Monatsarchiv: Mai 2009

selbstbefragung (17) – wut

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „wut„.

  • was macht sie besonders wütend? nennen sie ein paar beispiele.
  • wie äußert sich bei ihnen wut? richtet sie sich nach außen oder eher nach innen? warum?
  • waren sie schon einmal so wütend, dass sie nicht mehr wussten, wohin mit sich?
  • werden sie oft wütend? was glauben sie, liegt es an ihnen oder an ihrer umwelt, dass sie so selten oder so oft wütend werden?
  • kennen sie rachegedanken? warum nicht?
  • was brauchen sie, um ihre wut in den griff zu bekommen? wollen sie das überhaupt?
  • sind sie anderen menschen gegenüber schon einmal handgreiflich geworden?
  • wie fühlen sie sich, wenn sie wutauslösende situationen einfach verlassen? oder bleiben sie immer im konflikt?
  • können sie fluchen? welches sind ihre besten flüche?
  • können sie dazwischen gehen, wenn andere menschen aufeinander losgehen? begründen sie.
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schreibidee (126)

es gibt da etwas unter den menschen, das mit macht und uneinsichtigkeit zu tun hat. es ist schwer dagegen anzukommen, da das gegenüber beständig der meinung ist, es könnte sein gesicht verlieren. es beginnt mit einem streit und endet im krieg. dabei handelt es sich um eskalation. nur nicht nachgeben, nichts verändern, der status quo muss geschützt werden. darum dieses mal die schreibanregungen zu „eskalationsgeschichten„.

zu beginn wird zusammengetragen, wie die konsequenzen von eskalationen aussehen können. denn krieg ist nicht die einzige folge, schon im subjektiven alltag können konflikte, die sich hochschaukeln, zu nervenzusammenbrüchen, handgreiflichkeiten oder schlimmerem führen. darum sollten die ideen auf dem flipchart gesammelt werden und allen angeboten werden.

nun ist es an den teilnehmerInnen, sich eine form der eskalation auszuwählen und am unteren ende eines blattes zu notieren. danach soll eine eskalationskette erstellt werden. dazu kann entweder von unten nach oben in stichworten notiert werden, wie sich schrittweise alles hochschaukelt oder man macht sich als erstes gedanken, wie der auslöser der eskalation aussah und notiert in der folge die kette bis zur eigentlichen katastrophe.

im anschluss ist eine geschichte zu notieren, die die eskalation schildert. dies kann in form eines dialogs geschehen, in einer geschichte oder auch als protokoll, wie es zum beispiel bei einsätzen diverser organisationen verfasst wird. die geschichten werden sich anschließend in der schreibgruppe gegenseitig vorgelesen und beim feedback berücksichtigt, wie schlüssig die ereignisse klingen. dies dürfte nicht so schwer sein, da eskalationen nicht unbedingt logischen mustern folgen.

um einen friedlichen abschluss für die schreibgruppe zu finden, wäre nun die geschichte ab einem bestimmten punkt umzuschreiben. den wählen alle teilnehmerInnen für sich aus, wenn sie ihre eigene eskalationsgeschichte betrachten. dabei wird an dieser stelle die eskalation durch eine handlung, ein ereignis oder einen zufalle durchbrochen und das ereignis geht glimpflich aus. diese geschichten werden zum schluss vorgetragen.

35 buchtipps aus diesem blog

im laufe der zeit habe ich hier manche bücher vorgestellt. diese vorstellungen erheben weder anspruch auf irgendeine vollständigkeit noch sind sie irgendein standard. sie purzelten hier einzig in der reihenfolge des lesens herein. doch hier ein gebündelter überblick, mit den links zu den jeweiligen posts (einfach auf den titel des buchs klicken).

erst lesen, dann schreiben“ herausgegeben von olaf kutzmutz und stephan porombka
mein klassiker – autoren erzählen vom lesen“ herausgegeben von sascha michel, mirjam neusius und lea katharina ostmann
verteidigung des privaten“ von wolfgang sofsky
extrem laut und unglaublich nah“ von jonathan safran foer
stilfibel“ von ludwig reiners
das ende der schublade: die macht der neuen digitalen unordnung“ von david weinberger
66 schreibnächte“ von katrin girgensohn und ramona jakob
die logik der sorge. verlust der aufklärung durch technik und medien“ von bernard stiegler
wege zum ruhm“ von robert gernhardt
stilübungen“ von raymond queneau
das erste buch. schriftsteller über ihr literarisches debüt“ herausgegeben von renatus deckert
reimlexikon“ von willy steputat
absichten und einsichten. texte zum selbstverständnis zeitgenössischer autoren“ herausgegeben von markus krause und stephan speicher
maschinenwinter. wissen, technik, sozialismus. eine streitschrift“ von dietmar dath
schreiben lernen – schreiben lehren“ herausgegeben von josef haslinger und hans-ulrich treichel
der sprung in den papierkorb“ von thomas hürlimann
geflügelte worte“ von georg büchmann
krankheit als metapher – aids und seine metaphern“ von susan sontag
abstrakt negiert ist halb kapiert“ herausgegeben zum 60. geburtstag von morus markard
wie romane entstehen“ von hanns-josef ortheil und klaus siblewski
auf meinen spuren. das entdecken der eigenen lebensgeschichte“ von herbert gudjons, marianne pieper und birgit wagener
schwarzes quadrat“ von max frisch
wer bin ich?“ von rolf dobelli
warum denken traurig macht“ von george steiner
fragebogen“ von max frisch
dinge geregelt kriegen – ohne einen funken selbstdisziplin“ von sascha lobo und karhrin passig
the book of questions“ von pablo neruda
vom leben, vom tod und vom übirgen auch dies und das – frankfurter poetikvorlesungen“ von urs widmer
vergessenheit“ von david foster wallace
unglücklich glücklich“ von eric g. wilson
erinnern, wiederholen, durcharbeiten“ von lutz von werder
wer reden kann, macht eindruck. wer schreiben kann, macht karriere“ von ulrike scheuermann
kopf schlägt kapital“ von günter faltin
die sandwirtschaft“ von uwe tellkamp
raum zum schreiben – creative writing in 200 genialen lektionen“ von bonni goldberg

schreibpädagogik und anstrengung

schreiben ist hobby, freizeit, spass, so die allgemeine meinung. wenn schreiben im wissenschaftlichen oder beruflichen kontext stattfindet, dann wird es zwar als leistung verstanden, aber als eine, die so nebenher stattfindet. man hat es zu können und zu leisten, aber niemand beachtet die anstrengung dahinter. vielleicht wird gerade noch schriftstellerInnen und autorInnen zugestanden, dass schreiben nicht so einfach ist, anderen aber nicht.

wer zum beispiel an schreibgruppen teilnimmt, macht dies als hobby und in den augen vieler vergleichbar mit häkeln. abgesehen davon, dass häkeln auch gern unterschätzt wird, besteht kaum verständnis dafür, dass das schreiben an sich, eine anstrengende tätigkeit ist. auch wenn man davon ausgeht, dass das gehirn nie aufhört zu denken, besteht ein großer unterschied darin, ob man gedanken schweifen lässt oder konzentriert an einer sache arbeitet. so können schreibgruppen anstrengen.

man sollte also nicht verwundert sein, wenn man nach etlichen stunden intensiver arbeit an geschichten und texten, selbst an schreibspielen, einfach erschöpft ist. ähnlich sollte man nicht erstaunt sein, wenn man schreibgruppen anleitet, die struktur schafft und selber noch mitschreibt, die tätigkeit und leistung, die man erbracht hat, spürt. es ist eine form der anerkennung des selbst geschaffenen und der eigenen leistung, wenn man diese form der kreativen arbeit auch für sich selbst akzeptiert.

es ist natürlich schwer, der umwelt, die es selber noch nie ausprobiert hat, verständlich zu machen, dass schreiben, auch kreatives schreiben, eine form von arbeit ist. man kann dann nur an die schreiberfahrungen des anderen erinnern und nachfragen, wie man es in der schulzeit empfand, wenn drei stunden aufsatz zu schreiben waren oder eine abschlussarbeit geschrieben werden musste. spannend bleibt es, warum bei uns hobbys, wenn sie nicht fussball sind ; -) so gering geschätzt werden, aber zum beispiel ehrenamtliche tätigkeit sehr hoch eingeschätzt wird.

all diese formen persönlicher aktivität, sollten in sozialen gesellschaften einen hohen wert haben. früher waren zum beispiel gewerkschaften oder die arbeiterbewegung bemüht, neben der organisation und weiterbildung auch kulturelle förderungen und angebote anzubieten. das schreiben oder andere kreative formen des ausdrucks werden weiterhin einzig als vergnügen und zeitvertreib verstanden. der lernprozess oder die weiterentwicklung des einzelnen menschen gerät dabei aus dem blickfeld.

web 2.0 und sexualität

die wogen schlagen hoch beim versuch, kinderpornografie im netz zu unterbinden. so wie die wogen eigentlich hoch schlagen sollten, wenn generell eingriffe von staatlicher seite im internet vorgenommen werden. erstaunlich scheint, dass der hebel im netz angesetzt wird, also an einem kommunikationsort und nicht, wie zu vermuten wäre, an der wurzel, nämlich beim kindesmissbrauch.

warum werden nicht automatisch strafverfahren gegen personen eingeleitet, die kinderpornografisches material ins netz stellen? sicher, teilweise können die verursacher überhaupt nicht ausgemacht werden. doch es scheint erstaunlich, dass so wenig ausgemacht werden kann. wie wäre es, die verjährungsfristen für sexuellen missbrauch überhaupt einmal zu erhöhen. oft benötigen menschen recht lang, bis sie sich mit ihrem erlebten missbrauch auseinandersetzen können? wie wäre es, die kleinfamilie nicht unbedingt ständig als nonplusultra der sozialen zusammenlebensweise zu propagieren, da sie der häufigste ort sexuellen missbrauchs ist? und wie wäre es, wenn unsere gesellschaft den wert eines menschen wieder als wertvoll verstünde, dann wäre die hemmschwelle, sich an einem menschen zu vergehen, etliches höher.

noch seltsamer scheint die vorgehensweise generell mit sexualität im netz. überall, wo menschen aufeinandertreffen, geht es um sexualität. das ist so, war schon immer so und wird auch in zukunft so sein. und es sind erwachsene menschen, die die pornografie abrufen. Weiterlesen

schnickschnack (73)

es ist kein geheimnis, dass die fortbewegung in großstädten mit dem auto schnell zur qual ausarten kann. zum beispiel in berlin mitte in den letzten und nächsten wochen, wenn diverse großveranstaltungen, bauerndemonstrationen und staatsbesuche, die halbe innenstadt blockieren. um schnell von a nach b zu kommen, wird inzwischen gern auf das fahrrad zurückgegriffen.

diese erkenntnis ist schon lang in ein geschäft umgewandelt worden. die kurierdienste greifen gern auf fahrradkurriere zurück, wenn kleinere waren oder unterlagen innerhalb der stadt schnell transportiert werden müssen. die fahrradkurriere fallen durch ungebremste beweglich zwischen autos, motorrädern und touristischen radfahrern auf. manch einer hat überhaupt keine bremsen an seinem vehikel. ihre fortbewegung hat schon beinahe artistisches an sich.

da verwundert es nicht, dass es seit über zehn jahren länderübergreifende meisterschaften der fahrradkurriere gibt. an diesem wochenende in berlin (neben dem karneval der kulturen, siehe: http://www.karneval-berlin.de/de/  ) finden die europameisterschaften der fahrradkurriere statt. wer mehr infos haben oder daran teilnehmen möchte, findet dies unter: http://www.ecmc2009.com . bei der meisterschaft kann man informationen für seinen fahrrad-kurrier-roman sammeln oder anschließend beim karneval der kulturen personenstudien betreiben.

kreatives schreiben und großveranstaltungen

die outdoor-saison fürs essen und trinken, für lockere unterhaltungen und den auftrieb vieler menschen ist eröffnet. in allen regionen finden nun diverse sommerfeste, paraden oder budenmeilen statt. diese veranstaltungen sind ein paradies für kreativ schreibende. wenn sie protagonisten für ihre geschichten und stories suchen, dann begeben sie sich doch einfach einmal dort hin.

nehmen sie einen klappstuhl oder setzen sie sich auf eine der vielen bierbänke und beobachten sie. stichwortartige notizen über einzelne vorbeilaufende charaktere sollten festgehalten werden. dabei kann man sich entweder notizen über das äußere erscheinungsbild machen oder notieren mit was die einzelnen menschen beschäftigt sind. denn in der geschwindigkeit, in der menschen an ihnen vorbeiziehen, ermöglichen kaum mehr beobachtungen, höchstens sie notieren etwas über menschen, die neben ihnen sitzen. doch das unangenehm werden, wenn die menschen mitbekommen, dass sie beobachtet werden.

zwischendurch sollten sie eine pause einlegen und kurze porträts zu den menschen verfassen, die sie beobachtet haben, sonst entfällt ihnen wieder, was sie bei der notiz gedacht haben. Weiterlesen

biografisches schreiben und körperkult

lebensbedingungen haben einfluss auf moden, aber auch auf den umgang mit dem eigenen körper. je nachdem, wie sich gesellschaften entwickeln, entwickelt sich auch der umgang mit dem eigenen körper. „gesundheit“ ist inzwischen zu einem regelrechten industriezweig geworden, der den bürger versorgt, hegt und pflegt. dazu gehören die fitnessgruppen, die sportstudios oder die wellness-farmen.

doch wie geht der einzelne mensch nun mit seinem körper um? haben sich die gesellschaftlichen normen schon im eigenen bewusstsein verankert? fragen, die im zusammenhang mit der eigenen biografie oder lebensgeschichte eine große rolle spielen können. gibt es zum beispiel im laufe des lebens körperliche einschränkungen, die einen zwingen, seine gesamten verhaltensweisen zu verändern? hier spielt nicht nur der blick auf die eigene körperliche verfassung eine rolle, sondern auch die frage, inwieweit man sich generell wohl fühlte oder fühlt in seinem körper.

um sich diesem thema anzunähern, kann man zum beispiel eine liste erstellen, was einem am eigenen körper gefällt und was nicht. vielleicht kann man auch notieren, was anderen am eigenen körper gefällt und was nicht. und dann wäre zu betrachten, wann man welche körperlichen einschränkungen erfahren hat. wann fühlte man sich den körperlichen reaktionen aufgrund von krankheiten ohnmächtig ausgeliefert und wie fühlte sich das an? vor allen dingen stellt sich die frage wie groß der einfluss der körperlichen verfasstheit auf die eigene lebensgeschichte ist.

was für eine musik hätte beethoven zum beispiel geschrieben, wenn er nicht im laufe der zeit taub geworden wäre? oder wie gestaltet man sein leben, wenn die bewegung stark eingeschränkt ist? muss man die grenzen seines körpers erfahren oder steigert man sich gern in kleine störungen hinein?
denn eines ist sicher, viele menschen gehen nicht sehr gut mit sich selber um. der mittelweg zwischen zu viel oder zu wenig aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen körper wird selten beschritten.

schreibidee (125)

lust ist ein begriff, der schon ausgesprochen lust auf mehr macht. wahrscheinlich liegt es am klang des wortes, dass so viele assoziationen und gedanken hervorgerufen werden und doch so selten danach gelebt wird. lust ist etwas subjektives und bedeutet für jeden menschen etwas anderes. um ein gefühl für die eigene lust zu bekommen, dient die schreibanregung dieses mal der animation zu „lust-geschichten„.

da lust so vielfältig verwendbar ist, angefangen bei der leselust, bis zu lüsternen begebenheiten, dient als einstieg ins schreiben über die lust ein cluster, das alle teilnehmerInnen der schreibgruppe zum thema „lust“ erstellen. anschließend werden gedanken zu einzelnen lustvollen momenten in halbseitige geschichtchen gefasst. diese werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.
nun ist es an den teilnehmerInnen, für sich die momentan vorrangige lust auszuwählen (kann sich dieses bedürfnis doch recht schnell ändern).

anschließend ist nach einem kurzen freewriting zur jeweils gewählten lust-variante, eine längere geschichte zu schreiben. die geschichten werden auch wieder in der schreibgruppe vorgetragen. es ist davon auszugehen, dass eine große bandbreite an lustvollen begebenheiten vorgestellt. nach diesem umfassenden überblick sollten alle teilnehmerInnen einen text verfassen, was für sie „lebenslust“ bedeutet. lebenslust ist eine viel umfassendere vorstellung von lustvollem leben, als die vorherige konzentration auf eine lust.
die jeweiligen lebenslust-konzepte werden sich gegenseitig vorgestellt. und zum abschluss ein text verfasst, was notwendig wäre, um diese lebenslust auch zu leben, wenn dies nicht schon geschieht. wenn teilnehmerInnen ihrem konzept folgen, können sie noch einmal in einem text beschreiben, worin der vorteil für sie darin liegt. diese texte werden nicht mehr vorgetragen, da sie zum abschluss ausschließlich der selbstreflexion dienen.

schnickschnack (72)

die homophobie ist ein großes thema, zumindest in berlin. dabei geht es um die täglichen diskriminierungen und weiterhin häufigen angriffe auf homosexuelle (meist männlich) sowohl verbal als auch teilweise körperlich gewaltätig. es gibt etliche versuche, aufzuklären, zu integrieren und zu unterstützen, wenn man gewalt erlebt hat. doch nur recht langsam formiert sich eine haltung der homosexuellen, dass sie einmal die faxen dicke haben und frei ihre meinung sagen, dass sie es sich nicht mehr gefallen lassen wollen, von allen seiten angegriffen zu werden, nur weil sie sind, wie sie sind.

als ansonsten recht friedliebende menschen, geschieht dies nicht körperlich (niemand geht heteros klatschen, was ja auch bedeuten würde, dass gleiches mit gleichem beantwortet würde). aber verbal kann man mal formulieren, was man von der ständigen diskriminierung hält. ein sehr schönes beispiel kann man aus frankreich bei youtube finden. der text ist schlicht, die musik nett, und doch kann man ein wenig humor bei diesem ernsten thema nicht verleugnen. es dürfte davon mehr beispiele geben. zu finden ist das musikfilmchen zum internationalen tag gegen homophobie unter: http://www.youtube.com/watch?v=UV26OMSb_VQ&feature=related .

„annie leibovitz: leben in bildern“ – ein filmtipp

die gerade zu ende gegangene fotoausstellung über das leben von annie leibovitz in berlin zeigte, wie man sein leben fotografisch festhalten und öffentlich machen kann. also eine biografische arbeit mit anderen mitteln. sie ist eine anregung, dem eigenen biografischen schreiben eventuell noch eine fotografische komponente hinzu zu fügen. nicht dass man gleich davon ausgehen kann, so tolle bilder zu produzieren wie annie leibovitz, aber fotografie ist natürlich sehr unterstützend.

wie auch für einen biografischen film. die jüngere schwester von annie leibovitz, barbara leibovitz hat ihre schwester sowohl bei der arbeit begleitet, als auch viel archivmaterial, familienfilme und –fotos zusammengetragen. der film „annie leibovitz: leben in bildern“ wurde letzten sonntag auf „arte“ gezeigt. ein film, der eine tolle persönlichkeit vorstellt, eine grandiose fotografin und ein spannendes leben, sozusagen die chronik der amerikanischen gesellschaft seit 1967 am beispiel einer lesbischen fotografin. zum glück wird die dokumentation noch ein paar mal wiederholt, denn manchmal sieht man für den blog zu spät, was es an biografischem gibt. und zwar kann man den film am 05ten juni um 0.55 uhr, am 08ten juni um 10.40 uhr und am 14ten juni um 14.00 uhr.

selbstbefragung (16) – leidenschaft

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „leidenschaft„.

  • wie leidenschaftlich sind sie auf einer skala von 01 (wenig) bis 10 (sehr)? warum?
  • was entflammt ihre leidenschaft besonders? nennen sie stichworte.
  • sind sie der meinung, dass leidenschaft leiden schafft? begründen sie.
  • wenn sie sehnsucht nach jemandem haben, was machen sie dann? wieso nicht mehr?
  • können sie in ekstase geraten? wie sieht das dann aus?
  • zelebrieren sie ihre niederlagen oder ignorieren sie sie lieber?
  • gibt es schönen schmerz? erklären sie.
  • welches hobby betreiben sie mit leidenschaft?
  • welchen menschen in ihrem persönlichen umfeld halten sie für den leidenschaftlichsten? warum?
  • ist ihnen leidenschaft suspekt, da sie so viel chaos verursachen kann? da wäre jetzt eine erklärung notwendig.

schreibidee (124)

es gibt etliche orte, an denen menschen besonders ihren gefühlen freien lauf lassen. dazu kann man zum beispiel friedhofskapellen, geburtsstationen, kirchen bei taufen, hochzeiten und beerdigungen, fussballstadien oder schlafzimmer zählen. an diesen orten spielen sich große und kleine dramen, sowie lustspiele und komödien ab. also ist es an der zeit, die schreibanregung für „geschichten an orten der leidenschaft“ zu schreiben.

Einstieg ist die Aufforderung an die schreibgruppe, sich orte der leidenschaft zu überlegen. diese orte werden am flipchart notiert. nun können sich alle teilnehmerInnen einen ort auswählen. diesen ort sollen sie näher beschreiben. dabei ist zu beachten, dass weder personen noch geschehnisse beschrieben werden sollen, sondern nur der ort an sich. dabei kann das ambiente oder die bauweise, die ausstattung und die atmosphäre eine rolle spielen. dazu solte maximal eine seite geschrieben werden.

passend zum ort ist anschließend eine leidenschaft zu wählen, die an diesem ort oft eine rolle spielen könnte. diese leidenschaft ist auch wieder ohne personen zu beschreiben. dabei können metaphorische vergleiche oder starke emotionen gewählt werden. diese beschreibung sollte auch nicht mehr als eine seite umfassen.

beide kurze beschreibungen werden nun verwendet, um eine leidenschaftliche geschichte zu verfassen. nun sind natürlich protagonisten erwünscht. es kann in der geschichte außergewöhnliches geschehen aber auch nur der ganz normale alltag beschrieben werden. jedoch sollte sich in der sprache das leidenschaftliche der situation widerspiegeln. es darf in die trickkiste des starken ausdrucks gegriffen werden. wenn die geschichten fertig sind, werden sie vorgelesen und im feedback darauf bezug genommen, wie gut die leidenschaftlichkeit erfasst wurde.

biografisches schreiben und diskriminierung (2)

eine wunderbare, da sich beständig verbessernde lebenssituation schildert ein interview im magazin der süddeutschen zeitung vom letzten freitag. dabei handelt es sich um ein gepräch mit einem schwulen paar, das über 40 jahre ein paar ist und nun vor zehn jahren heiraten durfte. auch wenn es seltsam ist, dass schwule paare viel häufiger in den medien auftauchen seitdem sie sich verpartnern dürfen und man dahinter schon wieder diskriminierung vermuten könnte (vielleicht aber auch eine verbesserung des gesellschaftlichen klimas).

doch das interview widerspricht eindeutig dieser vermutung. denn zur freude der leserInnen sind die beiden kritische beobachter einer gesellschaftlichen entwicklung. sie schildern was sie alles ertragen mussten, bis sie ihre ihr liebe überhaupt so leben konnten, wie sie wollten. sie beschreiben, wie schwer es fiel, sich öffentlich zu küssen und das wort „schwul“ auszusprechen. das ist sicherlich die erschütterndste erfahrung nach jahrzehntelanger diskriminierung. die schwierigkeit, sich an die verbesserte lebenssituation zu gewöhnen. viele schwule, die die beobachtungen und verurteilungen durch den § 175 noch erlebt haben oder die beobachtung durch die stasi im osten, brauchen eine menge zeit, um im alter die freiheiten zu nutzen, die ihnen zustehen.

und es gibt ein happyend, auch wenn man dabei den kontakt zur eigenen familie verloren hat. das schmerzt aber wird durch das gemeinsame glück der beziehung gemildert. zu lesen ist das interview unter: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/29355

biografisches schreiben und diskriminierung (1)

gesellschaften, auch so genannte „demokratische“ (hoch lebe das grundgesetz) sind oft alles andere als tolerant. das bedeutet, dass es aufgabe von grundgesetzen und verfassungsgerichten ist, minderheiten zur seite zu springen und sie zu schützen, gerade wenn es darum geht, dass erst einmal alle menschen gleichberechtigt behandelt werden. man muss zugestehen, dass deutschland in diesem zusammenhang, auch als folge der 68er, manche verbesserung erfahren hat.

doch etliche bewohner dieses landes haben im laufe ihrer biografie oder lebensgeschichte, erfahren, was es bedeutet zu einer minderheit zu gehören. sie sind im laufe ihres lebens oft genug diskriminiert worden, soll heißen, sie wurden beschimpft, verleumdet, ungerecht behandelt und vieles mehr bis zu tätlichen übergriffen. die betrifft und betraf so genannte „gastarbeiter“, migrantInnen, frauen (die gar keine minderheit darstellen), behinderte, schwule, lesben, alte menschen (die bald auch keine minderheit mehr darstellen) und teilweise kinder und jugendliche.

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kreatives schreiben und fachwörterbücher

es gibt berufe und fachrichtungen, deren begriffe vielen menschen unbekannt sind, von denen man noch nie gehört hat. zudem finden sich in grimms wörterbuch auch noch eine menge unbekannter wörter, die heute niemand mehr verwendet und lernt. deshalb können fachwörterbücher eine gute grundlage für schreibanregungen sein. vorgeschlagen wurde hier schon einmal, selber wörter zu erfinden und dafür lexikalische einträge zu formulieren.

dieses mal kann der weg anders herum beschritten werden. es werden fachwörterbücher herangezogen, aus denen jemand begriffe auswählt, von denen er ausgehen kann, dass sie allgemein unbekannt sind. diese wörter sollen nun definiert werden, der eigenen kreativität folgend und fantasie freien lauf lassend. ist man damit fertig, werden die ergebnisse verglichen mit der realen bedeutung der wörter.

aber man kann noch einen schritt weitergehen und gar keine ausführliche definition verfassen, sondern die wörter, die zum beispiel zugeteilt werden, gleich in eine zu schreibende geschichte integrieren. sie einfach so zu verwenden, wie man es für sinnvoll hält und darauf vertrauen, dass sich deren angenommene bedeutung durch den kontext der geschichte ergibt. es muss sich bei den verwendeten wörtern nicht unbedingt um fremdwörter handeln, es können auch alte wörter oder begriffe aus dialekten sein, die heute nicht mehr verwendet werden.

insgesamt bieten fachwörterbücher viele anregungen für schreibspiele, geschichten oder schreibanregungen. denn auch das zufällige auswählen von fachbegriffen, das lesen deren beschreibung und freie assoziationen in einem cluster können der anlass für eine geschichte sein. dem produzieren von schreibideen sind in diesem zusammenhang kaum grenzen gesetzt.

schreibspiele (07) – wortspiele (02)

es geht weiter mit dem jonglieren von buchstaben und worten. im vordergrund steht dabei sicherlich der spaß, aber die hier genannten spiele können auch eine anregung für weiterführende geschichten sein. es können dadurch assoziationen entstehen oder ganze sätze, die als grundlage für das weitere schreiben dienen können.

doch zurück zur generierung von worten, so lassen sich varianten entwerfen, die raum für weiterentwicklungen lassen. basis der ideen ist dieses mal scrabble (das spiel), bei dem die spielerInnen der zufälligen wahl von buchstaben unterliegen.

  • so kann eine art buchstaben-bingo gespielt werden. in einem quadrat von zum beispiel 10 mal 10 kästchen, sind drei wörter mit vier buchstaben, zwei wörter mit fünf buchstaben, zwei mit sechs buchstaben und eines mit sieben, sowie eines mit acht zu notieren. diese worte dürfen sich auch kreuzen. anschließend werden aus einer lostrommel immer wieder einzelne buchstaben gezogen. sind die notierten worte, also alle notwendigen buchstaben gezogen worden (es darf immer nur einer ausgestrichen werden) kann „bingo“ gerufen werden 😮
  • oder es werden 20 buchstaben für alle gezogen. aus diesen zwanzig buchstaben sollen möglichst lange wörter gebildet werden. hier hat die person gewonnen, die das längste wort notiert. bei gleicher buchstaben zahl stimmt die gruppe ab, welches wort ausgefallener aber gültig ist.
  • oder es wird in regelmäßigen abständen ein buchstabe gezogen, der der anfangsbuchstabe des zu notierenden wortes ist. im laufe der ziehung sollen alle notierten wörter in der reihenfolge der ziehung einen sinnvollen satz oder sogar eine geschichte ergeben. auch dies kann beliebig in den regeln verändert werden.
  • als letzte anregung ist die variante vorstellbar, dass wie bei kartenspielen die buchstaben weitergegeben werden können, die man nicht für die schaffung von wörtern gebrauchen kann. außerdem wird jedesmal ein weiterer buchstabe aufgenommen. zwischendurch können einzelne worte offengelegt werden. abgeschlossen ist das spiel, wenn eine person alle buchstaben als wörter ablegen könnte. dann wird wie beim canasta oder bei rommé nach vorher festgelegten regeln, das ergebnis der einzelnen spielerInnen gezählt und bewertet.

schreibpädagogik und unsicherheit

wie geht man mit teilnehmerInnen um, die das erste mal in ihrem leben eine schreibgruppe besuchen? natürlich genauso wie mit anderen teilnehmerInnen, die schon häufiger schreibgruppen aufgesucht haben. und doch hat man darauf zu achten, inwieweit neue in der gruppe aufgenommen werden. das unterscheidet sich nicht von der anleitung anderer gruppen.

erster ansprechpartner für alle ist die gruppenleitung. dies bedeutet, allen teilnehmerInnen gleichviel aufmerksamkeit entgegenzubringen. auch wenn man zum beispiel aus vorherigen schon manche kennt, sollte man ihnen nicht viel mehr aufmerksamkeit schenken, als anderen, da sich sonst menschen, die das erste mal an einer schreibgruppe teilnehmen, zurückgesetzt fühlen. sie bekommen das gefühl, in einen zusammenhang geraten zu sein, der sich schon lang kennt und keinen zugang offeriert.

es ist damit zu rechnen, dass sich dadurch alte bekannte zurückgesetzt fühlen, hier ist eine balance zu halten. am besten gleicht man diese verschiedenen interessen und empfindungen dadurch aus, dass man am anfang die gruppenregeln formuliert, die jedem und jeder die gleichen chancen einräumt, die eigenen texte und geschichten vorzustellen, die im laufe der übungen entstanden sind und auch allen dieselbe ausführlichkeit beim feedback garantiert.

man nehme also möglichst wenig bezug auf frühere gruppen, das kann man außerhalb der eigentlichen treffen machen, wenn es zum beispiel zum privaten besuch einer kneipe im anschluss geht. doch auch hier sollte man darauf achten, möglichst alle einzubeziehen, wenn diese ein interesse daran signalisieren. denn die rolle der leitung verliert man in diesen momenten immer noch nicht, so sehr man sich auch müht.
oft kann aber in gruppen damit gerechnet werden, dass die anderen teilnehmerInnen sich neuen bereitwillig widmen, da sie das gefühl, neu in einer gruppe zu sein, etwas das erste mal zu machen, gut kennen.

schreibidee (123)

das herz hat viele funktionen. es ist der motor unseres körpers und läuft oft jahrzehnte fehlerfrei. es reagiert auf eindrücke aus der umwelt und je nach bedrohungsfaktor beschleunigt es seinen schlag. das herz gibt den takt der blutzirkulation an. das herz setzt um, was wir erleben. ein guter anlass, es als schreibanregung zu nutzen und „herzgeschichten“ zu schreiben.

als einstieg in die schreibanregung ein visueller eindruck dienen. wenn es möglich ist, können ein gemaltes gleichförmiges und eine fotografie eines menschlichen herzens an die wand projiziert werden. die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden aufgefordert assoziationen zu den abbildungen zu notieren. anschließend ist ein fünfminütiges freewriting zum thema herz zu schreiben. aus beiden vorarbeiten wird eine kurze herzgeschichte verfasst.
nachdem die geschichten ohne feedback kurz gegenseitig vorgelesen wurden können verschiedene schreibanregungen gegeben werden, die sich am verhalten des herzens orientieren. so kann dazu aufgefordert werden jeweils cluster zu erstellen zu drei verschiedenen aspekten: „das herz schlägt bis zum hals“, „herzstillstand“ und „gebrochenes herz“. die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden dann aufgefordert, ein cluster für sich auszuwählen und eine geschichte dazu zu schreiben.

oder man widmet sich dem zusammenspiel von herz und blut. für was würden die teilnehmerInnen ihr „herzblut“ geben? diese leidenschaft ist in ein gedicht mit herzmetaphern zu packen. aber es besteht auch die möglichkeit „herzkammernflimmern“ zur grundlage einer weiteren geschichte zu machen. im vorfeld wird die medizinische beschreibung der störung vorgetragen. dann werden assoziationen zu den begriffen „herz“, „kammer“ und „flimmern“ notiert. anschließend werden diese in einer geschichte zusammengeführt.

zum schluss werden die aus allen anregungen entstandenen geschichten vorgetragen und ein feedback gegeben. aus allen geschichten kann eine sammlung, vielleicht mit dem titel „herzenslust“ entstehen. vorher werden alle teilnehmerInnen aufgefordert, auf ein blatt ein herz zu malen, das ihnen gerade in den sinn kommt und das gerade erlebte widerspiegelt.

wortklauberei (39)

„Stück für Stück ins Homoglück“

Luja, sog i! Halleluja! Berlin hatte die letzten Jahre beständig ein unglückliches Händchen, was das Motto des CSD (Christopher-Street-Day) anging. Doch dieses Jahr wurden auch die allerletzten Hürden zum gnadenlosen Ausverkauf einer politischen Idee genommen. So einigte sich die Findungskommission, also ein Treffen, an dem jede(r) teilnehmen kann, auf den weitreichenden Aufruf „Stück für Stück ins Homoglück – Alle Rechte für alle!„. Luja, sog i!

Da sitzen wir Homosexuellen also nun auf rosa Wölkchen, von Glück beseelt bei der Himmelsnahrung „Manna“, betrachten die Welt von oben und stellen fest, es ist alles schön. Mag die Finanzkrise die Welt noch so erschüttern, mag der Klimawandel die schwulen und lesbischen Feierlichkeiten in drückende Hitze oder gewittrige Schauer zwängen, mag das Leben immer komplizierter werden, das Homoglück winkt von weitem. ‚Wenn, ja wenn nur die Gesetze endlich angeglichen sind.

Das Motto des diesjährigen CSD reiht sich ein in die freitäglichen Rosamunde-Pilcher-Fernsehabende der ARD, die nichts besseres bringen, als eine heile Welt. Einzige FürsprecherInnen werden sich wahrscheinlich unter den GlücksforscherInnen finden, die bis heute nicht sagen können, was Glück eigentlich ist. Glück kann es für jemanden sein, dass die eigenen Eltern überhaupt akzeptieren, dass man schwul ist. Glück kann es sein, dass der Sexualpartner nicht infiziert wurde, obwohl das Kondom platzte. Glück kann es sein, dass man nach drei Jahren Suche endlich einen Arbeitsplatz bekommen hat.

Glück kann es natürlich auch sein, dass man den Traumpartner gefunden hat, Weiterlesen