wortklauberei (67)

stumpfsinn

blicke in die welt, leere blicke, emotionslose blicke. wie ein radargerät auf dem schiff wird einmal rundum geblickt, aber es folgt nichts. die feinen antennen sind sind verschwunden. ob abgehackt oder abgefallen, keiner kann es sagen. nur noch ein stumpf ist übrig. er nimmt etwas wahr. aber man muss sich das wie einen blick durch milchiges panzerglas vorstellen. der stumpfsinn nimmt nur schwache, rauschende bilder wahr. und reagiert dementsprechend zurückhaltend.

doch wie wird etwas (zum) stumpf. wir haben das schöne wort „abstumpfen“. wenn ich in zwei stunden hundert mal das gleiche gruselige bild sehe, die gleichen ätzenden geräusche höre oder die gleiche unangenehme berührung spüre, dann ignoriere ich diese beeinträchtigung irgendwann. ich kann sie ausklammern, mein gehirn hilft mir dabei. ich stumpfe ab. und ich kann allen anfeindungen von außen gegenüber abstumpfen.

das bedeutet nicht, dass ich sie nicht wahrnehme. das bedeutet auch nicht, dass sie in meinen tiefen in mir wühlen, die schlimmen wahrnehmungen. aber ich ziehe mich in mein emotionales schneckenhaus zurück und blicke stumpfsinnig in die welt. ich reagiere nicht mehr. renne weder weg, noch lehne ich mich dagegen auf. und so blickt die welt auf eine argumentationskette einer nachrichtenlage und lässt sich von experten erklären, dass keine großen gefahren bestehen. eigentlich bestehen nie große gefahren.

es gibt nur „neue erkenntnisse“. tja, wieso sind die „neu“? wenn die kenntnisse vorher nicht wahrgenommen wurden, dann deutet dies auf einen stumpf hin. denn andere haben sie wahrgenommen. und nicht wenige haben sie wahrgenommen. haben sogar forderungen aus den kenntnissen abgeleitet. man möchte ja nichts unterstellen, also nicht vermuten, dass eingeschränkte wahrnehmung vorherrscht. aber wenn dann in zwei sätzen zehn mal das wort „sicherheit“ auftaucht, dann fängt man an, abzustumpfen. man nimmt es nicht mehr wahr, dass die neuen kenntnisse zu einem umdenken geführt haben könnten. denn schon immer befand sich das wort „sicherheit“ zigfach im diskursgebrauch. die welt führt uns gerade vor, dass es diese sicherheit nicht gibt.

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