Tagesarchiv: 15. November 2011

schreibidee (323)

wer schreibt, liest meist auch eine ganze menge. mancher nutzt die bibliothek, aber weiterhin werden viele bücher in deutschland verkauft. wer viel liest, kennt seine bücher im laufe der zeit und wird ihnen eventuell etwas überdrüssig. also ändern! da gibt es die flohmarkt-variante oder wie in dieser schreibanregung, das „buch-relaunch„. hierbei wird das buch, werden die bücher wieder eingeführt, aber eben runderneuert.

als einstieg werden bücher an die schreibgruppenteilnehmerInnen verteilt oder im vorfeld wurden die teilnehmerInnen aufgefordert, eigene bücher mitzubringen. den büchern werden möglichst die umschläge mit den klappentexten entfernt. wenn alle jeweils ein buch erhalten haben, dann notieren sie sich als erstes assoziationen zu dem titel des jeweilgen buches, das sie in händen halten. (es macht sinn, eher ausgefallene bücher zu wählen, die eben nicht mehr zur hand genommen wurden, da sie überdrüssig wurden).

nach der kurzen assoziationsübung freier wahl, wird eine kleine inhaltsangabe (keine inhaltsverzeichnis) zu dem buch verfasst. hier können die teilnehmerInnen ihrer fantasie freien lauf lassen, einzige orientierung ist der titel. das buch wird als relaunched, salopp geschrieben, es wird neu erfunden. die inhaltsangabe sollte von ihrer länge her, gut auf den buchumschlag passen. man kann, wenn man möchte auch noch ein paar fiktive zitate aus kritiken verfassen, die sich ja auch oft auf der außenseite der bücher befinden.

im nächsten schritt wird es zeit, sich dem autor oder der autorin des buches zu zu wenden. dafür muss eine vita erstellt werden (hier hilft ebenso die unbekanntheit der autorInnen). die gruppenteilnehmerInnen werden aufgefordert, das leben der autorInnen in ihrer fantasie entstehen zu lassen. was prädistiniert die verfasserInnen, eben dieses buch geschrieben zu haben?

anschließend wird in der schreibgruppe gebastelt. mit stift und schere (und natürlich papier) werden neue umschläge für das buch entworfen. diese sollten sich an den entworfenen klappentexten und lebenläufen orientieren und nicht am inhalt des buches. wenn alles fertiggestellt ist, werden die bücher mit den entworfenen texten in der schreibgruppe vorgestellt. es gibt eine feedbackrunde.

zum abschluss kann nun entweder in den büchern geblättert und der reale text mit der neu gestalteten beschreibung verglichen werden, oder es wird angefangen, einfach das buch neu zu schreiben 😀 . Das wäre dann ein vollständiges relaunch. aber so weit muss man nicht gehen. die besitzerInnen der bücher können entscheiden, welche variante sie bevorzugen und ob sie dadurch ihr bücherregal erfrischen möchten.

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wortklauberei (88)

„auf der grundlage eines festen kompasses“ (a. merkel)

es ist bundesparteitag und da werden reden geschwungen. reden wie keulen, die unsichere überzeugen und andere in ihrer haltung bestärken sollen. dabei gibt es dann reden, bei denen kaum jemand zuhört und reden, die von beinahe jedem fernsehsender zitiert oder übertragen wird. und so hielt gestern auf dem bundesparteitag a. merkel ihre große rede, die alle zitierten. schade nur, dass die ard einen ausschnitt der rede in der tagesschau zitierte, der missverständlich ist.

da verkündete die kanzlerin, man treffe seine entscheidungen und handlungen „auf der grundlage eines festen kompasses„. wer das prinzip des kompasses gerade vor augen hat, der muss zu dem schluss kommen, dass damit „starrsinn“ gemeint ist. denn man kann zwar einen kompass befestigen, aber wieder die nadel, die den weg weist, die sollte alles andere als fest sein. das gibt gerade in der heutigen zeit natürlich zu denken.

ist nur der kompass befestigt am schiff bundesrepublik und selbst bei starkem wellengang findet die kapitänin den weg? so war es wahrscheinlich gemeint. oder aber, und das ist auch nicht ganz unwahrscheinlich, jemand hat sich einen scherz erlaubt und die kompassnadel festgeklebt. dann findet man sich zwar unerschütterlich auf dem weg, doch der führt eher ins nirwana, denn an den richtigen ort.

was leider auch nicht von der chefin mitgeteilt wurde, wohin man denn nun mit dem befestigten kompass schippert, ob nach osten, westen, süden oder norden. also ich wäre ja für norden, schon allein wegen dem klimawandel. da wäre es ein wenig kühler und die sozialsysteme sind auch fortschrittlicher und menschenfreundlicher. aber das ist ein ganz anderes thema. vielleicht sollte erst mal wieder jemand den kompass in die hand nehmen und los machen.