Monatsarchiv: Dezember 2010

schreibidee (202)

ich möchte noch einmal die verschiedenen sichtweisen auf eine szene, eine geschichte oder eine situation aufgreifen. diese schreibanregung ist nur eine von unendlich vielen möglichkeiten, „blickwinkel-texte“ zu verfassen. dieses mal sind die vorgaben durch die schreibgruppenleitung relativ strikt, da alle teilnehmerInnen der schreibgruppe den gleichen blickwinkel einnehmen sollen. spannend bleibt, was alle jeweils sehen und wie sie das gesehene beschreiben.

als einstieg bekommen die schreibgruppenteilnehmerInnen einen alltagsgegenstand in die hand gedrückt oder er wird auf einen zentralen platz gestellt. das kann eine kaffeemaschine, ein voller joghurtbecher oder ein stempel sein. dieser gegenstand ist nun auf jeweils einer viertel seite von oben, unten, rechts und links zu beschreiben. die schreibenden nehmen jeweils den blickwinkel ein und beschreiben den gegenstand. die kurzen betrachtungen werden in der schreibgruppe vorgelesen, aber es wird kein feedback gegeben.

der nächste schritt ist recht aufwendig, kann aber eventuell vor dem gruppentreffen vorbereitet werden. man sollte eine sehr kurze geschichte mit mehreren protagonisten finden. diese geschichte wird vorher von allen gelesen. nun sollen auf maximal zwei seiten für jeden protagonisten die beobachtungen und gedanken, die gemacht werden, aufgeschrieben werden. da es den zeitlichen rahmen der schreibgruppe sprengt, greift man einen protagonisten heraus und lässt mehrer teilnehmerInnen ihre texe vorlesen, für den nächsten protagonisten machen dies dann andere teilnehmerInnen der schreibgruppe. so bekommen alle einen einblick in die vielfalt der betrachtungen.

zum schluss nimmt man noch einen gegenstand, der in der geschichte auftaucht, und lässt ihn aus seiner sicht die ereignisse erzählen. auch dieser gegenstand wird vorgegeben und dient allen als beobachter. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgelesen und beim feedback wird darauf geachtet, welcher charakter dem gegenstand von den schreibenden zugeschrieben wurde.

alternativ kann auch ein tier genommen werden und man beschreibt die situation, wie das tier sie wohl sieht. dabei geht es dieses mal aber nicht um eine „vermenschlichtes tier, das sich gedanken macht. man versucht sich eher zum beispiel in die stubenfliege zu versetzen, die mit ihrem insektenauge ein ganz anderes bild der situation empfängt. um dies zu illustrieren kann man in wissenschaftlichen zeitschriften suchen, die den blickwinkel von tieraugen beschreiben. dieser wird auf die jeweilige geschichte angewandt.

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kreatives schreiben und blickwinkel

wie schon im vorletzten post erwähnt, kann man in der schreibpädagogik bei der anleitung von schreibgruppen den teilnehmerInnen vermitteln, wie sich die veränderung des blickwinkels auf die geschichte auswirken kann. das kreative schreiben bietet dazu alle möglichkeiten des blickes, die ein mensch sonst nicht einnehmen, die aber die fantasie wunderbar abbilden kann.

zum einen kann man einfach nur menschen von anderen positionen aus ereignisse betrachten lassen. man muss sich das wie eine kameraeinstellung beim film vorstellen. so kann im krimi der mord neben dem mörder stehend ganz anders aussehen, als hinter dem opfer auf die szene blickend. man kann also blicke rechts, links, oben oder unten platzieren. man kann den blick über die szene schweben lassen, man kann kreise um das ereignis ziehen oder man kann mehrere personen aus dem gleichen winkel blicken lassen, aber gleichzeitig ihre verschiedenen gedanken schriftlich auffangen.

abseits der menschen kann man vor allen dingen tieren menschliche augen geben. sie beobachten szenen, entweder aus einem tierischen blickwinkel, wie der mensch ihn sich vorstellt oder aus einem vermenschlichten blickwinkel. tiere können dabei denken, nur sehen, beißen, knurren oder auch wegfliegen. man kann tiere sich über die szene unterhalten lassen, man kann sie ihren instinkten folgen lassen. ähnliche fähigkeiten können dann auch noch pflanzen gegeben werden. sie unterscheiden sich von tieren, dass sie meist nicht sehr beweglich sind, also einen starren blickwinkel einnehmen.

in der literatur stört es nicht, wenn irgendwann gegenstände belebt werden, so lang die geschichte spannend ist und die handlung fesselt. in diesen momenten machen sich die leserInnen keine gedanken, ob das beschriebene realistisch ist, sie nehmen die vorgaben der autorInnen hin. und ein toaster blickt auf einen ehestreit in der küche mit anderen augen als die bratpfanne, die später als waffe herhalten muss. Weiterlesen

selbstbefragung (72) – sehen

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „sehen„.

  • was sehen sie gern? zählen sie auf.
  • glauben sie an hellsehen?
  • was sehen sie, was andere nicht sehen? beschreiben sie.
  • wer kennt am besten ihre sichtweisen? warum?
  • was wollen sie nie sehen?
  • was haben sie gesehen und es verschwindet nicht mehr aus ihren erinnerungen?
  • sehen sie sich erotik oder pornografie an? warum?
  • wie wollen sie von anderen gesehen werden?
  • wie sehen sie sich selbst? woher kommen die unterschiede zur vorherigen frage?
  • welchen blickwinkel nehmen sie am liebsten ein? begründen sie.

schreibpädagogik und blickwinkel

es gibt zwei aspekte bei der frage, welche rolle der eingenommene blickwinkel bei der schreibpädagogik spielen kann. zum einen kann man die schreibgruppen oder einzelnde schreibende anregen, einmal einen anderen blickwinkel einzunehmen. zum anderen kann man seinen eigenen blickwinkel auf die schreibenden und ihre texte verändern, aus einer anderen perspektive einen blick darauf werfen.

den blickwinkel der schreibenden verändern. die bekannteste variante ist sicherlich, verschiedene geschichten zu verfassen mit mehreren protagonisten. dabei wird die geschichte jeweils aus der sicht eines protagonisten erzählt. man nimmt beim schreiben immer wieder eine andere rolle in der geschichte ein. dann kann man noch den beobachtenden schreiber geben, der den überblick über alle geschehnisse hat und sogar eine ahnung vom ausgang der erzählung vermitteln.

daneben kann man aber auch „zoomen“, aus der entfernung beschreiben, ganz nah herangehen an das geschehen. man kann einen gegenstand beobachten lassen, dem gegenstand leben einhauchen und seine rolle einnehmen. es gibt viele varianten, wie der blickwinkel beim schreiben ein und desselben geschehnisses verändert werden kann.

als schreibpädogInnen kann man den schreibgruppen die anregung geben, jeweils den blickwinkel zu verändern. man kann die entstandenen texte vergleichen lassen. dadurch entwickelt sich bei den teilnehmenden ein gespür für die veränderten sichtweisen. wenn man dann dem blickwinkel eine emotion hinzufügt, dass zum beispiel protagonist eins gerade von seiner frau verlassen wurde, dann ergeben sich immer differenziertere geschichten und szenen.

das einnehmen eines veränderten blickwinkels kann den schreibenden zum beispiel beim szenischen schreiben ein gefühl für dialoge geben, da jeder protagonist in seine äußerungen die eigene sicht einfließen lässt. oder es lässt sich ein mosaik eines geschehnisses erstellen, dass die sicht auf das eigentliche geschehen langsam darstellt. der perspektivenwechsel kann einer geschichte erst ihre spannung geben. dies sollte in schreibgruppen vermittelt werden. die schreibpädagogik entwickelt dazu die schreibanregungen und -ideen.

die veränderung des eigenen blickwinkels. hierbei geht es um einen ganz anderen aspekt. wenn man eine schreibgruppe anleitet, begegnet man meist verschiedenen subjekten, die schon unterschiedliche gründe haben, weshalb sie überhaupt schreiben wollen. Weiterlesen

liste (16) – blickwinkel

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um den „blickwinkel„.

meine liebsten blickwinkel, aus denen heraus ich dinge gern betrachte:

die sichtweisen, mit denen ich am liebsten betrachtet werde:

blickwinkel, die ich endlich einmal einnehmen sollte, mich aber nicht traue:

die sichtweisen, die ich nie einnehmen möchte, auf gar keinen fall:

ich schau gern hinauf zu:

ich schau ab und zu herab auf:

nabelschau (33)

huch, es hat geschneit. klar, es ist viel schnee, der zur zeit die bundeshauptstadt bedeckt, der nicht wieder verschwinden will. doch nach dem letzten winter, nach den prognosen zum klimawandel und nach den anfängen in diesem winter, erstaunt immer wieder eines: wie man in berlin so überrascht sein kann, wenn es dann wirklich schneit. teilweise wird der schnee schon tage vorher angekündigt. dann wurden sogar dieses jahr im vorfeld ein wenig salz und split gestreut.

doch wenn der schnee so richtig fällt, dann bekommt man immer wieder den eindruck, dass die schneepflüge und räumdienste kapitulieren und einfach aufgeben. sie werden nicht mehr gesehen. wahrscheinlich sagt man sich, lassen wir es erst einmal alles runterkommen, dann lohnt sich das wegschieben auch mehr. schneeräumen lernen, heisst vom süden lernen. wenn es länger schneit wird in süddeutschland auch die ganze zeit geräumt. denn die überlegung, später besser mit der weißen pracht fertig zu werden, funktioniert bei schnee nicht so richtig. ist er einmal festgefahren und festgetreten, bekommt man ihn nur noch sehr schwer wieder weg.

im süden weiß auch jeder mensch, dass schneebedeckte landschaften in der folge stärker abkühlen. hat es aufgehört zu schneien, muss man damit rechnen, dass das ganze auch noch ordentlich anfriert. und irgendwann müssen die schneemassen woanders hintransportiert werden (und zwar nicht nur die vor dem brandenburger tor für die silvesterfeier), denn sonst kommt kein autofahrer mehr aus seiner parkbucht, findet kein fussgänger mehr den bürgersteig.

ach ja, der schnee richtet sich auch nicht nach arbeitszeiten oder sonnenaufgang und -untergang. darum wird in süddeutschland auch noch in der nacht geräumt und am tag weiter. es macht nicht viel sinn, die nacht erst einmal abzuwarten, um gegen sechs uhr morgens wieder anzufangen. das schafft keiner. und so erfreut man sich inzwischen in berlin an seitenstraßen, die seit tagen nicht geräumt wurden, die nur noch aus zermahlenem pulverschnee in verschiedenen höhen und tiefen bestehen. das streugut schichtet sich inzwischen wie tiramisu zwischen den verschiedenen schneedecken und salzen macht sowieso keinen sinn, wenn erst einmal nicht abgetragen wurde.

tja, schön sieht es aus. ruhig ist es geworden. man fragt sich immer wieder, wie die das in den skigebieten nur schaffen, dass am nächsten tag meist alles fährt und sich die menschen fortbewegen können. schön, dass gerade für viele ferien sind 😛 .

berliner stadtmeisterschaften im poetry slam – ein veranstaltungstipp

in zwei tagen ist es so weit: es finden in der volksbühne am rosa-luxemburg-platz die berliner stadtmeisterschaften im poetry slam statt. sie sind die vorstufe zur bundesentscheidung. wie immer bei solchen veranstaltungen üblich, entscheidet das publikum über die besten texte und deren vortrag.

dass dieser wettbewerb inzwischen in einem der großen theater der stadt ausgetragen wird, zeigt die ständig zunehmende beliebtheit des poetry slam. inzwischen ist die szene in berlin so groß, dass man sich kaum mehr einen überblick verschaffen kann. aber was gibt es schöneres, als knackige texte elegant vorgetragen zu bekommen. da schmiert jedes hörbuch dagegen ab. gut, über wettbewerbe kann man streiten, aber wenn das publikum die jury ist, dann kann man schwer etwas dagegen sagen. also, am 30.12.10 in der volksbühen. weiter infos und karten gibt es hier unter diesem link.

was kann schreibberatung nicht leisten?

ein schwieriges terrain, da ich nicht für alle schreibberaterInnen sprechen kann. es mag den einzelnen unterpunkt hier geben, den einzelne beraterInnen sehr wohl zu ihrem aufgabenbereich zählen würden. dazu ist anzumerken, das schreibberaterIn keine geschützte und klar umrissene berufgruppe ist. es gibt keine standardisierte ausbildung (was auch nicht sein muss). die meisten schreibberaterInnen haben sehr verschieden berufsausbildungen absolviert und sich dann meist in bezug auf schreiben fortgebildet. darum ist auch das angebot ein vielfältiges. alle schreibberaterInnen können nur für sich selber und für ihre ratsuchenden definieren, was sie leisten können.

und doch gibt es etliche erwartungen von ratsuchenden, die schwer oder gar nicht in einer schreibberatung zu erfüllen sind. dies bedeutet jedoch nicht, dass die erwartungen nicht woanders erfüllt werden können. hilfreich kann es sein, wenn beraterInnen einen pool von adressen habe, an die sie bei bestimmten fragestellungen verweisen können. und wenn es machbar ist, dann sollte schon bei der anmeldung zur schreibberatung geklärt werden, ob die erwartungen der ratsuchenden erfüllt werden können. denn:

  • schreibberatung kann keine therapie ersetzen. auch wenn im rahmen der beratung psychologische fragestellungen angerissen werden können, jede weiterführende bearbeitung der probleme müsste woanders stattfinden.
  • schreibberatung kann nicht zaubern. so lassen sich abschlussarbeiten nicht in einer woche nach der schreibberatung fertigstellen, wenn bis dahin kaum etwas verfasst wurde.
  • schreibberatung kann keine inhaltlichen vorgaben zu abschluss-, seminar- oder hausarbeiten machen. schreibberaterInnen können gute schreibberatungen durchführen, ohne sich mit dem thema der arbeit auszukennen.

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selbstbefragung (71) – beratung

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „beratung„.

  • von wem haben sie sich zuletzt professionell beraten lassen? beschreiben sie.
  • was ist für sie eine gute beratung?
  • haben sie selber schon einmal beraten? wen?
  • welche beratung müsste noch dringend angeboten werden? begründen sie.
  • wie lang brauchen sie, bis sie eine beratung in anspruch nehmen?
  • welche beratung können sie anderen wärmstens empfehlen? warum?
  • gibt es freunde, die eine beratung ersetzen können? wer ist das?
  • welche situationen machen sie hilflos oder ohnmächtig? wo kommen sie zur zeit nicht weiter?
  • was würde ihnen schreibberatung bringen? begründen sie.
  • wen würden sie gern einmal beraten?

was kann schreibberatung leisten?

einfach beantwortet: viel, aber es kommt auf das setting an?
aber vielleicht sollte erst einmal abgegrenzt werden. schreibberatung ist keine schreibtherapie. schreibtherapie nutzt das schreiben, um therapeutisch zu arbeiten. schreibberatung nutzt schreibpädagogische und therapeutische techniken, um menschen wieder an das schreiben heranzuführen. auch in schreibberatung kann es zu therapeutischen effekten kommen, das ist aber nicht ziel der beratung.

wichtigster faktor beim setting der schreibberatung ist die zeit. wie viel zeit steht für die schreibberatung zur verfügung, wie oft finden terminvereinbarungen statt. steht viel zeit zur verfügung kann intensiver beraten werden. das ist nun nichts erstaunliches, sollten aber ratsuchende immer berücksichtigen. da die kosten der schreibberatung von keinen versicherungen oder andere institutionen übernommen wird, muss sie von der ratsuchenden selbst bezahlt werden. das kann den geldbeutel schon belasten, doch zum trost, ist schreibberatung meist kein langwieriger prozess.

und die effekte der schreibberatung lassen sich langfristig auf viele situationen anwenden, erleichtern mit großer wahrscheinlichkeit das schreiben in anderen situationen enorm. also: wann sollte man eine schreibberatung aufsuchen? wenn man partout mit einem text partout nicht weiter kommt oder einem das schreiben in wichtigen zusammenhängen immer zur qual wird. es kann bei der schreibberatung zwar keine erfolgsgarantie geben, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sich in relativ kurzer zeit der eigene schreibprozess verändert. doch ich will mal die möglichkeiten der schreibberatung auflisten:

  • schreibberatung kann wieder in den schreibprozess einführen. bei schreibblockaden und schreibkrisen kann schreibberatung hilfestellung geben stück für stück wieder zu schreiben.
  • schreibberatung kann unterstützung beim aufbau, bei der struktur einer arbeit geben. schreibberatung hilft bei der suche nach dem roten faden, beim finden einer schreibidee.
  • schreibberatung kann hinweise geben, wie der text attraktiver für die leserInnen wird, wie ein flüssiger text entsteht.

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schreibidee (201)

nicht nur schreibschwierigkeiten kann jeder mensch bekommen, auch andere, eher emotionale, psychische probleme können bei jedem menschen auftauchen. niemand ist davor geschützt, so wie niemand vor einer grippe geschützt ist. man kann, wie bei gesundheitlichen angelegenheiten, versuchen vorsorge zu treffen, doch verhindern und kontrollieren kann man nicht alles. eigentlich ist auch nichts dabei, doch in unserer gesellschaft werden psychische probleme weiterhin zu einer frage der selbstverantwortung. in den augen vieler muss man sich nur zusammenreissen und an sich arbeiten, dann bekommt man auch keine probleme. das ist zu kurz gedacht. man muss nur ein traumatisches erlebnis haben und die ganze welt kann ins wanken geraten. um dem einmal rechnung zu tragen, soll diese schreibidee zu „therapiegeschichten“ anregen.

da in schreibgruppen keine therapieexpertInnen sitzen, kann zum einstieg am flippchart gesammelt werden, was denn therapeutInnen ausmacht und was klientInnen ausmacht. anschließend schreiben alle teilnehmerInnen der gruppe zehn sätze, die mit dem wort „therapeutInnen“ und zehn sätze, die mit dem wort „klientInnen“ beginnen. das das spannendste in therapien immer das therapeut-klient-verhältnis ist und sich dieses auch gut in geschichten verarbeiten lässt, schreiben nun alle einen zweiseitigen dialog zwischen therapeut(in) und klient(in). es ist der fantasie überlassen, um was es geht, wie das gespräch verläuft. die dialoge werden ohne feedback in der schreibgruppe vorgetragen.

anschließend wird noch eine sequenz fünf minuten fokussiertes freewriting zum thema therapie durchgeführt. denn dann ist in der schreibgruppe eine längere geschichte zu schreiben, in der eine therapie oder ein therapeutisches verhältnis die hauptrolle spielen. es ist den teilnehmerInnen überlassen, wie das thema eingebaut wird. dabei soll es keine rolle spielen, ob fachlich alles korrekt ist oder nicht. es dürfen klischees über therapien ebenso verwendet werden, wie psychische erkrankungen, die überhaupt nicht existieren. die texte werden dann in der schreibgruppe vorgetragen und es wird ein feedback gegeben.

und wenn interesse besteht, kann zum abschluss des treffens noch der film „einer flog über´s kuckucksnest“ mit jack nicholson gezeigt werden.

schreibpädagogik und schreibberatung

jeder mensch kann einmal in die situation geraten, dass es mit dem schreiben hakt. selbst berufsschreiberInnen landen ab und zu in einer schreibkrise oder schreibblockade. in dem moment kann die zeit vor dem weißen blatt oder dem weißen bildschirm quälend werden. die ideen fehlen oder die umsetzung der idee gelingt nicht angemessen.

daneben kann es aber auch zu den bekannten fluchtbewegungen kommen. es ist dringend eine abschlussarbeit zu schreiben, ein bericht oder antrag zu verfassen, ein brief zu schreiben, und man räumt lieber die wohnung auf, spült das geschirr, wäscht die wäsche, putzt die fenster, staubt die bücher ab, repariert das fahrrad, kachelt das bad neu. wer kennt das nicht?

es ist so lang erträglich, so lang es bei kurzen episoden bleibt. die kann man mit anderen dingen überbrücken und sollte sich nicht verrückt machen. das schadet nicht und wird entspannender, wenn man sich zugesteht, dass einem nicht immer etwas einfallen muss. schwieriger wird es, wenn der gesamte studienabschluss oder die berufliche existenz langsam auf dem spiel stehen. dann wird der druck auf die schreibenden immer größer, ein kleiner teufelskreis kommt in gang. denn je größer der druck, desto schwerer fällt es vielen, nicht zu flüchten.

wünschenswert ist es dann, dass man noch rechtzeitig erkennt, allein schaffe ich das jetzt nicht mehr. gründe kann es dafür viele geben, aber man kommt ihnen allein nicht auf die schliche. hier macht es sinn, sich hilfe zu suchen. dies können gute freunde sein, die einen unterstützen, mit denen man kontrollanrufe oder andere hilfestellungen vereinbart. es kann auch helfen, den schreibort zu verlegen. etliche ziehen sich zum beispiel gern in die leseräume von bibliotheken zurück, wo alle anwesenden versuchen zu arbeiten, zu lesen und zu schreiben, denn das kann animierend sein. so lenkt zumindest nichts ab, wie es zuhause doch häufig der fall ist.

dann gibt es noch die möglichkeit, ratgeberbücher zu hilfe zu nehmen. Weiterlesen

wortklauberei (57)

„wahre liebe kribbelt nicht. sie brutzelt.“

in der kälte des winters erinnert sich manch einer gern an die kuscheligen, zwar etwas verqualmten, aber dann doch ganz amüsanten grillabende. und wenn man sich daran erinnert, dann erinnert man sich vielleicht auch an den tollen werbespruch von edeka, der im internet kursierte: wahre liebe kribbelt nicht. sie brutzelt. dieser spruch sollte die leserInnen dazu animieren, ihr grillgut bei edeka zu kaufen.

oh je, was liebe alles so machen muss. sie verstört, sie quält, sie lockt, sie entflammt und noch vieles mehr. dass sie kribbelt war mir dann doch neu. also gut, die flugzeuge im bauch, die kann man als kribbeln interpretieren und dies wiederum könnte mit liebe zu tun haben. aber wenn mein fuss kribbelt, dann ist er nur eingeschlafen, aber nicht unbedingt ein zeichen von liebe. ansonsten kribbeln vor allen dingen noch eingeschlafene hände und arme, der kopf kann kribbeln, wenn man zur zeit keine mütze auf hat, und die füsse, wenn sie wieder auftauen. aber wo kribbelt liebe?

doch nicht genug damit, die wahre liebe wird auch noch in die pfanne gehauen. sie wird zum brutzeln verdonnert. wahrscheinlich wird sie dann knusprig, schmeckt nach rauch und kohle, das fett (bei der liebe handelt es sich dabei wahrscheinlich um schmalz) tropft in die glut. die liebe zischt, sie schmurgelt vor sich hin, wird braun und zäh wie schuhsohlen. ein schelm, wer dabei an menschenfresser und schlachtfeste denkt. ja eigentlich ist die liebe ja ein einziges schlachtfest und danach gibt es metzelsuppe.

erst jetzt, während ich diese zeilen schreibe, erklärt sich mir der braten, der in die röhre geschoben wird. seltsam, wie fleisches- und herzenlüste an der metzgertheke ihre metaphern finden. der mensch ist eben ein allesfresser. für vegetarier wedelt da nur die palme.

75 000 besuche auf dieser seite

manche kleinen meilensteine freuen dann doch. also dieser blog ist ein kleiner. schon das thema lockt nicht so viele hinter dem ofen hervor. es ist auch kein sehr aktueller blog, sondern eher ein auf wenige bereiche spezialisierter, der sich langsam zu einer datenbank auswächst. zum einen dient die datenbank mir selber als sammelpunkt für alles, was mir so zum schreiben, zur schreibpädagogik, zum kreativen schreiben, zum biografischen schreiben, zu wörtern, zur sprache und zum web 2.0 einfällt und auffällt. zum anderen wird er aber inzwischen auch von den leserInnen ganz spezifisch zu manchen fragestellungen genutzt, und wenn es nur die durchsicht der zur verfügung gestellten schreibideen ist.

schön ist es, dass der blog seinen platz in den suchmaschinen gefunden hat. schön ist es auch, dass der blog anscheinend weiterhin informiert, auch wenn manche posts schon annähernd drei jahre alt sind. und so bleibt die besucherzahl auf einem angenehmen konstanten niveau, auch wenn ich mal nicht die zeit und muse zum bloggen finde. da sammeln sich dann die in der statistik verzeichneten besuche an. und jetzt sind es eben gerade 75 000. da danke ich doch mal für das interesse.

klar, es könnten viel mehr sein, doch dann müsste ich über etwas anderes schreiben. zum beispiel über sex (gern wird die selbstbefragung zum thema „sex“ gelesen) oder über aktuelle politik (würde mich aber zu sehr aufregen 😀 ) oder über mein leben und meinen alltag (ob das so interessant wäre ?). also bleibe ich einfach weiter bei dem angebotenen, freue mich über kommentare und anregungen und werde demnächst weiteres von dem hier veröffentlichten in der linkliste bündeln, damit man den überblick behalten kann.
beim 100 000 besuch wäre dann ein piccolöchen zu öffnen, jetzt ist es nur (beinahe) stille freude 😉

biografisches schreiben und sport

ganz im gegensatz zum kreativen schreiben, spielt sport im biografischen schreiben teilweise eine viel größere rolle. man schaue sich nur an, wie viele biografien von sportlerInnen auf dem markt sind, man betrachte nur, welche bedeutung sportliche großereignisse im gesellschaftlichen gedächtnis haben und wie viele menschen sich daran erinnern, wie sie diese zeit erlebten.

es wäre beim schreiben der eigenen lebensgeschichte erst einmal zu klären, ob sport für einen selber überhaupt eine rolle gespielt hat oder noch spielt. dabei kann es sich um das aktive ausüben von sport ebenso handeln, wie auch um das dasein als fan. ein großer fan gestaltet zum beispiel seine freizeit hauptsächlich angelehnt an für ihn wichtige sportveranstaltungen. natürlich beeinflusst dies viele aspekte des eigenen lebens.

wenn sich herausstellt, dass sport für einen selber eine gehörige rolle spielt, dann kann im nächsten schritt geschaut werden, wie sehr der sport oder die sportarten das eigene leben beeinflussten. orientierte man seine urlaubswahl an einer sportart? erlebte man außergewöhnliche emotionen bei seinem ersten marathon? lernte man über den sport die heute wichtigsten menschen in seinem leben kennen? engagierte man sich lang in sportvereinen?

sport ist auch immer kommunikation, stellt für viele menschen den ort dar, an dem abseits des arbeitsplatzes soziale kontakte geknüpft werden. dazu kommt für viele das positive körpergefühl nach der sportlichen betätigung hinzu. aber auch die radikale ablehnung von sport kann einfluss auf die eigene lebensgeschichte haben. Weiterlesen

liste (15) – sport

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „sport„.

sportarten, die ich gern anschaue:

sportarten, die ich gern selber mache:

ich finde an sport am lästigsten:

das dürfte man für mich im fernsehen anstatt der sportübertragungen senden:

das könnte mich am extremsport reizen:

kreatives schreiben und sport

sport ist in geschichten und literatur selten ein thema. es gibt berichterstattungen vom sport, es gibt biografien von sportlerInnen oder auch mal die eine oder andere spannungsgeladene sportliche motivationsgeschichte. aber meist steht sport nicht im vordergrund der stories. protagonistInnen können sportlerInnen sein, aber der plot der geschichte dreht sich selten um das leben mit und für den sport. eigentlich ein manko, den die sportwelt, vor allen dingen die leistungssportwelt, gehorcht ganz eigenen regeln. in krimis und thrillern lässt sich diese welt öfter wiederfinden. aber in romanen, gedichten und kurzgeschichten fühlt sich der sport nicht aufgehoben.

dabei bietet die sportwelt viele anknüpfungspunkte an themen wie ehrgeiz, neid, konkurrenz, wettkampf oder eben auch selbstquälerei, verzweiflung, niederlage oder verletzungen. man kann es heutzutage noch erweitern um intrigen, doping und betrug. eigentlich alles eigenschaften und emotionen, die eine gute geschichte ausmachen können. wie verbringt zum beispiel jemand sein leben, nachdem er schon als kind in den leistungssport einstieg, bis zum dreissigsten lebensjahr ständig erfolge feierte, zum adrenalin-junkie wurde und keine zeit für sich selber hatte? warum verlässt man den spitzensport nicht, wenn nur noch selbstquälerei die erfolge aufrecht erhalten kann? was passiert mit einem, der zur handelsware zwischen vereinen wird und einer modernen form des menschenhandels unterliegt?

und wenn dann noch die verbreiteten tragiken in die grundsituation hineinspielen, also krankheit, tod, liebe, selbstfindung, die frage nach dem sinn des lebens aufgeworfen wird, dann hat man eigentlich eine schöne vorlage für geschichten, die fesseln und menschen bewegen. Weiterlesen

„das lesikon der visuellen kommunikation“ von juli gudehus – ein buchtipp

nein, es handelt sich um keinen tippfehler, es sollte nicht „lexikon“ heißen, „lesikon“ ist eine schöpfung der autorin. lesikon deutet schon darauf hin, dass viel zu lesen ist, doch erst beim aufschlagen fällt auf, dass nicht ein bild zum thema visuelle kommunikation auftaucht. wenn man nicht anfängt zu lesen, dann mag der erste eindruck abschreckend sein. abgesehen von den 3000 seiten sind die stichworte noch nicht einmal wirklich alphabetisch sortiert.

aber wenn man beginnt, zu lesen, dann begeistert man sich in kürzester zeit für dieses buch, selbst als laie in bezug auf die visuelle kommunikation. das ganze buch ist ein großer spieltempel, ein assoziationskatalog riesigen ausmaßes. am besten verstrickt man sich in das buch gleich neben seinem internetfähigen computer. denn nicht nur die vielen querverweise, der labyrinthische aufbau machen einen unbändigen spaß, zu den meisten begriffserklärungen wird auch noch eine internetseite erwähnt. mal als fundort der beschreibung, mal als verweis auf mehr. dabei kann man seltsame entdeckungen machen. irgendwie scheint das buch wie surfen im lexikon oder cloud-computing in gedruckter form mit digitaler ergänzung.

die autorin juli gudehus hat neun jahre lang zusammengetragen, was auch nur im entferntesten mit visueller kommunikation zu tun hat. und da das ganze leben mit visueller kommunikation zu tun hat, findet sich auch zu beinahe allem etwas. von der ersten minute an kann man sich der sogwirkung „des lexikons der visuellen kommunikation“ nicht entziehen. da es keine übliche lexikalische struktur gibt, sondern das buch im untertitel als collage bezeichnet wird, sollte man es auch so handhaben. in jeder ecke eine kleine anregung. man kann ihr folgen, man kann einfach weiterlesen, man kann querverweise aufsuche oder eben das internet.

also alles in allem ein wälzer der anregungen, sowohl fachlicher als auch kreativer. ja, wenn der aufwand nicht so groß wäre, wünschte man sich noch mehr lesikone, zum beispiel über das schreiben, das hören und schmecken. doch schreibanregungen findet man auch in diesem buch und noch viele anregungen für die eigene werbung. nur für die quellenangaben würde man sich eine kleine leselupe wünschen. das buch ist 2010 im verlag hermann schmidt in mainz erschienen. ISBN 978-3-87439-799-5

p.s.: aufmerksam geworden bin ich auf das buch durch die sendung „druckfrisch“ in der ard. manchmal klappt das doch mit dem bildungsauftrag 😉

schreibpädagogik und gehirnakrobatik

was möchte schreibpädagogik erreichen? salopp formuliert, dass menschen einen unverkrampfteren und kreativen zugang zum schreiben finden. dass menschen sich locker auf den schreibprozess einlassen. dafür werden techniken vorgestellt, werden feedbacks auf geschriebenes gegeben und wird versucht, die angst vor dem weißen blatt oder bildschirm zu nehmen.

eine der folgen der schreibpädagogik ist ein immer wacher geist. der blickwinkel verändert, ja, er erweitert sich. die menschen laufen mit offeneren augen durch ihre umgebung und schnappen anregungen, erlebnisse oder formulierungen auf, die sie oft schon beim aufschnappen in textform, in ein exposé bringen. „lässt sich mit dem erlebten etwas anfangen?“, ist der nicht sehr bewusste gedanke, der im hintergrund abläuft. es liegt wahrscheinlich am training des schreibens, der den kopf immer öfter akrobatiken vollführen lässt.

man kann sich das ein wenig wie im sport oder beim fahrradfahren vorstellen. erst übt und trainiert man viel. man schaut genauer auf die abläufe, sucht nach anregungen, beginnt, seiner fantasie leichter freien lauf zu lassen. nach einer längeren trainingsphase verselbstständigen sich die wahrnehmungsprozesse und verarbeitungen im gehirn. irgendwann ist man an dem punkt, dass man einmal fahrradfahren gelernt hat und es nie wieder verlernt.

so ähnlich kann man sich das mit der wirkung der schreibpädagogik für das eigene schreiben vorstellen. einmal gelernt, verlernt man das „andere“ schreiben eigentlich nicht mehr. gut, einzig schreibblockaden können einen stoppen. diese form der blockade taucht beim radfahren doch eher selten auf, dafür kann man einen platten bekommen.
faszinierend ist jedenfalls, wie das gehirn im hintergrund fleissig seine tätigkeit aufnimmt. Weiterlesen

wortklauberei (56)

„wutbürger“

da war wohl jemand ganz schön sauer, als es um das „wort des jahres 2010“ ging. es handelt sich beim „wutbürger“ nicht unbedingt um ein wort, das in aller munde ist und häufig gebraucht wurde. gut, mit diesem wort wurde versucht, die bürgerbewegung zum beispiel von „stuttgart 21“ zu umschreiben, aber treffsicher scheint das ganze nicht.

mich erinnert wutbürger eher an cheeseburger als an eine protestbewegung. ja, vielleicht noch an einen amokläufer. wie die knef so schön sagte: „ich jogge nicht, ich laufe amok.“. dieser satz würde zum wutbürger passen. denn wut erscheint ungerichteter als protest. wut benötigt selten argumente und in wütender stimmung geht es auch nicht mehr um einen diskurs. doch die so bezeichneten wutbürger lassen sich ja auf alle möglichen auseinandersetzungen und diskussionen ein. sie begründen ihren protest, sie argumentieren und steuern gutachten bei. sie wüten eben nicht.

also stellt sich die frage, weshalb ausgerechnet dieses wort gewählt wurde. man könnte es auch gleich in die liste der unwörter des jahres 2010 aufnehmen, da es eine bewegung eher herabsetzt als ihr respekt entgegen zu bringen. nichts gegen bürgerschaftliche wut, doch wut ist bei uns eher negativ besetzt. sie entspringt in vielen vorstellungen den vorhandenen aggressionen. natürlich kann die ohnmacht ob verschriebener großprojekte in wut umschlagen. doch bis jetzt war alles eher sehr friedlich und argumentativ. also eben doch schwäbisch. aber an worten für die umschreibung des protestes fehlt es eigentlich nicht.

ich wünsche mir ein anderes wort zum „wort des jahres“: grossprojekt. ich frage mich ständig wie ein kleinprojekt aussieht und ob es auch mittelgroße projekte und klitzekleine gibt? aber mich fragt ja keiner 😀