web 2.0 und vertrauen

vertrauen in der virtuellen welt ist eine äußerst komplizierte angelegenheit. der grund ist einfach: die welt ist virtuell, sie ist nicht real, sie ist halbanonym, sie ist distanziert, sie ist verführerisch. so schwanken menschen häufig zwischen den zwei extremen, alles von sich preiszugeben (also einen enormen vertrauensvorschuss zu geben) oder gar nicht preiszugeben (also pures misstrauen zu empfinden).

gerade den vertrauensvorschuss, den man dem web und den sozialen netzwerken geben möchte, sollte man nicht ungeprüft zur verfügung stellen. es macht sinn, bevor man im netz etwas veröffentlicht, sich zu überlegen, was das schlimmste sein kann, das einem aufgrund des geschriebenen passieren kann. denn es gibt sie, die menschen, die nichts anderes suchen, als einen ausrutscher, als private und intime daten, um all dies gegen einen zu wenden. das muss nicht sein, viele kommunikationen und veröffentlichungen gehen gut. es kann aber sein.

doch man tut sich keinen gefallen, die angebote des netzes überhaupt nicht zu nutzen. abgesehen davon, dass sich viele berufliche tätigkeiten und angebote nur noch über das internet und web 2.0 erledigen lassen, ist auch die reichhaltigkeit des internets eine chance. gut, fragwürdig bleibt es, welchen vorteil es haben sollte, dass einen menschen in sozialen netzwerken zu freunden erklären, obwohl man sie nicht kennt. hier entsteht ein skurriler wettbewerb. aber die kommunikation mit menschen, die ähnliche interessen haben, wie man selber, das kann sehr bereichernd für das eigene leben sein.

der „longtail“ des netzes ermöglicht es, auch in interessens-nischen gleichgesinnte zu finden. wozu man früher telefonieren oder weite reisen benötigte, dafür genügt heute die anmeldung im internet. suchmaschinen bieten einem immer schneller die passenden ergebnisse. doch selbst solche interessensgruppen müssen geprüft werden. denn auch sie finden sich in einem halbanonymen feld wieder. auch hier weiß man nie genau, ob etliche kommunikationspartner nicht ganz andere interessen verfolgen, nämlich zum beispiel persönliche daten zu phishen. doch scheint einem die situation einmal geklärt, lässt sich locker und zeitungebunden miteinander kommunizieren und austauschen.

und man sollte die relationen nicht aus den augen verlieren. wenn man sich anschaut, wie viel im netz kommuniziert wird und wenn man sich anschaut, wie viel betrügereien und vertrauensmissbrauchende aktionen stattfinden, dann steht das web 2.0 gar nicht so schlecht da. problematischer gestaltet sich der umgang von regierenden und mächtigen mit dem netz. der datenschutz hinkt der technischen entwicklung hinterher. auch bei vertrauensvorschuss sollte man immer im hinterkopf haben, dass man nicht weiß, wer noch alles die geführte kommunikation mitlesen kann und mitliest. nachrichten aus autoritären ländern über repressalien gegenüber menschen, die die mächtigen im internet kritisieren, stellen nur die spitze des eisbergs dar. auch in demokratien werden kommunikationen zwischen menschen gespeichert und dies allemal häufiger als am telefon.

denn von seite der regierenden herrscht eine andere haltung dem vertrauen gegenüber. eigentlich handeln alle nach dem motto: vertrauen ist gut, kontrolle ist besser. da war früher der klatsch und tratsch auf dem marktplatz eine viel entspannenderer möglichkeit als heute der klatsch und tratsch an sozialen tummelplätzen. das zeigt, dass der vertrauensvorschuss bei den meisten menschen nicht sehr groß ausfällt. aber das schadet nicht, scheint sogar eher vernünftig.

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