web 2.0 und globalisierung der affekte

 

der affekt ist eine emotion oder ein gefühlsausbruch. da wundert es nicht, dass dieser durch das internet sowohl verbreitet als auch verstärkt werden kann. der französische philosoph paul virilio spricht in diesem zusammenhang von der „globalisierung der affekte in echtzeit“. dabei bezieht er sich nicht nur auf das internet, sondern vor allen dingen auch auf das fernsehen.

mir scheint da etwas dran zu sein. die weltengemeinschaft ist inzwischen so vernetzt, dass katastrophen, kriege oder andere emotionen auslösende ereignisse für jeden von zuhause aus abrufbar werden. selbst wenn im fernsehen gerade noch die faschingssendung gezeigt wird, habe ich die möglichkeit, mir über das internet die aktuellen ereignisse ins wohnzimmer zu holen. wer kabelfernsehen hat, schaltet noch „cnn“ dazu und schon ist man live dabei, wenn wirbelstürme über das land toben, bomben gerade explodiert sind oder ganze regionen abbrennen. unterfüttern kann man das ganze zusätzlich mit augenzeugenberichten, die „getwittert“ werden. so geschehen bei den terroristenanschlägen in bombay (mumbai).

indien ist ja doch eine ganze ecke weg, sekunden nach den anschlägen twitterten die ersten aus den hotels und der stadt. nachrichtenagenturen und cnn wiederum beriefen sich auf die getwitterten berichte, bis sie erste bilder hatten. auch dies lässt sich inzwischen leicht mit einer handy-kamera bewerkstelligen. alle menschen informieren alle. klingt erst einmal gar nicht so schlecht. die bevölkerung ist schneller als die macht. die macht (regierungen oder herrscher) brauchen länger für eine reaktion, da sie die gleichen kommunikationsmittel verwenden, wenn auch vielleicht über andere kanäle. doch auch mächtige können die echtzeit nicht unterbieten.

aber dies kann auch ein nachteil sein. man kann sich noch so sehr über die existierenden regierungsformen echauffieren, trotz allem bietet ihre diplomatie immer noch die chance, zurückhaltender zu reagieren. verbreiten sich aber affekte weltweit in windeseile, dann ist eine reaktion nicht mehr zu steuern. dies ist dann von vorteil, wenn nicht angst und schrecken die reaktionen der menschen bestimmen. doch ist das der fall, dann können viele menschen zusammen recht unberechenbar agieren und emotionen „hochkochen“. das web 2.0 ist dafür zumindest der perfekte wegbereiter. doch auf der anderen seite bietet das netz auch die möglichkeit, informationen aus verschiedenen quellen zu erhalten. die folge: früher verfügten die macht über die informationshoheit, heute oft über die informationswege.

und es stellt sich die frage: möchte ich eigentlich alle katastrophen aus der ganzen welt in echtzeit miterleben?

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