schreibpädagogik und bürokratie

der mensch ist ein aufreger. gern regt man sich entweder über mitmenschen oder über institutionen auf und teilt dies anderen menschen mit. diese grundlagen der kommunikation werden nur noch von den berichten über persönliche krankheiten und von der wetterlage übertroffen. in schreibgruppen kann man diesen mitteilungsbedarf aufgreifen.

so kann man sich den erlebnissen mit bürokratischen abläufen oder in service-wüsten mit schreibanregungen zuwenden. was haben die teilnehmerInnen jeweils erlebt? lässt sich dies in geschichten packen? (so hat zum beispiel die süddeutsche zeitung das thema aufgegriffen und eine extra-homepage zu zugverspätungen eingerichtet. siehe: http://www.sueddeutsche.de/thema/Bahn-Verspätungen .) man kann dem amt-wutbürger spielraum für seine frustrationen und ohnmacht geben.

ein wenig besteht die gefahr, dass sich die stimmung in allgemeinen empörungen hochschaukelt, und für die hinter den abläufen steckenden menschen kein verständnis mehr besteht. darum sollte man beim thema „bürokratie“ mit schreibgruppen ruhig auch mal einen perspektivwechsel vornehmen. wie würde man selber auf menschen reagieren, die schon von anfang an mit schlechter laune ihren bürgerlichen pflichten nachkommen müssen? wie verhält man sich im laufe der zeit, wenn man bei seiner arbeit stetig die fehler der politik ausbaden muss?

und man kann in die eigene schreibgruppe schauen. man kann sich fragen, wie weit die eigene organisation und durchführung bürokratische formen angenommen hat. wie gern werden neue teilnehmerInnen aufgenommen? was passiert, wenn das interesse der gruppe von der eigenen planung abweicht? welchen umgang findet man mit teilnehmerInnen, die man selber anstregend empfindet? bleibt man freundlich und gelassen?

zudem kann man die teilnehmerInnen darüber schreiben lassen, an welchen punkten sie die bürokratie in ihr eigenes leben tragen. über welches ungeregeltes, undiszipliniertes verhalten echauffieren sie sich und fordern verstärkte reglements? wann fangen sie an, alles schriftlich haben zu wollen? gibt es momente, in denen die eigene position nur eine sehr umständliche lösung zulässt? diese selbstbetrachtung kann auch in schreibgruppen eventuell eine menge zu tage fördern und man kann sich in der gruppe die frage stellen, wie weit wir menschen generell zu einer bürokratisierung unseres lebens beitragen. vielleicht haben ja die erbsenzähler und sammler und nicht die jäger in der evolution gewonnen 😉

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s