Schlagwort-Archive: bewegung

schreibpädagogik und sport

schreibgruppen sind nicht unbedingt sportliche treffen, sondern eher eine gut sitzende angelegenheit. um dieses vorgehen einmal aufzulockern, können verschiedene versuche unternommen werden. dies sollte jedoch vorher mit der jeweiligen schreibgruppe abgesprochen werden, denn nicht jederman möchte sich zum beispiel körperlich ertüchtigen.

so kann eine schreibgruppe entscheiden, dass sie eine radtour mit schreiben verbindet. oder dass gemeinsames joggen mit anschließendem schreiben kombiniert wird. man kann auch gemeinsam in eine sportstudio gehen und zwischen den einzelnen geräten oder übungen kurze notizen machen oder längere geschichten schreiben. ein größeres projekt, eigentlich ein eigenes schreibgruppenangebot wäre es, sich gemeinsam auf die teilnahme an einem marathon vorzubereiten und darüber zu schreiben.

aber man kann es auch ruhiger angehen, und yoga-übungen mit schreibanregungen verbinden. man kann gemeinsam schwimmen gehen und auf den badetüchern liegend notizen machen, um anschließend geschichten zu verfassen. man kann kegeln gehen, schreiben und geschichten vorlesen. die vielfalt an kombinationen von bewegung und schreiben sind unerschöpflich.

diejenigen, die der körperlichen bewegung nicht viel abgewinnen können, die haben die möglichkeit, sich als schreibgruppe gemeinsam eine sportübertragung anzuschauen (hier bieten sich vor allen dingen europa- oder weltmeisterschaften im fussball an) und dann darüber zu schreiben. besonders beobachtenswert erscheint mir da das public-viewing mit weiteren menschen. die schreibgruppe kann ebenso gemeinsam zu einer sportveranstaltung gehen, sich notizen machen und Weiterlesen

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kreatives schreiben und sport

das so genannte „sommermärchen“ oder „das wunder von bern“ sind im cineastischen bereich versuche, den sport für die unterhaltung zu gewinnen. im film lassen sich spannende wettkämpfe und konkurrenzen gut umsetzen. in der literatur gelingt dies sehr viel schwerer. es wird irgendwann trist, einen spielzug um den anderen erklärt zu bekommen. zudem haben schriftstellerInnen anscheinend eine geringere affinität zum sport als journalistInnen und filmemacherInnen.

und doch bietet der sport für geschichten genug stoff. dies lässt sich auch beim kreativen schreiben berücksichtigen, wenn man möchte. so kann man mit einer schreibgruppe zum beispiel ein sportliches ereignis besuchen und anschließend darüber schreiben, so wie man es sonst mit theateraufführungen und museumsbesuchen macht. man kann sportlerInnen in gruppen einladen und lässt sie über ihre lebensgeschichte berichten, über das leben mit dem leistungssport zum beispiel.

im krimi taucht der sport häufiger auf, wenn es um neid, missgunst oder chemische zusatzstoffe zur leistungssteigerung geht. doch der sport bietet mehr. er bietet einen der orte, an denen soziale kontakte geknüpft werden, eine der freizeitvergnügungen, denen viele menschen folgen. warum nicht ein dreiecksverhältnis in den badminton-club oder in den handballverein verlegen? warum nicht die ver“körperung“ im sportstudio in eine geschichte des alterns integrieren?

je stärker unsere gesellschaft den perfekten körper von uns erwartet, je größer der wert eines solchen körpers eingeschätzt wird und karrierechancen erhöht, desto häufiger wird sport in Weiterlesen

kreatives schreiben und körper

der körper ist eine galaxie des kreativen schreibens. seine wunderbare koppelung von fleischlichkeit, emotionen und sinnen bietet viele anknüpfungspunkte für geschichten. das fängt beim thema nummer eins an: dem sex. sex kann von der körperlichkeit nicht abgekoppelt werden, auch wenn in vielen literarischen werken die sexualität in den hintergrund verbannt wird oder der asexualität gehuldigt wird. ob allein, zu zweit oder zu vielen, die begegnung mit körpern kann lust verursachen.

kreative worte für die lust zu finden ist schon eine lust an sich. womit der übergang zu den sinnen geschaffen wäre. lust setzt sich aus reaktionen auf berührungen, wahrnehmungen und gedanken zusammen. der körper bietet alle instrumente dafür. man kann aber auch einen schritt zurückgehen und schriftlich einen blick auf die wahrnehmung werfen. was melden mir meine sinne? geschichten, die beschreiben, wie einem die haare zu berge stehen, wie ein anblick übelkeit oder freude hervorruft oder wie eine berührung zarte gefühle weckt, all dies ist unser körper in worte gefasst.

doch nicht nur sinne und wahrnehmungen können einen spannenden hintergrund von kreativ geschriebenem abgeben. allein die einzelnen körperteile bieten stoff zum schreiben. schreiben sie einfach mal eine geschichte über eine hand. was macht sie so den lieben langen tag? wie funktioniert sie? was möchte ich momentan „begreifen“? die haut als kosmos diverser lebewesen, als schutzschild oder wässrige hülle einer welt. die linke große fusszehe als widerstandsnest gegen unversehrte socken. die kopfhaut als beet für ungerichteten haarwuchs oder aber ausgetrocknete wüste bei der glatze.

und dann noch der blick auf das ganze ensemble. junge körper, alte körper, zeichen der veränderung, orte der verletzung. der körper ist der ort unseres daseins und wir sind nicht vorstellbar ohne unseren körper. wie wirkt alles in allem? als strich in der landschaft oder als knutschkugel, ebenmäßig oder ungelenk? Weiterlesen

kreatives schreiben und sport

sport ist in geschichten und literatur selten ein thema. es gibt berichterstattungen vom sport, es gibt biografien von sportlerInnen oder auch mal die eine oder andere spannungsgeladene sportliche motivationsgeschichte. aber meist steht sport nicht im vordergrund der stories. protagonistInnen können sportlerInnen sein, aber der plot der geschichte dreht sich selten um das leben mit und für den sport. eigentlich ein manko, den die sportwelt, vor allen dingen die leistungssportwelt, gehorcht ganz eigenen regeln. in krimis und thrillern lässt sich diese welt öfter wiederfinden. aber in romanen, gedichten und kurzgeschichten fühlt sich der sport nicht aufgehoben.

dabei bietet die sportwelt viele anknüpfungspunkte an themen wie ehrgeiz, neid, konkurrenz, wettkampf oder eben auch selbstquälerei, verzweiflung, niederlage oder verletzungen. man kann es heutzutage noch erweitern um intrigen, doping und betrug. eigentlich alles eigenschaften und emotionen, die eine gute geschichte ausmachen können. wie verbringt zum beispiel jemand sein leben, nachdem er schon als kind in den leistungssport einstieg, bis zum dreissigsten lebensjahr ständig erfolge feierte, zum adrenalin-junkie wurde und keine zeit für sich selber hatte? warum verlässt man den spitzensport nicht, wenn nur noch selbstquälerei die erfolge aufrecht erhalten kann? was passiert mit einem, der zur handelsware zwischen vereinen wird und einer modernen form des menschenhandels unterliegt?

und wenn dann noch die verbreiteten tragiken in die grundsituation hineinspielen, also krankheit, tod, liebe, selbstfindung, die frage nach dem sinn des lebens aufgeworfen wird, dann hat man eigentlich eine schöne vorlage für geschichten, die fesseln und menschen bewegen. Weiterlesen

schreibpädagogik und gehirnakrobatik

was möchte schreibpädagogik erreichen? salopp formuliert, dass menschen einen unverkrampfteren und kreativen zugang zum schreiben finden. dass menschen sich locker auf den schreibprozess einlassen. dafür werden techniken vorgestellt, werden feedbacks auf geschriebenes gegeben und wird versucht, die angst vor dem weißen blatt oder bildschirm zu nehmen.

eine der folgen der schreibpädagogik ist ein immer wacher geist. der blickwinkel verändert, ja, er erweitert sich. die menschen laufen mit offeneren augen durch ihre umgebung und schnappen anregungen, erlebnisse oder formulierungen auf, die sie oft schon beim aufschnappen in textform, in ein exposé bringen. „lässt sich mit dem erlebten etwas anfangen?“, ist der nicht sehr bewusste gedanke, der im hintergrund abläuft. es liegt wahrscheinlich am training des schreibens, der den kopf immer öfter akrobatiken vollführen lässt.

man kann sich das ein wenig wie im sport oder beim fahrradfahren vorstellen. erst übt und trainiert man viel. man schaut genauer auf die abläufe, sucht nach anregungen, beginnt, seiner fantasie leichter freien lauf zu lassen. nach einer längeren trainingsphase verselbstständigen sich die wahrnehmungsprozesse und verarbeitungen im gehirn. irgendwann ist man an dem punkt, dass man einmal fahrradfahren gelernt hat und es nie wieder verlernt.

so ähnlich kann man sich das mit der wirkung der schreibpädagogik für das eigene schreiben vorstellen. einmal gelernt, verlernt man das „andere“ schreiben eigentlich nicht mehr. gut, einzig schreibblockaden können einen stoppen. diese form der blockade taucht beim radfahren doch eher selten auf, dafür kann man einen platten bekommen.
faszinierend ist jedenfalls, wie das gehirn im hintergrund fleissig seine tätigkeit aufnimmt. Weiterlesen

selbstbefragung (70) – bewegung

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „bewegung„.

  • bleiben sie in bewegung? beschreiben sie.
  • waren oder sind sie in einer bewegung? in welcher?
  • wann empfanden sie stillstand in ihrem leben? warum?
  • was halten sie von sport?
  • wie bewegen sie sich am liebsten fort? warum?
  • wann gönnen sie sich ruhe? beschreiben sie.
  • was bewegt sie sehr? warum?
  • was sollte sie mehr bewegen, tut es aber nicht?
  • welche körperliche bewegung mögen sie?
  • welcher mensch bewegt sie am stärksten?

schreibidee (198)

wir werden dem mainstream unterworfen. also, zumindest versucht ein weltweit pädagogisches projekt, den menschen seit über zehn jahren beizubringen, dass es zwar körperliche unterschiede gibt, aber ansonsten die geschlechterrollen transportierte und konstruierte sind. im gender-mainstreaming wird männern beigebracht, dass es auch frauen gibt, und frauen wird erklärt, dass männer existent sind. ansonsten paaren, lieben, trennen und beharken sich die beiden geschlechter weiter gegenseitig. aber so lang diese diskussion noch nicht einfach von „menschen“ ausgeht, so lang werden ungerechtigkeiten gegenseitig verteil. und da die literatur, das schreiben gern ihr spiel mit der moral und dem tabu spielen darf, sollen dieses mal in der schreibidee „patriarchale pamphlete“ verfasst werden. vielleicht auch, um die eine oder andere geschlechterrolle zu entlarven 😮

als einstieg werden erst einmal symbole und ausdrücke des patriarchats am flipchart von den schreibgruppenteilnehmerInnen gesammelt. angefangen bei phallussymbolen über sprachliche festschreibungen bis zu eigenschaftszuschreibungen kann alles aufgelistet werden. diese sammlung vor augen, werden die teilnehmerInnen aufgefordert einmal einen text zu verfassen, weshalb männer von frauen benachteiligt werden. dieser sollte nicht länger als zwei seiten sein. die texte werden in der schreibgruppe vorgetragen.

anschließend wird von allen jeweils ein cluster erstellt, das sich um den begriff „patriarchale protestbewegung“ dreht. wie könnte so eine bewegung aussehen? was wären ihre forderungen? mit welchen mitteln würde die bewegung kämpfen? was würde die bewegung als positiven erfolg werten? beim clustern sollte der fantasie keine grenze gesetzt werden, es darf durch und durch patriarchal gedacht werden.

aus dem cluster ist nun ein pamphlet (flugschrift, streitschrift, schmähschrift) zu verfassen. dieses pamphlet sollte nicht länger als eine seite sein, da sie sonst von anderen bei der ersten männer-großdemonstration 😉 nicht gelesen werden würde. ja, es soll kämpferisch argumentiert werden. anschließend werden die pamphlete mit dem richtigen tonfall in der schreibgruppe vorgetragen. im feedback können dann weitere aktionsformen des patriarchalen protestes diskutiert werden, um zum abschluss dieses schreibgruppentreffens eine neue bewegung zu gründen.

allen menschen, die diese schreibidee kritisieren möchten sei geschrieben, in der nächsten schreibidee wird der matriarchale protest raum finden.

schreibpädagogik und spielerisches

es mag menschen geben, die es bei fortbildungen, seminaren oder gruppentreffen mögen, zwischendurch durch den raum zu turnen, bewegungen zu vollführen und sich an so genannten „warming-ups“ zu erfreuen. ich mag das nicht. ich war nie ein freund des sportunterrichts, bewege mich genug und besuche die oben genannten veranstaltungen aus anderen gründen. darum werde ich auch nie verstehen, weshalb man bei schreibgruppen mehr als die hand zum schreiben bewegen sollte (nun gut, die augen dürfen dem schriftzug auch noch folgen).

als schriftliches warming-up bieten sich genug möglichkeiten an. eine der beliebtesten sind schreibspiele. sie führen einen an das schreiben stückweise heran. viele schreibspiele konzentrieren sich auf kurze schriftliche absonderungen, die erst einmal den stift der hand anschmiegen und den arm für längere schreibexkursionen lockern. man hat sich dabei warm geschrieben. nun kann es los gehen. und wie der name „schreibspiel“ schon sagt, rückt erst einmal die ernsthaftigkeit ein wenig in den hintergrund.

jedoch auch wenn es dann ernsthafter zugeht, kann eine schreibgruppe spielerische elemente beibehalten, manchmal beinahe zu viel davon. es kommt nicht selten vor, dass ein unausgesprochener wettbewerb entsteht, wer denn nun den humorvollsten text schreibt. alle möchten die lacher auf ihrer seite wissen. dafür spricht, dass es am schluss der schreibgruppe während des vorlesens der texte zu einer entspannten atmosphäre kommt. dagegen spricht, dass lacher nichts über die qualtität der texte aussagen. es bleibt also in erster linie eine frage der erwartung an die schreibgruppen, ob sie dem humor verpflichtet sind.

doch abseits des spieles mit dem witz, birgt schon jede kreative herangehensweise etwas spielerisches in sich. Weiterlesen

schreibpädagogik und warming up

ich bin kein großer freund von so genannten warming ups bei irgendwelchne fortbildungen. habe ich mich doch entschieden, mir neue informationen anzueignen und gehe deshalb zu bestimmten veranstaltungen. normalerweise fühle ich mich in solchen momenten konzentriert und aufmerksam, sonst würde ich die veranstaltung nicht aufsuchen. bei psychologInnen und sozialpädagogInnen werden trotz allem gern noch bewegungsübungen oder kennenlernspielchen gemacht. eine kurze vorstellungsrunde würde es auch tun.

doch viele teilnehmerInnen schätzen diese vorgehensweise. also ist zu überlegen, welche formen des warming up sich für schreibgruppen anbieten. bewährt haben sich schreibspiele oder assoziationsübungen als einstieg in schreibwerkstätten, also möglichkeiten, langsam ins schreiben zu kommen. dies lockert die runde teilweise auf, kann verknüpft werden mit äußerungen über die eigene befindlichkeit im moment oder einem vorstellungstext.

gerade der austausch über befindlichkeiten erscheint mir aber recht sinnlos, denn es ist nicht mehr, als ein erfahrungsaustausch, mir geht es gerade so und so. was sollen die anderen dazu sagen, was fangen sie mit dieser information an? „schön darüber geredet zu haben“ wäre eine mögliche reaktion. in diesen momenten sollte man sich überlegen, ob schreibgruppen selbsterfahrungsgruppen oder kreative werkstätten sind. oder haben sie erlebt, dass sportlerInnen, schauspielerInnen und musikerInnen erst einmal über ihre befindlichkeiten reden, bevor sie zu proben und üben beginnen?

bei psychologischen schreibgruppen wiederum kann die befindlichkeit eine große rolle spielen. hier sollte raum dafür da sein, denn es geht im laufe der gruppe auch darum, festzustellen, wie das befinden sich bis zum ende des treffens verändert. aber eines ist meiner ansicht nach überhaupt nicht nötig, durch den raum zu hüpfen und irgendwelche laute von sich zu geben. das möchte ich dann doch den sportlerInnen überlassen