Tagesarchiv: 19. März 2011

schreibidee (227)

der mensch sei des menschen wolf, sagen die menschen, die häufig der anderen menschen wolf sind. „die welt an sich ist böse!“ tröstet über erlittene verletzungen und schlimme erfahrungen hinweg. und ja, es gibt sie, die bösartigen menschen, die das befinden der anderen aus den augen verloren haben, die gefühllos auf furcht und angst anderer reagieren. da es in den schreibanregungen oft so nett zu geht, ist es an der zeit, einmal zu „boshaften geschichten“ aufzufordern.

am anfang notieren alle schreibgruppenteilnehmerInnen mit wenigen worten fünf verschiedene boshaftigkeiten jeweils auf einen zettel. alle zettel werden zusammengefaltet in einem gefäß gesammelt. nun ziehen alle teilnehmerInnen jeweils drei zettel aus dem gefäß. und im anschluss verfassen sie zu jeder boshaftigkeit eine kurz-kurz-geschichte, die den bösen charakter wiedergibt. in diesen geschichten dürfen schurken, despoten oder auch nur gefühlskalte typen auftauchen. diese kurz-kurz-geschichten werden vorgelesen.

dann ziehen alle teilnehmerInnen noch jeweils zwei zettel dazu. so hat nun jeder fünf boshaftigen vor sich liegen. aufgrund der boshaftigen entwickeln die schreibenden einen einzelnen charakter, also protagonisten, von dem sie auf einer seite ein psychogramm notieren. wie tickt ihr bösewicht? was ist seine hintergrundgeschichte? nachdem der protagonist gefunden ist, wird nun eine längere geschichte verfasst, in der der anti-held seine boshaftigkeiten auch umsetzt. diese geschichten werden in der schreibgruppe vorgelesen und es findet eine feedbackrunde statt.

da aber das „böse“ in der welt ja nicht siegen soll und wir alle so lieb sind, werden zum abschluss der schreibgruppe noch rezepte verfasst. in der art eines kochrezeptes soll ein rezept für den „superhelden“, die „superheldin“ verfasst werden, wie das „böse“ und die boshaftigkeit in der welt besiegt werden kann. zum abschied werden diese rezepte noch in der schreibgruppe vorgetragen, damit alle heldenhaft nach hause finden.

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schreibidee (226)

menschen sind traurig, wenn ihnen schlechtes widerfährt oder träume und wünsche nicht in erfüllung gehen. sie spüren einen schmerz in der seele, der sich in schreie, in weinen oder in flucht verwandeln kann. andere menschen fühlen in solchen momenten gern mit, sehr viel stärker als in positiven situationen. darum finden vor allen dingen auch die filme anklang, die zu tränen rühren. doch was rührt zu tränen? dies kann in dieser schreibidee in form von „traurigen texten“ ausprobiert werden.

am anfang notieren alle schreibgruppenteilnehmerInnen für sich, wann sie das letzte mal geweint haben. was war passiert, was brachte sie den tränen nahe? anschließend werden am flipchart auslöser für traurigkeit gesammelt. was macht traurig? zum beispiel ein ölverschmiertes wasservogelküken das sich über den meeresstrand schleppt und immer wieder von wellen mitgerissen wird. oder menschen, die sich gerade nach langer odyssee gefunden haben und nun wegen unveränderlicher umstände wieder voneinander lassen müssen.

alle teilnehmerInnen wählen sich jeweils einen traurigkeitsauslöser aus und schreiben eine kurze geschichte dazu (maximal zwei seiten). es soll darauf geachtet werden, den traurigen moment zu verlängern, voll auszukosten, ihm nicht auszuweichen beim beschreiben. die traurigen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen.

nun sind alle in der richtigen stimmung, eine wirklich traurige, längere geschichte zu schreiben. woran sich die traurigkeit festmacht, bleibt den schreibenden überlassen. damit eine geschichte wirklich traurig wird, liegt beim schreiben, im gegensatz zum film, vor allen dingen in der wortwahl. wenn das kleine hoppelhäschen plötzlich in die eisenfalle gerät und mit seinen langen ohren in unerbittlichen stählernen zähnen festhängt, dann wird die geschichte nicht dadurch trauriger, dass das häschen weint, sondern, dass es verzweifelt zappelt und vom schmerz überwältigt wird. die schreibenden müssen es zappeln lassen bis es erschöpft zu boden sinkt und der fuchs plötzlich vor ihm steht 😦 .

die texte werden anschließend vorgetragen und wie in der vorherigen schreibidee ob ihrer traurigkeit bewertet. wie stark wurde die tränendrüse gereizt beim hören der geschichte? zum schluss wird eine runde papiertaschentücher ausgegeben.

schreibidee (225)

was ist lustig? das ist geschmacksache. irgendwo hat das wort mit „lust“ zu tun, lust auf lachen, kurz davor sein, ein kitzeln in der magengrube, ein glucksen im hals verspürend, amüsiert man sich ob des geschehenen. lustig hat etwas possierliches im gegensatz zu jedem humorvollen kracher, zum schenkelklopfer. lustig sind hunde in röckchen, die auf ihren hinterpfoten tanzen. lustig ist der mann, der sich nach einer tollen frau umschaut und dabei gegen den laternenpfahl läuft. also eine schreibanregung zu „lustigen geschichten„.

der einstieg in die schreibanregung ist dieses mal eine mündliche angelegenheit. alle schreibgruppenteilnehmerInnen werden vor dem treffen aufgefordert ihren lieblingswitz rauszusuchen. es findet zu beginn eine runde des witze erzählens statt. jede(r) gibt seinen besten witz zu gehör. dabei wird schon auffallen, dass auch das erzählen eines witzes gelernt sein will. aus der runde heraus soll der versuch unternommen werden, selber einen witz zu kreieren.

dabei kann man im vorfeld gemeinsam darüber nachdenken, was witze ausmacht. diese lustigen kurz-kurz-geschichten basieren oft auf ähnliche mechanismen. es gibt die wiederholungen, es gibt die missverständnisse, vor allen dingen die wortspiele und die sich steigernden vergleiche (treffen sich eine maus, ein löwe und ein elefant…). es gibt fein- und grobschlächtiges, teilweise werden dabei tabus verletzt, die sonst kaum thematisiert werden können.
der anspruch der kleinen übung sind keine superwitze, es soll nur der versuch unternommen werden, eigene kombinationen mit humor zu verbinden. die witze werden anschließend vorgetragen.

dann erstellen alle teilnehmerInnen der schreibgruppe eine liste mit fünf lustigen situationen, die sie einmal erlebt haben. jede begebenheit wird in ein paar sätzen beschrieben. manchmal genügen schlagfertige aussagen, ein andermal bedarf es einer etwas längeren beschreibung. die situationen werden nicht vorgestellt. die teilnehmerInnen wählen ihre liebste situation aus.

aus dieser situation wird nun eine längere geschichte geschrieben. handelte es sich um einen dialog, kann dieser in eine begebenheit eingebettet und fortgeführt werden. handelte es sich um ein skurriles ereignis, kann es weitergesponnen und in eine kurz-kurz-komödie überführt werden. es gibt keine vorgaben. einzige forderung ist es, dass die schreibenden ihre geschichte selber lustig finden. die geschichten werden anschließen vorgetragen und da kein applaus-o-meter vorhanden ist, wird eine bewertung abgegeben, wie lustig die geschichte gefunden wurde.
zum abschluss können weiter witze erzählt werden. trifft ein breitmaulfrosch einen storch …