschaft mit anderen geschichtenerzählerInnen, die mehr als ihre tagesform berichten möchten. die seite ist zwar privat, gleichzeitig aber auch literarisch und erzählend. (lyrik wird hier ebenso platziert).

zu finden ist die homepage unter http://cowbird.com .

wortklauberei (100)

„fettstufe“

da der wahnsinn um kohlehydrate und fettstufen erst so richtig beginnt, greife ich zurück auf altes, bekanntes und lyrik, um dem begriff „fettstufe“ ein angemessenes gewand zu geben (in anlehnung an hermann hesse):

(fett-)stufen

wie jede butterblume welkt und jede jugend
dem alter weicht, blüht jede fett´ge stufe
blüht jedes diät-reif auch und jede tugend
zu ihrer zeit und darf nicht ewig dauern.
es muss das herz bei jedem fetten rufe
bereit zum abschied sein und neubeginne,
um sich in tapferkeit und ohne trauern
in andre, neue ernährung zu geben.
und jedem anfang wohnt ein zauber inne,
der uns verdickt und der uns hilft, zu fetten.

wir sollen heiter raum um raum durchschreiten,
an keinem wie an einer pommes hängen,
der schmalzgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns stuf´ um stufe heben, weiten.
kaum sind wir heimisch einer geschmacksweise
und traulich eingewohnt, so droht erschlaffen,
nur wer bereit zum nachtisch ist und reise,
mag lähmender gewöhnung sich entraffen.

es wird vielleicht auch noch die todesstunde
uns neuem essen jung entgegen senden,
des fettes ruf an uns wird niemals enden …
wohlan denn, herz, nimm abschied und infarkte!

schreibidee (350)

die deutschen haben einen seltsamen begriff, der schwer zu erklären ist und stark politisch besetzt ist: die „heimat“. heimat kann überall sein, wird aber meist sehr eng gedacht, also auf den eigenen ort, den eigenen kiez, das eine haus, die eine wohnung bezogen. ist die heimat einmal benannt, dann beginnt das spiel „meine heimat – deine heimat“. ganz selbstverständlich ist die eigene heimat die beste und die fremde nur bedrohlich. es wird zeit, diese vorstellungen zu untergraben, mit der schreibanregung zu „heimat-jedichten“.

dafür sind erst einmal heimatbegriffe zu suchen: die schreibgruppenteilnehmerInnen notieren sehenswürdigkeiten, wichtige gebäude oder institutionen aus ihrer heimat (was sie dafür halten, bleibt ihnen überlassen). nun suchen sie nach worten, die sich auf ihre sehenswürdigkeiten reimen, also zum beispiel „eiffelturm“ und „zweifelwurm“. im anschluss werden zwei vierzeiler in der form „abab aabb“ geschrieben.

doch nicht genug damit: am besten klingen die gedichte in der heimatsprache (also in der landessprache oder im ortsüblichen dialekt). dazu werden die gedichte noch einmal überarbeitet. im anschluss werden die hochdeutsche und die sprachlich veränderte version vorgetragen. es findet keine feedbackrunde statt.

im vorfeld des treffens wurde die schreibgruppe aufgefordert, texte über ihre heimat mtizubringen. dies sollten möglichst touristenführer oder ähnliches sein. man kann auch den lexikoneintrag zum wohnort, oder die fremdenverkehrsbotschaft aus dem internet ausgedruckt mitbringen. einen dieser texte (nicht länger als eine seite) wählen die teilnehmerInnen nun aus. dieser text soll stück für stück verdichtet werden. als erstes wird er auf einen zehnzeiligen abschnitt verdichtet, dann auf maximal zwölf verse (dies sich nicht reimen müssen) und zum schluss auf vier zeilen.

zum abschluss wird der heimattext weitergegeben an andere schreibgruppenteilnehmerInnen. diese verdichten die fremde heimat ebenso, wie oben beschrieben. und auch dieses „heimatjedicht“ sollte noch einmal in die ortsübliche sprache, in den ortsüblichen dialekt übertragen werden. dann werden der heimattext, die erste verdichtung, die zweite verdichtung und die dialektversion vorgetragen. anschließend findet eine feedbackrunde statt. darin kann auch die vorstellung von heimat diskutiert und der wettbewerb, welches der schönere dialekt, die schönere sprache gestartet werden.

sollte noch ein wenig zeit übrig sein, könnten die teilnehmerInnen im vorfeld mitgebrachte heimatgedichte von anderen schriftstellerInnen vortragen und damit den heimatabend beenden 😉

schreibidee (327)

jetzt geht sie wieder los, die zeit der vorbereitung, der einkäufe und der bäckereien für weihnachten. manchmal stressig (hätte nie gedacht, dass am 30.11. eine postamt schon so voll sein kann 😉 ), manchmal besinnlich und manchmal gar nicht. je nach geschmack werden das ritual, das christliche fest oder auch nur die freien tage gefeiert. für die menschen, die weihnachten feiern ist diese schreibanregung für die „weihnachtsbaumtexte“ gedacht.

vielleicht kennen sie diese von der decke hängende lampe, an die beschriftete zettel aus pergamentpapier geheftet werden können und die dadurch ganz individuell gestaltet werden kann. ähnliches kann auch mit einem weihnachtsbaum gemacht werden. man kann diese jahr ja einmal die kugeln und das lametta weglassen. stattdessen nimmt man holzwäscheklammern, malt diese rot, silbern oder golden an, und heftet texte an den baum. was dies für texte sind, kann man sich selber überlegen.

in einer schreibgruppe können die texte für den baum geschrieben werden. dabei wird zum einstieg geklärt, mit einem kurzen schriftlichen statement, wie die position der gruppenteilnehmerInnen zu weihnachten ist. was verbinden sie alle mit weihnachten. alle erstellen ihr persönliches statement, das sie in der gruppe vorlesen. aufgrund der statements wird vereinbart, was man an den baum oder in die wohnung für kurze texte hängen möchte. dementsprechend werden die schreibanregungen in der schreibgruppe gestaltet.

so kann man zum beispiel für alle personen, die man kennt und liebt wünsche zu papier bringen, die an den baum geheftet werden. oder man lädt alle gäste vor und zu weihnachten ein, selber einen kurzen text mit wünschen, mit gedichten oder mit kurz-kurz-geschichten zu verfassen, die dann an dem baum mit wäscheklammern befestigt werden. man kann sich jedoch auch überlegen, eine fortsetzungsgeschichte an den baum zu bringen. die geschichte beginnt mit dem am tiefsten gehängten zettel und wandert spiralenförmig den baum hoch. das ende der geschichte ragt auf der baumspitze, anstatt der weihnachtsspitze hervor.

man kann sich auch animieren jeden tag ab dem 1ten dezember eine geschichte für den baum zu schreiben. diese geschichte kommt dann in einen briefumschlag und wird an einen zwei geheftet, also eine art adventskalender rückwärts. man kann gedichte mit gebäck, das auch in den baum gehängt wird, koppeln. wenn man zum beispiel kringelige kekse backt und in ihre mitte ein gerolltes papier steckt, ähnlich einem glückskeks, wird das gebäckt mit dem gedicht vom baum gepflückt. und je nachdem was gewünscht wird, werden die texte in der schreibgruppe verfasst.

raymond queneau und hunderttausend milliarden gedichte – ein surftipp

manche können sich vielleicht noch an die klapp-kinderbücher erinnern, in denen zum beispiel menschen oder tiere abgebildet waren, deren körper unterteilt war in drei oder vier segmente. und dann konnte man entweder den kopf umklappen oder zum beispiel die beine und plötzlich entstand eine neu figur, ein neu gemixtes wesen, das die beine oder den kopf eines anderen menschen oder tieres hatte.

beim umklappen der einzelnen segmente entstanden also immer wieder neue wesen, es ergaben sich eine menge kombinationen. wichtig war bei den büchern nur, dass die konturen übereinstimmten, damit die einzelnen segmente verschiedener wesen aufeinander passten und sich wieder ein geschlossenes bild ergab.

raymond queneau, ein text-bastler, den ich hier schon mit seinem buch „stilübungen“ vorgestellt habe, hat das prinzip der klapp-kinderbücher auf die lyrik übertragen. er hat zehn 14-zeilige sonnette verfasst, die sich in ihrer struktur sehr ähneln. vor allen dingen reimen sich sich in den jeweiligen abschnitten mit demselben reim. dadurch werden einzelne zeilen der sonnette austauschbar und es ergeben sich hunderttausend-milliarden gedichte. es können unzählige remixe oder rekombinationen erstellt werden. der verlag „zweitausendeins“ hatte dieses werk als klappbuch veröffentlicht. mehr informationen zu diesem gedicht-projekt finden sich bei wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Hunderttausend_Milliarden_Gedichte .

heute gibt es das internet. und wenn das internet eines kann, dann digital den zufall ins spiel bringen oder durch die hand der user rekombinationen und einen remix herstellen. so gibt es zwei seiten im web, die die hunderttausend milliarden gedichte von queneau produzieren können – auf französisch oder auf englisch. das eine angebot sieht bei manchen browsern ein wenig chaotisch aus, funtkioniert aber trotzdem wunderbar. viel spaß beim remixen und rekombinieren von literatur, von kreativem unter: http://www.bevrowe.info/Queneau/QueneauRandom_v4.html und http://x42.com/active/queneau.html .

flarf des fünften tages

rss-feed spiegel-faz-sz 0911

Interne Pyrotechnik-Protokolle
an den Börsen schnell verpufft
Bei diesem Niveau
den Traum jäh zerstören

Das ist kein Bluff!
Rätselhafter Teufel
schwärmt von einem Geschenk Gottes
Seine Formkrise ist spiegelbildlich

Seltsam mutete auch eine „Verräter“-Liste an
Wir werden nicht ein Jota von unserem Weg abrücken
Übergangsbahn auf dem Weg zum Marsmond verfehlt
die für Höheres in Frage kommt

die Zeit wird knapp
Damit deutsche Schüler nicht immer dicker werden
florierende Ströme seien in Ketten gelegt
die schönsten Särge, Urnen und Grabsteine

manche Fragen sind durchaus unangenehm
die Jagd nach dem Monster der Apokalypse
Egoismus, Populismus und Oberflächlichkeit
die eigene Individualität heutzutage auch über den Tod hinaus zelebriert

aus der Angst der Menschen Profite

web 2.77 – versquelle.de

das internet sprudelt unaufhörlich mit neuen gedanken und ideen. es verwertet vorhandenes immer und immer wieder und es gruppiert dieses um, kombiniert neu. die digitalen rechner im hintergrund werden stetig schneller und effizienter und so spannt sich inzwischen ein netz über die ganze welt, das die quelle unversiegbar erscheinen lässt.

ich habe hier schon einmal einen gedichtgenerator vorgestellt, eine homepage über die ein computer lyrik produziert. dort war es möglich einzelne begriffe einzugeben, die in das gedicht eingebunden wurden. die „versquelle“ wiederum greift auf einen großen pool an gedichten zurück, erkennt reime, beachtet stimmungen und bemüht sich, die verslänge einzuhalten.

natürlich ist die versquelle kein wesen, sondern es ist ein rechner, der im hintergrund die zusammenstellung neuer gedichte vornimmt. dabei kann skurriles aber auch recht ansprechendes entstehen, ähnlich wie „flarf“. die homepage der versquelle bietet zudem noch zwei weitere kleine hilfen: die ecke, in der man das generierte gedicht weiter bearbeiten kann und ein digitales reim-lexikon, das wörter vorschlägt, die sich auf das eingegebene reimen.

zum schluss kann man das generierte und anschließend ein wenig nachbearbeitete gedicht auf der homepage veröffentlichen. ein plagiat ist es auf keinen falle, es ist etwas neues. es lässt sich nicht mehr ausmachen, was daran nun der eigenanteil und was der computer ist, denn die vorauswahl hat man ja nach gutdünken getroffen. eine spannende und spielerische form, die dem „un-creative writing“ schon sehr nahe kommt. zu finden ist die versquelle unter http://www.versquelle.de/ .

was ist flarf?

flarf ist der versuch, dem (hauptsächlich digitalen) zufall, spielraum zu geben und ihn für neues zu verwenden. es geht gerade nicht darum, ein konzept beim schreiben von poesie zu verfolgen. irgendwie ist es eine anlehnung an den dadaismus, aber nicht darauf angelegt, dinge zu verfremden. sondern es werden dinge (also texte) verwendet, wie sie erscheinen. dies kann man ein wenig mit dem collagieren vergleichen, das in der malerei schon lange seinen platz hat. in der musik ist es das remixen, das dem flarf nahekommt.

ende des letzten jahrzehnts kam die poetische bewegung des flarf in den usa auf. und sofort wurde das internet als textualer lieferant für die flarfs benutzt. denn die rechenleistungen der suchmaschinen bieten eine reichhaltige auswahl an text. sie mag bei der suche nach informationen ein sinnvolles ranking anbieten. bei der beliebigen, ja zufälligen eingabe von suchbegriffen aber eher zufällige antworten liefern. aus diesen ergebnissen werden mit copy & paste kleine ansammlungen von text geschaffen, die zu einem neuen lyrischen werk mutieren können.

das google sculpting stellt die hauptgrundlage des flarf dar. letztendlich wird auf vorhandenem, also kaum kreativem, neues geschaffen, und im hintergrund findet die kreativität ihren platz. der prozess des schreibens wird das spannende, die suche nach gerade eingefallenem. jim murdoch erklärt auf dieser seite flarf: http://jim-murdoch.blogspot.com/2011/09/how-to-write-flarf.html . so basiert mein „flarf des ersten tages“ auf der google-eingabe „herbst + sonne“. sollte jemand den bedarf haben, eigene flarfs zu veröffentlichen, können diese gern an mich gesendet werden und ich stelle sie in den blog.

es lohnt dieser bewegung mehr raum zu geben, da sie die möglichkeiten des webs für das schreiben besser ausschöpft als viele andere textsammlungen.

flarf des ersten tages

herbst und sonne

Sie leben gern bei sich daheim
gleich neben dem Rathaus
Begleitetes Leben
Deine Strahlen wohltuend und zart

Draußen leuchtet es rot-gelb-gold
von seiner schmuddeligen Seite
Genießen Sie mit sieben gelben Rosen, fünf rot-gelben Gerbera
Nektar an der Herbstsonne

Die Bäume hängen voll mit Pflaumen und Äpfeln
die Marienkäfer derzeit in Scharen
wenn die Sonne durch die buntgefärbten Blätter fällt
Fallschirm-Sonnenhut

Den Herbst des Lebens lebenswert verbringen
Tagesteller und div. Sport- und Kulturangebote
Sie schwamm gestern die letzten Bahnen
Die Schafe genießen

Herbstlaib

kreatives schreiben und weinen

beim kreativen schreiben ist die wahrscheinlichkeit größer, dass einem die freudentränen in die augen steigen, als dass man über das geschriebene so traurig wird, dass geweint wird. hier unterscheidet sich das kreative schreiben vom biografischen schreiben. aber das möchte ich nicht genauer betrachten. es stellt sich für mich eher die frage, wie lässt sich weinen in texten umsetzen.

die gefahr, protagonistInnen in der eigenen geschichte weinen zu lassen, besteht darin, dass es recht schnell kitschig und gefühlig wird. da in der deutschen sprache die worte für das weinen und die tränen fehlen, also nicht viele verschiedene varianten gewählt werden können, ist zu überlegen, ob man die große traurigkeit oder hilflosigkeit nicht in metaphorische umschreibungen packt. dabei wird das eigentliche weinen zwar in den hintergrund gedrängt, aber für die leserInnen erschließt sich die gefühlslage besser.

in dialogen lässt sich das weinen noch schwerer darstellen. es klingt nicht unbedingt gut, wenn man „huhuhu“ schreibt, um dem weinen einen klang zu geben. „schnief“ und „schneuz“ gehören eher in den comic, als in einen dialog. es müssen also verbale ausdrücke für die traurigkeit gefunden werden und vielleicht kann man dann noch die regieanweisung angeben, wann jemandem die tränen herunterlaufen. mehr kann man nicht machen.

beim weinen unterscheidet sich das schreiben sehr stark vom film oder theater, wo dieser gefühlsregung die unterschiedlichsten ausformungen gegeben werden können. aber man kann dafür die zuspitzung der traurigkeit durch lautes und niedergeschriebenes denken schriftlich umsetzen. hier ist der spielraum wiederum unendlich. wie erlebt ein mensch innerlich die sich zuspitzende krise? welche gefühlsregungen machen sich breit? ab wann erreicht jemand einen karthatischen zustand und ergibt sich Weiterlesen

web 2.66 – PoemHunter.Com

nicht dass man sich immer auf die deutschsprachige literatur konzentrieren müsste. vor allen dingen in der lyrik bekommen die schriftstellerischen werke aus dem englischsprachigen raum eine ganz eigene melodie, die mit der übersetzung nicht aufrecht erhalten werden kann. gerade bei wortspielen und verschiedenen bedeutungen einzelner wörter, etwas, das in der lyrik eine große rolle spielt, gerade in diesen momenten kann übersetzung selten ein vollständiges deutschsprachiges pendant finden.

darum lohnt sich das lesen von gedichten in den jeweiligen mutter/vater-sprachen. und im internet gibt es eine umfassende und vielfältige sammlung englischsprachiger poesie. die homepage „poemhunter.com“ bietet suchfunktionen, datenbanken, vorsortierte und nagelneue gedichte zuhauf an.

auch diese seite kann man nicht vollständig erfassen. man kann sie nur zum nachschlagen verwenden oder sich einfach treiben lassen, durch die fülle sich reimender, melodiöser und ausdrucksstarker literatur.

zu finden ist die seite unter: PoemHunter.Com – Thousands of poems and poets.. Poetry Search Engine.

schreibidee (291)

man kann gedichte bauen. neben dem freien fluss der gedanken und den kreativen einfällen, lassen sich gedicht schrittweise konstruieren, verändern und entwickeln. am besten gelingt dies, wenn man nicht allein für vor sich her dichtet, sondern die gruppendynamik nutzt. und dann können interessante lange gedichte entstehen. eine schreibanregung zur „200-zeilen-lyrik„.

zu beginn des treffens der schreibgruppe werden kleingruppen gebildet. es sollten drei bis vier teilnehmerInnen der schreibgruppe sein, die sich zusammenfinden. denn sie müssen sich später gegenseitig feedbacks geben, um die entwicklung des langen gedichts zu begleiten. da ständige feedbackrunden im rahmen der ganzen schreibgruppe zu lang dauern würden, ist die kleingruppenbildung sinnvoll.

dann findet der einstieg über elfchen, schneebälle und haikus statt. die themen können frei gewählt werden. diese kurzen texte werden noch in der großen schreibgruppenrunde vorgetragen, aber es findet kein feedback statt. anschließend erstellen alle schreibgruppenteilnehmerInnen ein cluster, um ein thema für ihr langes gedicht zu finden. hier gibt es ebenfalls keine vorgaben. dieses cluster dient dem verfassen der ersten vier zeilen eines gedichts. wenn die geschrieben sind, werden sie in der kleingruppe vorgestellt und die schreibkollegInnen geben ein kurzes feedback zum geschriebenen. es ist wichtig, dass sich alle kurz fassen, da sonst der zeitrahmen des schreibgruppentreffens gesprengt wird.

wie weit die rückmeldungen in das weitere gedicht einfließen, bleibt einem selbstverständlich selbst überlassen. aber meist erhält man dabei interessante anregungen, die auswirkungen auf den weiteren text haben. anschließend geht es nun in aufbauenden 4er-schritten weiter. dies bedeutet. als nächstes werden 8 zeilen verfasst, dann 12, dann 16, bis zu 36 zeilen. zum abschluss werden noch einmal 20 zeilen geschrieben. dazwischen finden immer feedbackrunden statt. in den runden werden nur die neuen zeilen vorgetragen, auch dies aus zeitgründen. ist die 200-zeilen-lyrik beendet, werden alle gedichte in einer abschlussrunde in der schreibgruppe vorgetragen. es findet keine feedbackrunde mehr statt.

web 2.59 – lesestoff

das netz besteht nicht nur aus hilfreichen und nutzbaren websiten. inzwischen wandelt sich das netz verstärkt in eine große datenbank an unterhaltendem. viele schauen nicht mehr tv, sondern nur noch netz. auch die tageszeitungen können ein lied davon singen, dass die beschaffung von informationen sich ins web 2.0 verlagert.

warum sollte es da nicht auch literarische oder lesenwerte unterhaltung ins internet schaffen? keine frage, die gab es schon immer ein wenig. doch möchte man abseits der befindlichkeitsprosa, die sich einzig auf den tagesablauf konzentriert, ein wenig stöbern und lesen, dann muss man schon suchen. deshalb seien hier zwei seiten ans herz gelegt, die gute unterhaltung (und mehr) sind.

sophia mandelbaum schreibt meist einmal die woche einen text, eine geschichte, einen gedanken. sie schreibt in einer starken bildhaften sprache und die texte regen immer wieder zum nachdenken an. das mag jetzt schwerfällig klingen, ist aber meist das gegenteil. untermalt werden die texte mit bildern und videos. zu finden ist dies unter dem titel „ze zurrealism itzelf“ bei http://sophiamandelbaum.de/ .

und die beinahe vornamensverwandte, zumindest im netz so genannte sophie paulchen schreibt gedichte, haikus, kurzgeschichten, kleine tagesgedanken, kurz-kurz-geschichten und vieles mehr. sie ist zu finden unter http://www.paulchenbloggt.de/ . schön ist das archiv, das die veröffentlichungen nach ihrer textart sortiert und abrufbar macht. aus den texten strahlt große schreiblust und viel humor. die texte greifen häufig den alltag auf und lassen aus einem neuen blickwinkel erscheinen.

beide webseiten sind lesenwert. sie sind zwei unterschiedliche beispiele für ein unterhaltendes und lesbares internet. viel spaß damit.

schreibidee (247)

eine emission bekommen wir kaum reduziert. sie stresst uns, sie raubt uns den schlaf und sie durchdringt fenster und wände, ein wenig gedämpft, aber immer noch hörbar. natürlich schreibe ich hier vom lärm und von der lautstärke mit der masseinheit dezibel. doch wie kann man lautstärke in texte packen? dies soll in der folgenden schreibanregung zu „lauten texten“ geschehen.

zum einstieg geht es um das gehör. welche worte klingen laut? das ist eine seltsame frage, doch es gibt einen unterschied, ob ich zum beispiel das wort „lispeln“ laut vorlese oder das wort „baden“. „a“s und „o“s fördern wohl den lauten eindruck. es sollen worte in der schreibgruppe gesammelt werden, die gelesen und gesprochen den eindruck von mehr lautstärke hinterlassen.

aus diesen worten suchen sich die teilnehmerInnen jeweils zehn stück und verfassen mit ihnen eine geschichte. die „laut“malerischen geschichten werden kurz vorgelesen. anschließend sammelt die gruppe laute ereignisse. was macht so richtig krach? anschließend wählen sich die schreibenden ein ereignis aus, das sie auf zwei seiten ausführlich beschreiben. dabei sollten sie darauf achten, dass das gefühl der lautstärke beim vorlesen gut vermittelt wird. es gibt eine kurze feedbackrunde, die nur kurz beleuchtet, wie gut die lautstärke vermittelt wurde.

und nun wird mit hilfe der beiden vorbereitungsübungen eine laute geschichte geschrieben. wie dabei lautstärke dargestellt wird, bleibt den autorInnen überlassen. empfehlenswert scheint es, für die lauten stellen worte zu verwenden, die die lautstärke ausdrücken. die geschichten werden im anschluss vorgelesen. anschließend findet eine feedbackrunde statt.

zum abschluss wird das genre gewechselt. denn es wird ein lautes gedicht verfasst. das gedicht darf später ruhig geschrien und gebrüllt werden. aber auch hier sollten die worte die grundlage für einen ausdrucksstarken vortrag bilden. wie wäre es mit einem geschrienen liebesgedicht, das von den angebeteten nicht überhört werden kann? die gruppenleitung sollte darauf achten, dass die räume für das gruppentreffen einen lautstarken vortrag erlauben.

kreatives schreiben und tiere

wie konnte ich bisher nur die zwei-, vier-, sech-, acht- und x-beiner vergessen? eigentlich war meine affinität zu den geschöpfen dieser erde mal recht groß. aber beim schreiben erinnern sie wohl doch zu sehr an fabeln und märchen. und irgendetwas wehrt sich gegen die vermenschlichung. wie erzählte mir vor kurzem jemand, den ein hund angefallen hat? das herrchen (die verniedlichung ist wahrscheinlich in dem moment sehr passend) sprach mit seinem hund: „na du kleiner racker, was machst du denn für sachen?“

doch abseits davon sind tiere eine unerschöpfliche quelle fantasievoller geschichten. wieso nicht die fische vor der küste japans sich über die zunehmende strahlung unterhalten lassen. oder einfach nur wie tiervater brehm eine charakteranalyse eines tieres (oder eines fantasietieres) erstellen. auch hier greift natürlich die vermenschlichung, aber es gibt gar keine andere möglichkeit. ich weiß nicht, was die dicke hummel denkt, wenn sie eine honigreiche blüte findet. ich weiß auch nicht, was der hund denkt, wenn er mir den knochen vor die füße wirft.

und ich kann natürlich diverse tiere miteinander kommunizieren lassen. sie können mich oder andere menschen plötzlich ansprechen. sie können untereinander ein gespräch führen. der zeichentrickfilm macht es vor, wie gut tiere eine rolle abgeben. es ist der mix aus charakterisierung, vermenschlichung und übertragung, der die zuschauer das agieren der tiere auf das leben des menschen übertragen lässt. also doch zurück zur fabel, die die verschiebung auf ein anderes lebewesen nutzt, um eine botschaft direkter zu vermitteln. würde man in tiergeschichten die tiere durch menschen ersetzen, Weiterlesen