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web 2.0 und coolness

das web 2.0 für sich ist ja schon cool. zumindest bietet es viele online-möglichkeiten, die vor ein paar jahren noch unvorstellbar gewesen wären. der kontakt, der austausch, das soziale netz – alles ist einfacher und schneller geworden. und zum digitalen austausch online gehört es eben auch, dass emotionen schwer zu vermitteln sind. schon vor etlichen jahren entwickelten user die emoticons, die zumindest ansatzweise emotionen abbilden sollten. doch schaut man sich zum beispiel 😉 , 😯 , 😦 oder 😳 an, so sind dies nicht unbedingt sehr aussagekräftige zeichen.

emotionen können im internet entweder bildlich angedeutet oder schriftlich ausformuliert werden. aber es gibt ein problem: mimik und tonfall fehlen erst einmal. es mag sein, dass liebesbriefe auch heute noch funktionieren und sehr emotional sind. aber sie sind erst einmal einseitig und meist schließen sich andere formen der kommunikation an. aber eine diskussion oder ein gespräch (chat) werden immer daran kranken, dass einem für das verständnis der anderen person bezugspunkte fehlen. schon das telefonieren ist eine einschränkung, die sich noch durch das hören des tonfalls reduzieren lässt, aber schriftlich ist die gefahr von missverständnissen eine größere.

gleichzeitig kann man aber die frage stellen, inwieweit das web 2.0 die coolness in unserer gesellschaft verstärkt. nicht ohne grund definiert sich inzwischen eine gruppe selbst als „emos“, etwas, das vor zwei jahrzehnten seltsam erschienen wäre, da sich die menschen ungern emotionale kompetenzen absprechen lassen würden. heute ist man wahrscheinlich stolz darauf, im netz auf eine strategische art und weise zu kommunizieren. emotionalität kommt am ehesten bei protest und abwertung ins spiel, positive emotionen werden ins private gerettet.

einher mit der coolen kommunikation geht das nesting im engsten vertrautenkreis, abseits des webs. hier wird all das an emotionaler kommunikation gelebt, das virtuell nicht gelebt werden kann. da gleichzeitig das arbeitsleben entgrenzt ins privatleben funkt und die kommunikationsbereitschaft rund um die uhr praktiziert wird ist auch rund um die uhr strategisches verhalten angesagt. kulturpessimistisch könnte man formulieren: je cooler und strategischer kommuniziert werden muss Weiterlesen

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schreibberatung und coolness

wie hier schon öfter beschrieben, spielen bei (schreib)beratungen unsicherheiten der klientInnen am anfang oft eine rolle. dabei handelt es sich um einen mix aus scham (hilfe zu benötigen), angst (was kommt da auf mich zu?) und misstrauen (hilft mir das hier überhaupt?). ein ausdruck dieser unsicherheit kann coolness sein.

ich kenne aus meinen langjährigen beratungstätigkeiten ein auftreten von klientInnen, das im ersten moment den eindruck hinterlässt, es gebe überhaupt kein problem. als berater fragt man sich, weshalb denn jemand in beratung kommt, wenn es scheinbar keine schwierigkeiten gibt. die menschen sind cool. sie überdecken in einer sehr professionellen art alle unsicherheiten und leider auch alle probleme. darum kann man als berater erst einmal nicht weiterhelfen.

sinnvoll war es dann immer, die frage weiterzugeben: „ich habe den eindruck, es gibt überhaupt keine schwierigkeiten, es klingt doch alles gut und in ordnung. vielleicht benötigen sie gar keine beratung.“
erst in diesem moment realisierten viele klientInnen, dass ihre aussenerscheinung nicht mit ihren gedanken und emotionen übereinstimmen. doch manchmal wird es auch in diesem moment nicht realisiert. die ratsuchenden bestätigen sogar, dass alles in butter zu sein scheint. da ist es hilfreich, die beratung zu beenden, da es augenscheinlich keinen beratungsbedarf gibt.

nicht sinnvoll scheint es mir, spekulationen darüber anzustellen, warum jemand, wenn er eine (schreib)beratung aufgesucht hat, nicht benennt, um was es eigentlich geht. ich als berater kann dies nicht wissen und helfe weder mir noch dem klienten durch mein Weiterlesen

web 2.94 – autismus und bloggen

autismus tritt sehr unterschiedlich in erscheinung, der grad der beeinträchtigungen bei der gestaltung des alltags ist ebenso verschieden. das asperger-syndrom ist die etwas abgeschwächtere form des autismus. bis heute sind sich die psychologen und mediziner bei ihrer diagnostik nicht einig. doch dies spielt eigentlich keinen rolle, wenn ein mensch sich in seinen handlungsmöglichkeiten beeinträchtigt fühlt.

den gedanken und dem empfinden von menschen mit autistischen störungen wurde lang keine aufmerksamkeit geschenkt. erst in den letzten jahrzehnten (teilweise einhergehend mit der entwicklung des internets) wurde dem erleben des autismus mehr aufmerksamkeit geschenkt. und es entwickelte sich ein digitales medium, das von menschen, die schwierigkeiten mit sozialen interaktionen und der kommunikation haben, teilweise gut gehandhabt werden kann. das medium internet bietet eine plattform, auch mit autistischen störungen am gesellschaftlichen austausch teilzuhaben.

selbst wenn die störung autismus nicht hinreichend diagnostiziert und erklärt werden kann, so kann doch inzwischen von den betroffenen auskunft über ihr erleben gegeben werden. und das bloggen ist dafür eine gute möglichkeit. darum möchte ich hier ein paar blogs von menschen über ihr leben (mit der störung) verlinken. ich will sie gar nicht einzeln vorstellen, sondern alle dazu einladen, sich lesend ein eigenes bild zu machen und vielleicht in austausch zu treten:

http://nach21.wordpress.com/

http://autzeit.wordpress.com/

http://realitaetsfilter.wordpress.com/

http://herzlichchaotisch.wordpress.com/

kreatives schreiben und alter (2)

kreativität ist kein zeichen von jugend, auch wenn viele menschen bei sich selber davon ausgehen. es gibt eine beunruhigend beruhigende grundhaltung bei manchen älteren menschen: das leben sei gelaufen, die dinge sind erlebt und gedacht, es gibt keine anlässe mehr für unruhe und veränderung. dabei bietet uns das leben mehr möglichkeiten: neben dem gesellschaftliche hofierten „lebenslangen lernen“ kann man auch „lebenslang spass haben“ oder „lebenslang politisch sein“. also steht einer lebenslangen kreativität nichts im wege.

bei künstlerInnen wird im nachhinein gern despektierlich vom „alterswerk“ gesprochen, wie wenn ihre kreativität etwas mit dem alter zu tun hätte. einzig die gedanken werden davon vielleicht bestimmt. seltsamerweise würde man bei anderen berufsgruppen nicht von ihrem alterwerk sprechen, sie machen einfach ihren job weiter, so lange sie spass daran haben. also sollte man sich auch beim schreiben nicht von gesellschaftlichen vorstellungen bremsen lassen. so wie ältere menschen noch sexuell aktiv sein können, so können sie geistig aktiv sein. und wie beim sex geht vielleicht manches beim schreiben nicht mehr so schnell, doch dies sagt nichts über die qualität aus.

unsere aufbewahrungsstätten für ältere menschen gehen auch heute noch oft davon aus, dass die interessen ihrer bewohnerInnen sich darauf beschränken, volkslieder zu singen, bastelkurse zu besuchen und stuhlgymnastik zu machen. dabei müsste den persönlichen bedürfnissen nur genug raum gegeben werden und man könnte Weiterlesen

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (08)

kleinliche korrektur

schreiben kann auch menschen, die sich in der rechtschreibung und grammatik nicht so gut auskennen, viel spaß machen. leider verschwindet die freude am schreiben sehr schnell, wenn das augenmerk mehr auf die fehlerkorrektur gelenkt wird, denn auf den inhalt der texte. natürlich kann ein text anstrengend sein, wenn die schreibfehler den inhalt enorm verändern und der lesefluss vollständig unterbrochen wird. doch dies ist selten der fall. wir menschen sind erstaunlicherweise fähig, nur andeutungen von worten und aussagen trotzdem zu entschlüsseln und aufgrund unserer leseerfahrungen zu ergänzen.

also könnte man sich getrost dem inhalt zuwenden und die geschichten, aussagen oder ereignisse genießen. doch da sind wieder einmal das „lernziel“ oder die „vergleichsvorgaben“ vor. teilweise wird beim schreiben von aufsätzen, von stories oder von abschlussarbeiten vor allen dingen der rotstift der fehlerkorrektur gezückt. auch das wäre noch nicht so tragisch, wenn in der endbewertung eines textes vor allen dingen der inhalt beurteilt werden würde. aber es kommt immer noch zu oft vor, dass die fehlerkorrektur in den vordergrund gedrängt wird.

dies führt zum beispiel bei menschen mit schreibschwächen (legasthenie etc.) oder bei menschen, die deutsch als fremdsprache erleben, schnell zu frustrationen. da hat sich jemand eine tolle, fantasievolle geschichte ausgedacht und niedergeschrieben und dann wird der inhalt kaum beachtet. und selbst wenn jemand rechtschreibung und grammatik ganz gut beherrscht, so kann es doch jedem passieren, dass man dinge übersieht. selbst nach dreimaligem korrekturlesen können noch fehler auftauchen.

ich möchte hier nicht generell gegen die fehlerkorrektur argumentieren. die kann und soll stattfinden, auch um beim schreiben stetig etwas dazu zu lernen. aber sie muss nicht im vordergrund stehen. spaß man schreiben macht sicherlich nicht Weiterlesen

kreatives schreiben und zufall

kreatives schreiben ist eigentlich purer zufall, andere würden pure intuition dazu sagen. man überlässt seine gedanken und das damit verbundene schreiben dem, was einem gerade durch den kopf geistert. klar kann man im vorfeld eine struktur festlegen, ein hauptthema, dem ganzen eine richtung geben. doch in der letztendlichen konsequenz könnte niemand vorhersagen, was er oder sie jetzt tatsächlich auf das papier bringen oder in computer tippen.

man kann beim kreativen schreiben bezüge herstellen. man kann seine ideen auf die tagesform zurückführen, auf erlebtes oder auf menschen, denen man begegnet ist. man kann sich vornehmen, botschaften in den text zu integrieren, bestimmte worte zu verwenden, einen dialog zu schreiben und vieles mehr. aber wie der einzelne satz entsteht, wie das einzelne wort gefunden wird, lässt sich im nachhinein nicht mehr klären.

wenn man es schafft, den inneren zensor im zaum zu halten, wenn man sich „gehen lässt“ und dem zufall raum gibt, dann trägt einen die eigene geschichte, der eigen text an orte, die man vorher noch nicht betreten hatte. das macht die texte so lebhaft und oft so intensiv. das kreative schreiben geht in solchen momenten viel weiter als oft spekuliert wird. natürlich fließt persönliches ein, natürlich haben viele ihren stil und natürlich hält man sich auch an manche konvention.

aber zufälliges kreatives schreiben geht meist über die von vielen vermutete naive freizeitbeschäftigung hinaus. in vielen fällen entsteht literatur, doch sie findet kaum den weg an die öffentlichkeit. regelmäßiges kreatives schreiben ist auch eine form von arbeit, wie es immer wieder für das literarische schreiben betont wird. hier verschränken sich die vorgehensweisen Weiterlesen

biografisches schreiben und kunst

ein weites feld: es geht um ästhetik, um geschmack oder um eigene künstlerische ambitionen. das erstaunliche in unserer gesellschaft ist, dass wir die kunst zwar schlecht behandeln (miese bezahlung und finanzierung, minimale verankerung in der (aus)bildung, skurriler geniekult), gleichzeitig aber nicht von ihr lassen können. zwischenzeitlich scheint es (und wird es auch so vermittelt), wie wenn kunst und kultur ein luxusproblem wären. dabei zeigt sich, dass selbst unter widrigen lebensumständen immer wieder kunst geschaffen wurde.

kunst vermittelt zwischen erworbenen fähigkeiten, gesellschaftlichen vorstellungen und persönlichem ausdruck. kunst kann kritisieren, untermalen, konservieren oder auch nur anarchisch durch das leben mäandern. beim verfassen der eigenen lebensgeschichte, sollte auf keinen fall der bezug zur kunst, zum künstlerischen fehlen. immer noch begegnen viele menschen dem begriff „kunst“ mit ehrfurcht und sehen sich selbst weit entfernt von kreativität. betrachtet man aber den alltag, dann zeigt sich, dass sowohl kunst konsumiert als auch geschaffen wird.

es heisst nicht ohne grund gartenkunst, kochkunst, kleinkunst, baukunst und vieles mehr. die wertigkeit ist oft eine gesellschaftlich übernommene. die gern getroffene aussage bei moderner kunst „das könnte ich auch!“, sollte eigentlich als einladung verstanden werden, es wirklich zu probieren. eine abkehr von der abwertung des selbstgeschaffenen (und sei es auch „nur“ ein eigenes strickmuster oder kinderbild) würde die kunst an sich glaubhafter und lebhafter erscheinen lassen. schauen sie doch mal beim biografischen schreiben, was sie alles selbst geschaffen haben. schauen sie, wie sie es bewerten, wie sehr sie es mit anderen „schöpfungen“ vergleichen. nicht alles muss gleich die konkurrenz mit auktionsrekord-kunst bestehen.

betrachten sie eher den aspekt, wie es sich anfühlte, als sie etwas schafften, schöpften, entwarfen oder erfanden. was wollte man mit dem gemachten ausdrücken? warum wollte man etwas ausdrücken? wie hat die umwelt das wahrgenommen? und wie wichtig ist es einem, anerkennung Weiterlesen

schreibidee (359)

das ambiente spielt auch eine rolle. so könnte man die bedeutung von rahmenhandlungen und rahmengeschichten bei romanen oder kurzgeschichten beschreiben. welche untertreibung. der rahmen kann ein bild hervorheben oder verschwinden lassen, aufpeppen oder abschwächen. es ist wie mit den nebenrollen im film – die eigentliche geschichte erhält erst durch den rahmen ihre kraft. na dann, eine schreibanregung für „gerahmte geschichten“.

zum einstieg bringt die schreibgruppenleitung einen text mit, der ausgedruckt in ein kleineres quadrat auf eine seite passt. die kopien werden an die gruppenteilnehmerInnen verteilt. nun kann auf der kopie um den text, nachdem er gelesen wurde, stichwortartig notiert werden, durch welche rahmen die aussage des textes verändert werden kann. die ideen für rahmenhandlungen oder rahmengeschichten werden in der schreibgruppe kurz vorgestellt.

anschließend wählen sich die gruppenteilnehmerInnen für sich einen rahmen aus und schreiben ihn. dafür darf text vor den text und nach dem text notiert werden. und es darf, da man ja rechts und links schwer etwas anfügen kann, ein abschnitt in die mitte des vorhandenen textes, der vorhandenen geschichte platziert werden. wenn dies geschehen ist, werden die texte mit rahmen in der schreibgruppe vorgestellt. es findet eine kurze feedbackrunde statt, in der diskutiert werden kann, wie stark rahmen geschichten beeinflussen.

im nächsten schritt werden die teilnehmerInnen der schreibgruppe aufgeteilt. die eine hälfte schreibt nur einen ausführlichen rahmen, die andere hälfte schreibt eine geschichte. wenn alle das schreiben beendet haben, werden die stories ausgetauscht. die, die stories geschrieben haben, tauschen ihre texte miteinander aus und die, die rahmen geschrieben haben, ihre rahmen. danach kehren sich die schreibaufgaben um. wer einen rahmen schrieb, schreibt nun eine story in einen rahmen, und wer eine story schrieb, schreibt nun den rahmen zu einer anderen story. dieser schreibprozess dauert relativ lang, es sollte also genug zeit dafür eingeplant werden.

anschließend findet eine ausführliche feedbackrunde statt. beim vorlesen werden rahmen und geschichten gekennzeichnet. zum abschluss werden abermals die texte in der gruppe ausgetauscht. nun wird jeder story eine anderer rahmen verpasst. der neue rahmen sollte sich stark vom vorherigen unterscheiden. es soll versucht werden durch den neuen rahmen, der ganzen geschichte eine ganz andere bedeutung zu geben. die neuen gerahmten geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen.

liste (97) – wut

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „wut“.

das macht mich zur zeit sehr wütend:

so äußert sich bei mir wut meistens:

diese menschen haben mich mal sehr wütend gemacht:

diese menschen waren auf mich wütend:

das mache ich meist, um die wut loszuwerden:

kreatives schreiben und bewusstes

es passt wunderbar, dass ich mir dieses thema für heute vorgenommen hatte. da befand ich mich die letzten tage unter schreibenden mit viel kreativem potential und wir entwickelten schreibideen, probierten sie selber aus. irgendwann im laufe der zeit entspann sich eine diskussion darüber, wie weit die teilnehmenden der arbeitsgruppe persönliches in ihre texte einfließen ließen. oder anders formuliert: inwieweit unsere unbewussten ängste in texten widergespiegelt werden.

teil wurde psychologisierend diskutiert und sich andererseits dagegen gewehrt. darum vorab ein bemerkung: ich kann mich bewusst zum kreativen schreiben verhalten. dies bedeutet, ich treffe selbst die entscheidung, wie weit ich gehen möchte, was ich veröffentlichen möchte und wem ich was veröffentlichen möchte. ich kann mich darum auch strategisch verhalten: eventuell schreibe ich nur über die dinge, von denen ich glaube, dass sie die anderen interessieren. oder ich lasse sehr persönliche aus, stelle es den anderen nicht zur verfügung, da es mich zu sehr beschäftigt. vielleicht versuche ich auch nur einen lustigen text entstehen zu lassen.

natürlich fließt bei jedem schreibprozess persönliches ein. texte entstehen aus meinen erfahrungen heraus. ich kann nicht abgekoppelt von mir schreiben. allein meine wortwahl, meine ideen-generierung oder auch meine vorlieben beim schreiben haben mit mir zu tun. selbst wenn ich dem zufall viel raum gebe, so ist allein die entscheidung für den zufall eine persönliche.

ebenso kann es bei jedem schreibprozess sein, dass unbewusstes einfließt. ich wäre ein übermensch, wenn ich bei jedem schritt, bei jeder handlung, genau wüsste, worauf diese basieren. mein kopf ist ein heiterer gesell, der nicht in der eindeutigkeit agiert, wie es mir manchmal forscherInnen weiß machen wollen. unsere träume zeigen uns sehr klar, dass wir vieles abgespeichert haben, an das wir uns Weiterlesen

kreatives schreiben und medien

… passen gut zusammen. auf diesen schlichten satz kann man das verhältnis des kreativen schreibens zu diversen medien bringen. alle medien können für das kreative schreiben anregungen und assoziationsmaterial liefern. zeitungen und zeitschriften kann man sogar direkt für das erstellen neuer texte, also für das schreiben mit der schere und dem klebstoff verwenden. fernsehsendungen oder kinofilme können dazu dienen, sie nachzuschreiben, plots für ähnliche genres zu entwickeln oder sie nur zur inspiration zu verwenden. und über das internet habe ich hier schon viel geschrieben, eigentlich die ganze zeit.

spannender erscheinen mir da die immer wieder aufkommenden diskurse, dass die starke verwendung von medien, zum einen das lesen, aber auch zum anderen das (kreative) schreiben stark verändern oder zum verschwinden bringen würden. dass also unter kulturpessimistischen gesichtspunkten unsere vielfältige, geregelte sprache reduziert und verrohen würde, eine regellosen anarchie zum opfer falle. dieser wildwuchs müsse unbedingt eingedämmt und pädagogisch wieder in die richtigen bahnen gelenkt werden.

schaut man sich um, so wird mehr geschrieben denn je. über die qualität lässt sich manchmal streiten, doch die steht beim kreativen schreiben nicht unbedingt im vordergrund. erst einmal geht es darum, sich überhaupt dem schreiben auf einem anderen weg als dem schulaufsatz-artigen anzunähern, das schreiben auch als persönlichen ausdruck zu verwenden und der eigenen kreativität möglichst wenige grenzen zu setzen. unter diesem gesichtspunkt haben eigentlich alle medien zur nachahmung angeregt. man müsste einmal eine umfrage unter medienschaffenden starten, wie viele von ihnen als kinder und jugendliche im spiel vorhandenes mediales nachgeahmt haben.

ein schönes beispiel sind die star-trek-filme, die meist junge menschen dazu veranlassten ganze episoden nachzuspielen, eigene zu entwickeln, einen plot zu schreiben, aufzuzeichnen und zum beispiel auf youtube zu stellen. oder man nehme die umgedichteten songtexte, die satiren auf werbungen und dergleichen mehr. und selbst wenn es nicht zur nachahmung kommt, so zeigen Weiterlesen

das „neue kreative schreiben“ – ein lese- und diskussionstipp

wissenschaften und professionen leben von diskursen. dabei geht es meist um definitionen, neueste wissenschaftliche erkenntnisse oder herangehensweisen. gleichzeitig sind wissenschaften und professionen ein großer markt – schlicht geschrieben, es geht auch ums geld. das hat häufig den effekt, dass versucht wird, einen alleinigkeitsanspruch auf die definitionshoheit oder auf professionen zu erheben.

das beste beispiel dafür ist die finanzierung der psychotherapien in deutschland. es werden nur bestimmte therapierichtungen von krankenkassen bezahlt, andere nicht. der laie geht davon aus, dass es gute gründe für diese vorgehensweise geben muss, dabei war es nur gute lobbyarbeit. es gibt bis heute keine fachliche begründung, welche therapieform wirklich „effektiver“ ist. warum die systemisch therapie nicht finanziert wird, die psychoanalyse aber schon, hat nichts mit ihren jeweiligen positiven wirkungen zu tun.

leider gibt es auch beim kreativen schreiben ähnliche abgrenzungsversuche: stephan porombka versucht eine definition des „neuen“ kreativen schreibens und grenzt sich von einem „alten“ kreativen schreiben ab. den versuch einer neuen (seiner ansicht nach aktuelleren) definition des kreativen schreibens kann man hier nachlesen: http://www.gfl-journal.de/2-2009/porombka.pdf . auf einen einfachen blickwinkel runtergebrochen, handelt es sich bei dem text um die auseinandersetzung „schreibbewegung“ vs. „postmodernes schreiben“.

was in anderen wissenschaften und professionen schon vor jahren stattgefunden hat, hat vor einiger zeit auch das kreative schreiben erreicht. es ist der krampfhafte versuch, sowohl in den sozial- und naturwissenschaften, als auch den darauf aufbauenden professionen, das emotionale subjekt (den menschen mit all seinen ausdrücken, wahrnehmungen und erfahrungen) in den hintergrund zu drängen. dies findet sich in den diskursen über den „freien willen“, in den genetischen und neuropsychologischen forschungen und nun auch in dem „neuen kreativen schreiben“ wieder.

ich werde das hier noch ausführlicher analysieren, doch so viel sei schon einmal geschrieben: ein trost bleibt, dass es schon längst wieder gesellschaftliche gegenbewegungen gibt und das subjekt einfach nicht aus den ereignissen dieser welt verschwindet. entsolidarisierung und (selbst)ausdrucksarmut sind zwei seiten einer medaille. einhergehend mit einer ungezügelten digitalisierung gibt es nur ein ziel: die marktwirtschaftliche verwertbarkeit, die als professionalisierung verkauft werden soll.

es lohnt sich, den text zu lesen, um zu diskutieren, ob das „neue kreative schreiben“ wirklich „neu“ ist und welche gesellschaftliche funktion das daraus resultierende literarische schreiben hat.

der text von stephan porombka ist im gfl-journal (german as a foreign language), no 2-3/2009 erschienen. ISSN 1470-9570.

selbstbefragung (133) – kleidung

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die “kleidung“.

  • wie wichtig ist ihnen kleidung? beschreiben sie.
  • was ziehen sie am liebsten an, wenn sie die wohnung nicht verlassen wollen und es sich gemütlich machen?
  • welche farbe passt am besten zu ihnen?
  • welche marke kaufen sie am häufigsten?
  • haben sie schon einmal etwas selber genäht? warum?
  • mögen sie partnerlook? warum?
  • wie modisch muss ihre kleidung sein?
  • was ziehen sie an, wenn es richtig chic sein soll?
  • wer darf ihnen kleidung kaufen?
  • schätzen sie menschen aufgrund ihrer kleidung ein? warum?

hier können sie weitere 1000 fragen als pdf-datei runterladen.

schreibidee (330)

man kann wild essen oder auch wild schreiben, vor allen dingen bald in der weihnachtszeit. doch ebenso in den besinnlichen zeiten, lässt sich mild essen und mild schreiben. was besser gefällt lässt sich wahrscheinlich erst nach dem jeweiligen versuch sagen. darum eine schreibanregung „mild vs. wild“ für die nächste zeit.

man kann sich ein wenig an den „stilübungen“ von raymond queneau als einstieg orientieren. man nehme eine kurze knappe beschreibung einer alltäglichen begebenheit. diese erhalten die teilnehmerInnen der schreibgruppe als kopie. nun ist von der beschreibung eine milde version und eine wilde version zu verfassen. die texte werden im anschluss in der gruppe vorgelesen und man kann einen kleinen vergleich anstellen, wie die attribute „mild“ und „wild“ jeweils umgesetzt werden.

im anschluss werden keine vorgaben mehr gemacht. die teilnehmerInnen wählen für sich aus der letzten woche drei begebenheiten aus, die sie in einer ausführlichkeit von maximal einer halben seite möglichst neutral notieren. zu allen begebenheiten zusätzlich eine milde und eine wilde version notiert. eine der begebenheiten wird an andere teilnehmerInnen weitergegeben, die nun auch jeweils eine milde und eine wilde version dazu verfassen. die texte werden nicht vorgetragen, sondern dienen nur der fingerübung.

nun wird der anfang einer geschichte den teilnehmerInnen der schreibgruppe ausgeteilt. die fortsetzung der geschichte ist zu schreiben. dabei wiederum zwei varianten, mild und wild. eine variante wird nach dem schreiben ausgewählt und in der gruppe kurz vorgetragen, es findet keine feedbackrunde statt.

zum abschluss findet dann eine längere schreibübung statt. dieses mal wird nur das thema oder die überschrift vorgegeben. die schreibenden können selbst wählen, ob sie für eine geschichte noch assoziationstechniken anwenden wollen, oder ob sie gleich eine geschichte dazu verfassen möchten. es ist nicht notwendig, eine neutrale version zu schreiben. ziel sind zwei versionen ein und derselben geschichte: die milde und die wilde variante. dies sollte sich nicht nur in der wortwahl widerspiegeln, sondern kann auch einfluss auf die gesamte handlung neben. am ende des treffens werden jeweils beide geschichten hintereinander vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. beim feedback werden vor allen dingen die kontraste zwischen mild und wild und die angewendeten schreibstile betrachtet.

kreatives schreiben und zufall

manche der techniken des kreativen schreibens versuchen, eine beinah-zufällige situation in der auswahl der themen oder der schreibanregung herzustellen. schaut man sich diese vorgehensweisen genauer an, dann stellt man fest, dass der versuch dem zufall raum zu geben, grandios scheitert. irgendwo im handlungsablauf taucht immer wieder die subjektive entscheidung auf, was man als nächsten schritt machen möchte.

das bedeutet, der zufall ist nie ein wirklicher zufall. selbst wenn ich durch die strassen gehe und mir eindrücke notiere, treffe ich als schreibender in diesem moment (zum beispiel um 14.38 uhr) an diesem tag (zum beispiel, dem 09.11.2011) die entscheidung, exakt zu diesem fein-geäderten rot-gelben blatt meine assoziativen gedanken (die meiner subjektiven tagesstimmung entsprechen, die wiederum davon abhängt, ob ich mir den morgenkaffe über die hose gekippt habe oder nicht) zu notieren.

im hintergrund steht die frage, weshalb machte ich mich an diesem tag zu dieser uhrzeit auf den weg? es gibt gründe dafür, die nichts mehr mit zufall zu tun haben. so scheint der versuch, zufälliges in das kreative schreiben zu integrieren, zum scheitern verurteilt, und das un-zufällige bekommt ein großes gewicht. denkt man dies weiter, muss man zu dem schluss kommen, dass das bemühen um zufall mehr raum gibt für ein authentisches gerade-so-sein.

man hebelt mit dem versuch, dem zufall raum zu geben, einen großteil der verstellungen und literarischen strategien, die einem beim schreiben begegnen können, aus. den zufall einfangen zu wollen, stellt wiederum eine neue strategie dar, den eigenen beweggründen für das aktuelle schreiben, mehr raum zu geben, den inneren zensor ein wenig zu überlisten. somit ist damit zu rechnen, dass „un-zufällige texte“, die eigentlich dem spielerischen zufall überlassen sein sollen, das leben und die vielfalt umfassender einfangen. sie entziehen sich einem teil der ästhetischen planung und gewinnen gleichzeitig dadurch den subektiven charakter der schreibenden.

oder anders formuliert, man kann sich durch die suche nach dem zufall teilweise selbst überlisten und dem eigenen ausdruck einen freieren und stimmungsvolleren gehalt geben. es schreibt sich unbefangener, näher an einem selber, ja manchmal könnte man sogar von einem „meditativen“ charakter sprechen. die selbst gestellt aufgabe fördert die „selbstaufgabe“ 😉 . die strategie des loslassens mutiert zu einem aussagekräftigen „da-sein“.

schreibpädagogik und weinen

es kann auch in schreibgruppen vorkommen, dass teilnehmerInnen in tränen ausbrechen. entweder, da sie texte über ereignisse verfasst haben, die ihnen sehr nahe gehen, oder, da sie sich durch rückmeldungen und kritiken sehr angegriffen und hilflos fühlen. dieser starke ausdruck von gefühlen kann andere teilnehmerInnen erschüttern und verunsichern. in diesen momenten ist die schreibgruppenleitung als ausgleichendes moment gefragt.

es geht vor allen dingen darum, in einer gruppe auch raum für emotionale ausdrücke zu geben. kein mensch ist davor geschützt, dass ein eigener text oder einer von jemand anderem so berührt, dass die tränen fließen. wichtig scheint mir, dass diese reaktion zwar beachtet aber nicht überbewertet wird. es ist für teilnehmerInnen unangenehm, wenn sich beim weinen alle anderen teilnehmerInnen auf sie stürzen, versuchen sie zu trösten und gute ratschläge haben.

die schreibguppenleitung sollte kurz unterbrechen, nachfragen ob sie weiterlesen wollen, wenn sie bei eigenen texten weinen, oder nachfragen, ob sie den raum verlassen wollen, wenn sie bei texten von anderen schreibgruppenteilnehmerInnen weinen. dann sollte aber im normalen vorgehen weiter verfahren werden. zu viel aufmerksamkeit in solchen momenten gibt dem weinen schon wieder den beigeschmack Weiterlesen

biografisches schreiben und weinen

ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass es für das weinen wenige wertfreie synonyme oder umschreibungen gibt. ja gut, tränen fließen und wir schluchzen vielleicht auch dabei, ja wir heulen. aber der rest, greinen, flennen und jammern sind abwertende begriffe. wir scheuen also den blick auf den ausdruck großer traurigkeit oder hilflosigkeit, uns fehlen die worte.

dem sollte beim biografischen schreiben etwas entgegen gesetzt werden. zu weinen ist meist ein ausdruck für die realisierung einer unangenehmen situation (abseits der freudentränen). es ist ein schritt in richtung veränderung, wahrnehmung und ein ausdruck unserer gefühlslage für andere. doch in gesellschaften, in denen man die gefühle lieber weiterhin für sich behält, da fällt das weinen weiterhin schwer. es gibt kulturen, die der trauer lauten, klagenden ausdruck verleihen und sich dafür nicht schämen.

bei uns macht es weiterhin viele menschen hilflos, wenn jemand weinend vor einem steht. ganz schnell soll dieser ausdruck verschwinden und es wird alles unternommen, um nicht zu viel von der traurigkeit anderer mitzubekommen. schade eigentlich, da es kaum solch eine umfassende körperliche reaktion auf emotionale zustände gibt. das will was heißen.

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte sollte man ruhig einmal den blick darauf werfen, wie schwer oder leicht einem das weinen gefallen ist. in welchen situationen konnte man nicht mehr an sich halten und wie haben die menschen um einen herum reagiert? hat man sich in diesen momenten aufgehoben gefühlt? wie reagierte man selber auf die trauer anderer? haben wir deshalb so viele beerdigungsvorschriften, weil wir den emotionalen ausbruch bei verlusten in rituale umlenken wollen? selbst elefanten weinen.

vielleicht ergibt sich durch das biografische schreiben ein etwas anderer blick auf die möglichkeit, durch hemmungsloses weinen einem einschneidenden moment ausdruck zu verleihen. kinder können noch weinen, irgendwann verschwindet diese fähigkeit bei den meisten menschen im gaaanz privaten. wie sagte einmal eine gute freundin „man sollte alles zelebrieren, auch die traurigkeit“.

na dann, heulen wir doch ausgiebig beim betrachten der traurigen momente unserer biografie, denn die gibt es auch, bei jedem menschen. und schämen wir uns nicht dafür, dass unsere augen dem inneren ausdruck verleihen.

biografisches schreiben und auto

autos haben bei uns anscheinend eine große bedeutung. auch wenn sich mir diese bedeutung bis heute nicht vollständig erschließt, möchte ich sie hier nicht in abrede stellen. für manch einen ist es schon aus beruflichen gründen ein rollendes wohnzimmer. man kann sich, auch wenn es windschutzscheiben gibt, darin zurückziehen und durch die karosserie von der umwelt distanzieren.

daneben sind autos für viele menschen statussymbole. man drückt sich über sein auto nach außen aus. es ist bei uns eher verpönt, seinen status anderen menschen zu zeigen, die einkommensverhältnisse offen zu legen. das auto ist eine der wenigen möglichkeiten, über die menschen signalisieren, dass sie wohlhabend sind (obwohl es sicherlich eine menge nobelkarosserien gibt, die über pump finanziert sind).

wenn man diese beiden aspekte in bezug auf das biografische schreiben betrachtet, dann hat zum beispiel das erste auto im leben eine wichtige funktion für die zunehmende unabhängigkeit des einzelnen. also schauen sie sich genau an: wann hatten sie ihr erste auto? was bedeutete dies für sie? wohin sind sie damit gefahren? welche reisen machten sie mit ihren autos? was haben sie in ihren autos erlebt? hätten sie diese dinge auch ohne ihr auto erlebt?

man kann noch einen schritt weiter gehen. man kann auf einer zeitlinie parallel eintragen, was sich im leben veränderte und welche autos man zu dieser zeit fuhr. denn partnerschaften, kinder oder jobs haben meist Weiterlesen

schreibpädagogik und eifersucht

es geht nicht darum, ob es in schreibgruppen eifersüchteleien geben mag und wie damit umzugehen ist, wenn man die gruppe anleitet. an allen orten, an denen menschen aufeinandertreffen kann es zu kleinen konkurrenzen kommen, da unterscheiden sich die formen und wege wenig. nein es scheint mir wichtiger, einen blick auf eine recht spezielle form der eifersucht bei kreativen tätigkeiten zu werfen.

teilnehmerInnen von schreibgruppen berichten öfter davon, dass ihre freunde, bekannte oder lebensabschnittsgefährtInnen sich darüber lustig machen, was sie denn für ein hobby gewählt haben oder welchen seltsamen interessen sie folgen. meist beginnen die äußerungen mit einer abwertung der tätigkeit. es wird gern formuliert, dass es sich ja um so ein volkshochschul-ding handle (was überhaupt nicht gegen volkshochschulen spricht) und eher hausfrauen vorbehalten sei (was auch überhaupt nicht gegen die arbeit im haushalt spricht). in den bewertungen der sender dieser botschaften sind volkshochschulen und hausfrauen negativ besetzt. allein dies wirft etliche fragen auf.

aber man befindet sich in diesem moment an dem punkt, ob man überhaupt auf die äußerungen eingehen will. denn wenn man versucht sich zu rechtfertigen wertet man im gleichen atemzug auch die volkshochschulen und hausfrauen ab. gleichzeitig scheint es aber sinnvoll zu vermitteln, was schreibgruppen oder kreatives und biografisches schreiben so interessant und anregend macht. die eifersucht speist sich meist aus dem erleben, dass die schreibenden mit großer begeisterung von den dynamiken der neuen tätigkeit berichten. da hat jemand etwas für sich gefunden, da findet jemand einen neuen ausdruck seiner oder ihrer selbst.

als teilnehmerInnen von schreibgruppen führt man seinem umfeld vor, dass schreiben eine wirkung auf die eigene person hat. man verändert sich, man kommt sich näher und findet schriftlich worte für das eigene befinden. dabei kann es zu entwicklungen kommen, die der umgebung bedrohlich erscheinen. meist handelt es sich in diesen momenten um Weiterlesen

web 2.0 und fühlen

das internet macht es schwer, etwas zu fühlen. nicht ohne grund mussten emoticons eingeführt werden, um überhaupt eine form des emotionalen ausdrucks zu finden. natürlich kann man seine emotionen auch schriftlich ausdrücken, doch diese form der kommunikation würde in vielen zusammenhängen der geschwindigkeit des internets widersprechen. selten lassen sich gefühle in drei worten so darstellen, dass die empfänger der botschaft sich in den zustand ihres gegenübers einfühlen können.

da war es nur eine logische konsequenz, dass das telefonieren oder auch kommunizieren mit gespräch und bild in die sozialen netzwerke des internets eingebunden werden. so bietet facebook seit kurzem diese möglichkeiten an. chat, mail oder twitter, sms und bloggen, all diese formen der schriftlichen kommunikation ermöglichen nur ein eingeschränktes fühlen und spüren, akustische signale ermöglichen schon mehr. der tonfall des gesagten erleichtert formen der empathie. noch einfacher wird das mitfühlen, wenn es gleichzeitig in beinahe-echtzeit aufnahmen von den gesprächspartnerInnen gibt. hier kommt zusätzlich die mimik ins spiel.

doch bis jetzt konzentriert sich im web 2.0 vieles auf den schriftlichen austausch. und hier liegen auch zeitweise die schwierigkeiten. denn es genügt nicht, eine eigene sprache und emoticons zu verwenden, um gegenseitiges verstehen abseits der worte zu ermöglichen. hier wird fühlen sehr schwierig und dies verführt zu deutungen, die immer wieder zu missverständnisse führen. der „tonfall“ des geschriebenen ist schnell falsch zu verstehen.

auch hier gleichen die empfängerInnen das gelesene mit bisher erfahrenem ab. und da es keine so klaren signale gibt wie bei der face-to-face-kommunikation, manch eine(r) schwierigkeiten hat, sich schriftlich klar auszudrücken, darum werden dem deuten tür und tor geöffnet. das kann zwei konsequenzen haben: zum einen vertraut man extrem seinen deutungen und laviert sich immer wieder durch die daraus folgenden konflikte, in denen sich jemand falsch verstanden fühlt. oder man hält sich im internet sehr mit emotionalen reaktionen zurück, versucht Weiterlesen