Schlagwort-Archive: zufall

web 2.0 und zufall

zufällig eine tolle homepage finden ist ungefähr so schön, wie beim stöbern im buchladen das buch zu kaufen, das gerade perfekt zur aktuellen befindlichkeit passt. „toll“ bedeutet natürlich, eine durch und durch subjektive bewertung zu zu lassen. im vergleich zum buchladen ist der pool an zufälligkeiten im netz x-fach höher. so wie man sich zwischen den bücherregalen treiben lassen kann, so kann man durch das netz surfen. der feine unterschied: beinahe alle webseiten ermöglichen sofortiges lesen und sich in den seiten vertiefen.

wenn man dann noch die zufälle anderer surferInnen mitgeteilt bekommt, entsteht langsam eine sammlung lesenwerter texte, die beständig erweitert und ausgebaut werden. es ist wie das lernen von einem zentralthema aus, das sich langsam verästelt und ausbreitet und einen im laufe der zeit an orten landen lässt, die man nie im fokus hatte. der zufall gibt ein gefühl für die reichhaltigkeit des in der digitalen welt angebotenen. daraus kann man eine wunderbare freizeitbeschäftigung machen.

einmal die woche gebe man sich ein zeitlimit und surfe auf gut glück. keine großen suchbewegung über diverse suchmaschinen, keinen empfehlungen folgen, einfach durchklicken. der long-tail-effekt des internets bietet nischen und entdeckungen, die man nicht für möglich hielt. der effekt wird dadurch vervielfacht, dass sich viele menschen gleichzeitig auf den weg machen, spannendes zu finden, dies im netz wieder streuen und somit der querverweis eine größere bedeutung als die literaturkritik bei büchern bekommt. die chance, etwas zufällig aufzuschnappen, macht das surfen so interessant und so verführerisch.

darum die empfehlung, ein zeitlimit zu wählen. die möglichkeit, sich in der vielfalt zu verlieren und alles nur noch zu streifen ist groß. auch das kann lust (auf mehr) hervorrufen, jedoch irgendwann Weiterlesen

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schreibpädagogik und zufall

wer schon öfter schreibgruppen geleitet hat, weiß, wie unterschiedlich die gruppen sein können. alle teilnehmerInnen ergeben ein neues ganzes, das mit keiner anderen gruppe vergleichbar ist. darum unterliegen auch die ergebnisse von schreibgruppen von anfang an dem zufall. denn die konstellation einer gruppe hat immer auswirkungen auf das geschriebene. noch auffälliger wird dies bei schriftlichen arbeiten zu mehreren. man kann wenige verallgemeinerungen darüber anstellen, wie schreibgruppen im allgemeinen verlaufen.

man sollte als schreibgruppenleitung immer für die zufälle offen sein. denn wenn die gruppen so unterschiedlich sind, dann sind auch die vorschläge und ideen aus der gruppe heraus, was man mal machen könnte, sehr unterschiedlich. Klammert man sich als leitung in diesen momenten an sein konzept entgehen einem selber eine menge ideen und anregungen, die man wieder in anderen zusammenhängen aufgreifen kann. schafft man es aber, die zufälligen entwicklungen und ideen in die schreibgruppe zu integrieren, wird man jedesmal eine lebhafte gruppe erleben, die garantiert ebenso vielfältige und lebhafte texte verfasst.

eigentliche ist eine schreibgruppenleitung nichts anderes als eine große klammer um ein bündel zufälle. man kann sich noch so gut auf die schreibgruppentreffen vorbereiten, versuchen Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und zufall

wissenschaftliches schreiben lebt eigentlich davon, den zufall auszuklammern, zu bewältigen und in den griff zu bekommen. darum erscheint hier der zufall eher als störfaktor, denn als bereicherung. das fängt schon im vorfeld bei wissenschaft und forschung an, bevor ein wort niedergeschrieben wird. versuchsanordnungen sollen eines schaffen, zufällige variablen ausschließen. dass dies nicht schwer gelingt wissen alle wissenschaftlerInnen. auch die kritik an der statistik, eine zufallserhebung zu sein, soll möglichst ausgehebelt werden.

aber wie geht man nun damit um, wenn einem mitten im wissenschaftlichen schreiben ein zufälliger geistesblitz die vorannahmen des forschungssettings verhagelt? alles noch einmal neu schreiben? die idee unter den tisch fallen lassen? einen einschub formulieren, der den neuen gedanken anreisst? einen zweiten wissenschaftlichen text verfassen, der sich ganz dem geistesblitz widmet? zu empfehlen ist, dass man als erstes rücksprache mit anderen wissenschaftlerInnen hält. was scheint ihnen vorstellbar? teilen sie die neue erkenntnis oder ist sie zumindest nachvollziehbar?

das ist ein heikles thema, da die wissenschaft heute von einem gehörigen konkurrenzverhältnis lebt. der freie austausch von ideen und entdeckungen ist selten üblich. kommen noch hierarchien im akademischen umfeld dazu, gestaltet sich das vorgehen noch schwerer. man mag zwar für sich entscheiden, den geistesblitz erst einmal für sich zu behalten, das anschließende weiterschreiben wird sich schwer umsetzen lassen, ohne immer wieder den neuen gedanken einzubeziehen. aber auf gut glück das neueste aufzunehmen, wenn man sich beim verfassen einer bewerteten abschlussarbeit befindet, dann kann dies Weiterlesen

kreatives schreiben und zufall

kreatives schreiben ist eigentlich purer zufall, andere würden pure intuition dazu sagen. man überlässt seine gedanken und das damit verbundene schreiben dem, was einem gerade durch den kopf geistert. klar kann man im vorfeld eine struktur festlegen, ein hauptthema, dem ganzen eine richtung geben. doch in der letztendlichen konsequenz könnte niemand vorhersagen, was er oder sie jetzt tatsächlich auf das papier bringen oder in computer tippen.

man kann beim kreativen schreiben bezüge herstellen. man kann seine ideen auf die tagesform zurückführen, auf erlebtes oder auf menschen, denen man begegnet ist. man kann sich vornehmen, botschaften in den text zu integrieren, bestimmte worte zu verwenden, einen dialog zu schreiben und vieles mehr. aber wie der einzelne satz entsteht, wie das einzelne wort gefunden wird, lässt sich im nachhinein nicht mehr klären.

wenn man es schafft, den inneren zensor im zaum zu halten, wenn man sich „gehen lässt“ und dem zufall raum gibt, dann trägt einen die eigene geschichte, der eigen text an orte, die man vorher noch nicht betreten hatte. das macht die texte so lebhaft und oft so intensiv. das kreative schreiben geht in solchen momenten viel weiter als oft spekuliert wird. natürlich fließt persönliches ein, natürlich haben viele ihren stil und natürlich hält man sich auch an manche konvention.

aber zufälliges kreatives schreiben geht meist über die von vielen vermutete naive freizeitbeschäftigung hinaus. in vielen fällen entsteht literatur, doch sie findet kaum den weg an die öffentlichkeit. regelmäßiges kreatives schreiben ist auch eine form von arbeit, wie es immer wieder für das literarische schreiben betont wird. hier verschränken sich die vorgehensweisen Weiterlesen

liste (116) – zufall

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um den „zufall“.

positive zufälle, die mein leben am meisten veränderten:

negative zufälle, die mein leben am meisten veränderten:

zufällige bekanntschaften, die mich veränderten:

das möchte ich in zukunft gern zufällig erleben:

was ich am häufigsten mache, um die richtung meines lebens zu beeinflussen:

biografisches schreiben und zufall

man mag es zufall oder schicksal nennen (obwohl schicksal meist mit negativen erlebnissen in verbindung gebracht wird), unser leben verläuft meist nicht ganz so kontrolliert, wie wir das gern annehmen. bewusst wird uns dies in sehr außergewöhnlichen oder gar dramatischen momenten. wenn man zum beispiel einer katastrophe entgangen ist, weil man in einen anderen zug, ein anderes flugzeug oder dergleichen mehr gestiegen ist. manch einer mag da zwar ausrufen „ein zeichen, ein zeichen!“, doch auch die zeichen sind von uns nicht beeinflussbar.

spannend wird die diskussion über die zufälle in unserem leben durch manche behauptungen aus der genetik, der hirnforschung und der zwillingsforschung. hier wird in vielen zusammenhängen der „freie wille“ in frage gestellt. doch die diskussion scheint müßig, da viele erkenntnisse zwar darauf hinweisen, dass mehr unbewusstes unsere entscheidungen beeinflusst als bisher angenommen, aber es nicht die fähigkeit, entscheidungen aufgrund der uns zur verfügung stehenden informationen in frage stellt.

so wandeln wir zwischen selbstüberschätzung und ohmacht durch unsere alltag. im biografischen schreiben können wir zumindest einen blick darauf werfen, welche ereignisse unseres lebens uns zufällig schienen und wie weit sie unsere zukunft beeinflusst haben. sicherlich erinnert man sich nur an die „großen“ zufälle, die wirklich eine bedeutung hatten. aber dies sind auch oft die momente, die unser leben spannend machen. wie weit waren wir bereit, entwicklungen in unserer lebensgeschichte dem zufall zu überlassen? wo haben wir uns besonders angestrengt, die richtung unserer entwicklung zu steuern, und wie fruchtbar oder unfruchtbar war dies? haben unsere erfahrungen mit zufall und Weiterlesen

selbstbefragung (169) – zufall

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „zufall“.

  • glauben sie an den zufall in ihrem leben?
  • wie war der grösste zufall ihres lebens? beschreiben sie.
  • welchen zufall würden sie gern herbeiführen können (obwohl es dann gar kein zufall mehr wäre)?
  • glauben sie bei der enstehung unserer welt an einen zufall oder an den determinismus? warum?
  • wie weit ist ihr verhalten zufällig?
  • haben sie schon einmal bei einer lotterie oder anderem gewonnen?
  • wie weit halten sie statistiken für zufällig?
  • wen haben sie zuletzt zufällig getroffen?
  • wen würden sie zufällig wieder treffen?
  • wie viel beachtung schenken sie ihren zufälligen gedanken? warum?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

kreatives schreiben und schicksal

in geschichten, wie im täglichen leben, sind die zufälligen ereignisse das salz in der suppe. plötzlich begegnen sich zwei mensch, passiert die katastrophe oder bekommt der dialog eine ungeahnte wendung. in den geschichten kann man die protagonistInnen den ereignisse aussetzen, denen die eigene kreativität den vorzug gibt. hier kann man die gesamte welt untergehen lassen oder eben eine alternative auf dem mars anbieten.

schreibende werden in ihren eigenen geschichten zu schicksalsboten. sie haben die macht über die geschichten. klar, psychologisch betrachtet, erklären manche schriftstellerInnen, sie würden von den geschichten geschrieben und nicht umgekehrt. und doch kann man an diversen handlungssträngen zum würfel greifen und selbst entscheiden, in welche richtung sich das geschehen entwickelt. ja, schreiben ist eben ein schöpferischer akt. und das kreative schreiben fördert die lust, diese macht der fantasie auszuschöpfen.

in gleicher weise kann man die handlungen, mit denen die protagonistInnnen (oder heldInnen) der eigenen geschichten reagieren, bestimmen. sie können sich schicksalsergeben in das geschehen einfinden oder sich widerständig gegen die ereignisse und zufälle auflehnen. sie können verschwörungstheoretische gedanken entwickeln und nicht an den zufall glauben. sie können von fügung reden und dankbar für das geschehene sein. die eigentliche entscheidung treffen die autorInnen.

und aus dieser situation ergibt sich so etwas wie verantwortung, wenn man seine texte der öffentlichkeit vorstellt. da mag es die freiheit des kreativen geben und doch gibt es auch eine moral im hintergrund. wenn texte und geschichten in menschenverachtung, hetze oder qual umschlagen und der autor, die autorin dazu schweigt, dann wird es schwierig. im hintergrund werden ereignisse und zufälle immer in eine kontext eingepasst und sei es nur, Weiterlesen

biografisches schreiben und schicksal

man kann vortrefflich darüber streiten, wie viel im eigenen leben beeinflussbar war und ist und wie viel schicksalshaft eintrat, man also nichts dagegen machen konnte. krankheit oder tod sind oft kaum zu beeinflussen, bei unfällen wäre die eigenbeteiligung zu klären, ähnlich wie beim verlust des arbeitsplatzes oder ähnlichem.

es geht immer wieder um die beeinflussbarkeit der eigenen geschicke. zur zeit liegt der gedanke im trend, dass viele aspekte unseres verhaltens, unserer handlungen und unserer gedanken genetisch bedingt sind, also eine schicksalhafte komponente haben. diese betrachtungsweise schmälert eine errungenschaft des menschen, die ihn klar vom tier unterscheidet: die fähigkeit der reflexion der eignen situation.

auch wenn mancher naturwissenschaftler der meinung ist, unser gehirn habe intuitiv schon entschieden, bevor wir anfangen zu reflektieren. doch dieser wissenschaftler muss ebenso zugeben, dass die intuitiven entscheidungen des menschen auf gemachten erfahrungen und lernprozessen, also speicherungen im gehirn basieren. also lässt sich vielleicht doch mehr an zu machenden erfahrungen bestimmen als die neurophysiologie uns erklären möchte.

davon hängt auch beim biografischen schreiben und bei der betrachtung des eigenen lebenskonzeptes ab, ob ich davon ausgehe, dass eh alles nur schicksal ist und ich es nicht ändern kann, oder ob ich glaube, Weiterlesen

selbstbefragung (132) – schicksal

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das “schicksal“.

  • was in ihrem leben war für sie schicksalhaft? beschreiben sie.
  • glauben sie an schicksal? warum?
  • wann wären sie gern selbstbestimmter?
  • in welchen momenten sind sie fatalistisch?
  • welches schicksal berührt sie zur zeit am meisten?
  • wie viele unserer handlungen sind ihrer meinung nach genetisch bedingt? warum?
  • wann ereilte sie ein glückliches schicksal?
  • welches schicksal wünschen sie ihren liebsten?
  • wann haben sie ihr schicksal gewendet? beschreiben sie.
  • welches schicksal wird die menschheit ereilen? beschreiben sie.

web 2.78 – maquina poetica

und noch ein kleiner automat für die lyrikerInnen unter ihnen. dieses mal gibt es einen mix aus der computergenerierung von lyrik, eigener beteiligung und visuellen darstellungen. um die „maquina poetica“ sinnvoll nutzen zu können, sollte man sich die vorherigen bemerkungen des entwicklers und programmierers genau durchlesen.

doch dann kann man das internet dazu nutzen, eine anregung für die erstellung eigener lyrik zu erhalten. oder man lässt sich einfach nur einen text aufgefächert verzerren, aber diese zweite variante bietet nicht viel mehr. schön ist auch der service, die generierten oder entworfenen gedichte, versenden zu können. ich persönliche bevorzuge aber die funktion, in der zufällig worte in das bild schweben, die noch nicht einmal irgendetwas lyrisches ergeben müssen.

diese schwebenden worte sind eine wunderbare anregung für weitere texte. man greift einfach nur die wörter auf, die gerade der tagesstimmung entsprechen und setzt sich an einen eigenen text oder ein gedicht. man kann natürlich auch dem computer das spiel der worte überlassen und einfach nur genießen. die seite kommt schlicht daher, hat es aber „uncreative written“ in sich. der blick lohnt, um eine ahnung davon zu bekommen, was schon vor längerer zeit mit computern alles machbar war und wie viel text im netz vorhanden ist. dazu passt es auch, dass bei der einen animation worte verwendet werden, die von nutzerInnen der seite hinzugefügt wurden. also text aus dem existierenden, vorhandenen zu remixen wird hier beinahe 1 zu 1 umgesetzt.

zu finden ist die seite „maquina poetica“ unter: http://www.maquina-poetica.net/ .

flarf des fünften tages

rss-feed spiegel-faz-sz 0911

Interne Pyrotechnik-Protokolle
an den Börsen schnell verpufft
Bei diesem Niveau
den Traum jäh zerstören

Das ist kein Bluff!
Rätselhafter Teufel
schwärmt von einem Geschenk Gottes
Seine Formkrise ist spiegelbildlich

Seltsam mutete auch eine „Verräter“-Liste an
Wir werden nicht ein Jota von unserem Weg abrücken
Übergangsbahn auf dem Weg zum Marsmond verfehlt
die für Höheres in Frage kommt

die Zeit wird knapp
Damit deutsche Schüler nicht immer dicker werden
florierende Ströme seien in Ketten gelegt
die schönsten Särge, Urnen und Grabsteine

manche Fragen sind durchaus unangenehm
die Jagd nach dem Monster der Apokalypse
Egoismus, Populismus und Oberflächlichkeit
die eigene Individualität heutzutage auch über den Tod hinaus zelebriert

aus der Angst der Menschen Profite

kreatives schreiben und zufall

manche der techniken des kreativen schreibens versuchen, eine beinah-zufällige situation in der auswahl der themen oder der schreibanregung herzustellen. schaut man sich diese vorgehensweisen genauer an, dann stellt man fest, dass der versuch dem zufall raum zu geben, grandios scheitert. irgendwo im handlungsablauf taucht immer wieder die subjektive entscheidung auf, was man als nächsten schritt machen möchte.

das bedeutet, der zufall ist nie ein wirklicher zufall. selbst wenn ich durch die strassen gehe und mir eindrücke notiere, treffe ich als schreibender in diesem moment (zum beispiel um 14.38 uhr) an diesem tag (zum beispiel, dem 09.11.2011) die entscheidung, exakt zu diesem fein-geäderten rot-gelben blatt meine assoziativen gedanken (die meiner subjektiven tagesstimmung entsprechen, die wiederum davon abhängt, ob ich mir den morgenkaffe über die hose gekippt habe oder nicht) zu notieren.

im hintergrund steht die frage, weshalb machte ich mich an diesem tag zu dieser uhrzeit auf den weg? es gibt gründe dafür, die nichts mehr mit zufall zu tun haben. so scheint der versuch, zufälliges in das kreative schreiben zu integrieren, zum scheitern verurteilt, und das un-zufällige bekommt ein großes gewicht. denkt man dies weiter, muss man zu dem schluss kommen, dass das bemühen um zufall mehr raum gibt für ein authentisches gerade-so-sein.

man hebelt mit dem versuch, dem zufall raum zu geben, einen großteil der verstellungen und literarischen strategien, die einem beim schreiben begegnen können, aus. den zufall einfangen zu wollen, stellt wiederum eine neue strategie dar, den eigenen beweggründen für das aktuelle schreiben, mehr raum zu geben, den inneren zensor ein wenig zu überlisten. somit ist damit zu rechnen, dass „un-zufällige texte“, die eigentlich dem spielerischen zufall überlassen sein sollen, das leben und die vielfalt umfassender einfangen. sie entziehen sich einem teil der ästhetischen planung und gewinnen gleichzeitig dadurch den subektiven charakter der schreibenden.

oder anders formuliert, man kann sich durch die suche nach dem zufall teilweise selbst überlisten und dem eigenen ausdruck einen freieren und stimmungsvolleren gehalt geben. es schreibt sich unbefangener, näher an einem selber, ja manchmal könnte man sogar von einem „meditativen“ charakter sprechen. die selbst gestellt aufgabe fördert die „selbstaufgabe“ 😉 . die strategie des loslassens mutiert zu einem aussagekräftigen „da-sein“.

web 2.76 – the postmodernism generator

eigentlich befinden wir uns schon in der ära der post-post-moderne, doch in den wissenschaften tummeln sich weiterhin fleissig überreste der postmoderne. die postmoderne zeichnete sich durch eine gewisse theoretische beliebigkeit aus, soll heissen „alles hat auf alles einen einfluss“ (eine böse verkürzung von seiten des autors) und verliert somit an relevanz.

so bereitete die postmoderne, die wie ein stillhalteabkommen für gesellschaftskritik klang, den boden für neoliberale und globalisierende tendenzen. es stellte sich beständig die frage, welche handlungsmöglichkeiten sich aus den theoretischen betrachtungen der postmoderne für eine humane gesellschaftsentwicklung ergeben. da die theoretischen texte in gewisser weise eklektisch wirkten, aber die begründung für diese vorgehensweise sich nicht erschloss, schienen sie auch austauschbar.

und die theoretischen annahmen schienen rekombinierbar. dies kommt einer computergenerierten, auf zufällen basierenden theorie recht nahe. warum das ganze nicht auf die spitze treiben und postmoderne theorien den computer erstellen lassen. der „postmodernism generator“ leistet dies in vortrefflicher weise. wenn man die webseite “ http://www.elsewhere.org/pomo/ “ besucht, werden einem „communications from elsewhere“ angeboten. es wird ein kurzes essay sichtbar, das sich sofort in ein neues verwandelt, wenn man die homepage neu lädt (refresh).

wer möchte, kann sich beständig neue postmoderne essays erstellen lassen, die sich vortrefflich an bekannte und verwandte versenden lassen 😀

flarf des zweiten tages

wunder und abfall

Ein kleines Wunder mitten im Müll
Ein längst aufgegebener und mit Abfall gefüllter Brunnen
mehr als nur ein blaues Wunder erleben
die Prophetie lehren

Heilige der Letzten Tage glauben an
Papier aus Bananen-Abfall
Die Natur kennt keinen Abfall
Abfall ist mit Wundern verbunden, Zeichen.

Im Winter frieren die Abfälle in Ihrer Restmülltonne fest?
Kein Wunder, denn hier kochen wir ja auch Wasser
Wie kommt der Zucker aus der Rübe?
Die Wirtschaft wirkt Wunder

Entdeckungen bis hin zu Tier- oder Menschenleichen
Das tödliche Wunder
Defektes Wunder.
Müll gibt es, seit es Menschen gibt.
Rentnerblog: 1 Million Jahre? Wohl kaum!
Regenwurmspiel

Kein Wunder, dass in so einem Chaos leicht etwas verlorengeht

schreibidee (321)

auch die schreibidee soll dieses mal im zeichen der un-woche des uncreative writing stehen. nutzen sie den text, der schon in der welt ist, um neuen text zu remixen und gestalten. dabei können sie auf verschiedene formen zurückgreifen, um „analog- und digital-flarf“ zu verfassen.

als einstieg in der schreibgruppe werden informationen und texte gesammelt. alle teilnehmerInnen werden aufgefordert mindestens eine tageszeitung und drei bücher mitzubringen. diese textlieferanten werde zusammengetragen. nun wählen sich zu beginn die teilnehmerInnen eine tageszeitung aus. die zeitung wird von oben links nach unten rechts seite für seite durchgearbeitet. im vorfeld sollte festgelegt werden, wie viele sätze, zeilen oder begriffe den zeitungen entnommen werden.

nun wird aus jedem artikel der zeitung eine zeile, ein wort, ein satz oder halbsatz notiert. bei der auswahl kann man entweder beliebig vorgehen und mit geschlossenen augen auf eine stelle tippen oder man wählt nach vorliebe aus. die auszüge werden untereinander auf ein blatt geschrieben. wenn die vorgegebene zahl erreicht ist, setzen sie die teilnehmerInnen daran, die notierten worte und sätze in einen für sie schlüssigen zusammenhang zu bringen. daraus kann entweder ein neuer text, ein gedicht oder ein artikel werden. die neuen texte werden in der schreibgruppe vorgetragen.

ähnliches geschieht mit den büchern, aber hier soll der zufall eine noch größere rolle spielen. dazu wählen alle teilnehmerInnen für sich eine seitenzahl. dies kann ihr geburtstag sein oder ihre lieblingszahl, ganz gleich wie sie wollen. nun werden in beliebiger reihenfolge die seiten entsprechend der gewählten seitenzahl in den büchern aufgeschlagen. der erste satz der seite wird notiert (man kann auch vorgeben, dass der zweite oder dritte oder … satz notiert wird). sind alle bücher verwendet worden, wird ebenfalls aus den notierten sätzen ein neuer text entworfen, der in der schreibgruppe vorgetragen wird. solche analogen flarfs zu schreiben kann in vielfältigen anderen formen durchgeführt werden.

zum abschluss sollte man sich den digitalen flarfs zuwenden. am besten wäre es, wenn alle teilnehmerInnen einen computer für sich zur verfügung hätten, der einen internetzugang besitzt. dann kann man eine suchmaschine nutzen, um zu den selbstgewählten suchbegriffen aus den ergebnissen text für einen digitalen flarf zu ziehen. dies kann man aber auch als gruppenaufgabe mit computer und beamer in einer schreibgruppe bewerkstelligen. dazu werden im vorfeld abstimmungen zu den suchbegriffen durchgeführt, anschließend werden diese in eine suchmaschine eingegeben und alle teilnehmerInnen wählen für sich aus den suchergebnissen sätze oder wörter aus. auch aus diesen ergebnissen wird wieder ein flarf erstellt.

ganz am ende des schreibgruppentreffens wird darüber diskutiert, inwieweit es sich bei dieser vorgehensweise um eine kreative technik handelt oder nicht, ist es doch eine form des „zufälligen“ collagierens.

was ist flarf?

flarf ist der versuch, dem (hauptsächlich digitalen) zufall, spielraum zu geben und ihn für neues zu verwenden. es geht gerade nicht darum, ein konzept beim schreiben von poesie zu verfolgen. irgendwie ist es eine anlehnung an den dadaismus, aber nicht darauf angelegt, dinge zu verfremden. sondern es werden dinge (also texte) verwendet, wie sie erscheinen. dies kann man ein wenig mit dem collagieren vergleichen, das in der malerei schon lange seinen platz hat. in der musik ist es das remixen, das dem flarf nahekommt.

ende des letzten jahrzehnts kam die poetische bewegung des flarf in den usa auf. und sofort wurde das internet als textualer lieferant für die flarfs benutzt. denn die rechenleistungen der suchmaschinen bieten eine reichhaltige auswahl an text. sie mag bei der suche nach informationen ein sinnvolles ranking anbieten. bei der beliebigen, ja zufälligen eingabe von suchbegriffen aber eher zufällige antworten liefern. aus diesen ergebnissen werden mit copy & paste kleine ansammlungen von text geschaffen, die zu einem neuen lyrischen werk mutieren können.

das google sculpting stellt die hauptgrundlage des flarf dar. letztendlich wird auf vorhandenem, also kaum kreativem, neues geschaffen, und im hintergrund findet die kreativität ihren platz. der prozess des schreibens wird das spannende, die suche nach gerade eingefallenem. jim murdoch erklärt auf dieser seite flarf: http://jim-murdoch.blogspot.com/2011/09/how-to-write-flarf.html . so basiert mein „flarf des ersten tages“ auf der google-eingabe „herbst + sonne“. sollte jemand den bedarf haben, eigene flarfs zu veröffentlichen, können diese gern an mich gesendet werden und ich stelle sie in den blog.

es lohnt dieser bewegung mehr raum zu geben, da sie die möglichkeiten des webs für das schreiben besser ausschöpft als viele andere textsammlungen.

wortklauberei (86)

„un-möglich“

viel ist möglich, un-mengen sind möglich, wenn man meint, es sei etwas un-möglich. oder doch nicht? wie ist der ausruf „nicht möglich?!“ denn sonst zu verstehen? möglich birgt in sich schon eine alternative, einen blick in die zukunft. es ist etwas dann möglich, wenn es vorstellbar, vielleicht umsetzbar aber noch nicht real erprobt ist. „nicht-möglich“ ist es, wenn es sich nicht umsetzen lässt. doch man weiß nicht genau, woran die möglichkeit scheiterte. an der vorstellungskraft oder an den voraussetzungen.

die vorstellungskraft ist ein weites feld, wenn sie nicht engstirnig begrenzt wird. und dann schein wieder viel mehr möglich als bis dahin vorstellbar war. die un-möglichkeit kann also ein ausdruck vieler (schwer) vorstellbarer möglichkeiten sein. wenn un-summen zur stützung des finanzsystems un-bedarft weitergegeben werden, dann scheint un-weit eine rettung (nicht) un-möglich. leider kann sich das „un-“ nicht gut (un-gut) entscheiden in welche richtung es tendiert. das macht es bei seiner verwendung beinahe un-möglich, sich den ausgang der handlung vorzustellen, noch zu ahnen. es kann gut gehen oder auch nicht.

diese form der beliebigkeit lässt einen un-gläubig gegenüber der realität werden und in einer fatalistischen haltung verharren. denn der zufall oder das schicksal übernehmen die regie, der mensch scheint un-bedarft und un-sicher. vielleicht sollte „un-“ zum unwort des jahres gemacht werden? was macht dann aber „un“-na?

die „un-„woche im schreibschrift-blog

es wird nicht um die vereinten nationen in der folgend woche in diesem blog gehen. es wird um das schlichte wortanhängsel, besser um den einfachen wort-vorsteher „un-“ gehen. denn diese vorsilbe hat es in sich. getreu dem motto „nichts ist unmöglich“ bedeutet „un-“ nicht „nichts“. alles klar?

klassisches beispiel, das schon mein deutschlehrer feierte, ist die so genannte „(un-)tiefe“. ist dies nun eine sehr tiefe tiefe oder ist dies eigentlich gar keine tiefe sondern eher eine anhöhe? vielleicht ist es auch nur eine geringe tiefe. hier wird die deutsche sprache „un-„eindeutig und verführt zu gedankenspielen. doch nicht nur im deutschen ist dies der fall.

eigentlicher auslöser für die „un-„woche ist das buch „uncreative writing“ von kenneth goldsmith. er fragt, was das internet und die digitale revolution uns an die hand geben und wie weit sie unser schreiben verändern. viel neues und vielfältiges, also eine „un-„menge an spielarten des schreiben, die nichts mehr mit dem kreativen schreiben zu tun haben. doch auch hier taucht der gedanke auf, dass „un-„creative writing nicht nicht-kreatives schreiben sei.

es kann vielmehr ein raum des schreibens entstehen, der in anderen bereichen der kunst längst besetzt und umgesetzt ist – dem remixen, dem neu kombinieren. dabei wird dem zufall, der vermischung und der verknüpfung von plagiaten eine bedeutung gegeben. getreu dem motto „context is the new content“ haben wir schon längst unser schreiben und auch unser lesen verändert. der blick auf die möglichkeiten und nicht auf den inhalt verändert unser denken. manchen scheint dies „un-„erträglich, aber vielleicht ist es auch eine chance in ganz andere regionen.

darum die „un-„woche der beliebigkeit, der re-kombination und der spielerei im schreibschrift-blog. und am ende vielleicht die frage, ob nicht etwas neben dem kreativen schreiben schon längst platz genommen hat.

schreibidee (319)

trotz der digitalisierung beinahe der ganzen welt, gibt es neben dem prinzip des flaschenzugs noch eine zweite entdeckung und konstruktion, die im hintergrund in vielen bereichen ihre arbeit macht. das prinzip des zahnrades. ein rad greift ins andere oder verhakt sich in einer kette, um etwas zu bewegen, zu beschleunigen und rund laufen zu lassen. schaut man sich unser soziales miteinander an, dann läuft erstaunlich viel ineinander und verzahnt sich mit anderem (auch wenn dies manchmal chaotisch erscheinen mag). also eine schreibanregung zu „zahnradgeschichten„.

bastelstunde für die schreibgruppenleitung. dieses mal sollten im vorfeld zahnräder aus stabilem papier oder pappe gefertigt werden. für alle teilnehmerInnen jeweils mehrere zahnräder. je nach aufbau der schreibübungen in der gruppe, kann man kleine und große, viele und wenige zahnräder variieren. nur der abstand der zähne sollte so sein, dass die räder ineinander greifen können. nun kann man sich ein thema für das schreibgruppentreffen überlegen und alles bereitlegen.

zu beginn werden die teilnehmerInnen aufgefordert, die zähne ihrer räder mit wörtern zu beschriften – pro zahn ein wort, eine assoziation zum thema. und jetzt kann variiert werden. entweder verzahnen zwei teilnehmerInnen oder mehr ihre zahnräder ineinander. dort wo die zähne sich ineinander verhaken, dort wird begonnen, die wörter (wechselnd zwischen rad eins und zwei) aufzugreifen und zum beispiel eine geschichte zu schreiben, einen dialog, der pro aussage ein neues wort aufgreift oder vieles mehr.

spannender wird es natürlich, wenn mehrere zahnräder ineinander greifen, wenn große und kleine räder miteinander laufen. immer an den stellen, an denen die zahnräder sich verzahnen, wird eine schreibaufgabe gestellt. und in einem bestimmten zeitintervall werden die ineinander verhakten räder auf dem tisch weitergedreht, stehen neue assoziationen zur verfügung.
man kann noch einen schritt weitergehen. es werden nicht nur einzelne wörter pro zahn notiert, sondern ganze sätze. man kann zum beispiel von der zahnmitte ausgehend linien zu den jeweiligen zähnen wie speichen ziehen. auf den linien werden die sätze notiert. und nun entstehen geschichten, wenn die zahnräder ineinander greifen, indem einfach die aufeinanderfolgenden sätze notiert werden.

vielleicht entstehen aus all diesen verzahnungen surrealistische oder nonsenstexte, vielleicht aber auch zufällig schlüssige geschichten. die variationsbreite dieser schreibanregung ist enorm. so enorm wie eine die kompexität einer schweizer armbanduhr mit ihren vielen kleinen zahnrädern, die ineinander greifen. eine anregung, um kollaboratives schreiben zu fördern.