social software und nutzungsbestimmungen

 

da, wie im vorigen post berichtet, bei der social software die gefahr größer ist, dass kommunikation aus dem ruder laufen kann, versuchen die anbieter von plattformen dieser software, durch ihre nutzungsbestimmungen, missverständnissen und übergriffigkeiten vorzubauen. wenn man sich diese bestimmungen genauer betrachtet, handelt es sich dabei inzwischen um moralkataloge, die der freiheit des webs extrem widersprechen.

so formuliert studivz zum beispiel: „nachrichten sind von nutzern vertraulich zu behandeln. sie dürfen nur mit ausdrücklicher zustimmung des absenders dritten zugänglich gemacht werden.“ in diesem moment verschiebt sich etwas, das erstaunlich und dann eigentlich zu weit geht. wenn ich briefe nach hause gesendet bekomme, sind sie ab diesem moment in meinen besitz übergegangen. ich kann sie verbrennen, sie zurückschicken oder auch anderen zu lesen geben. das mag zwar dem absender gegenüber ein vertrauensbruch sein, aber er hat mir den brief ausgehändigt. bei studivz versucht nun ein anbieter mir in meine privatsphäre hinein zu bestimmen. hier wird eine beinahe öffentliche plattform zu einem beichtverhältnis oder einer rechtsberatung umfunktioniert.

begonnen wird der verhaltenskodex mit einer durch und durch pädagogischen formulierung: „eigentlich eine selbstverständlichkeit, aber man muss immer wieder sagen: eine respektvolle Ausdrucksweise und ein höflicher umgang miteinander gehören zu den grundlagen in unserem netzwerk.“. das ist wie bei mutti und vati zuhause: solange du bei uns die füße unter den tisch stellst, hast du… es mutet skurril an, dass eine durch und durch auf klatsch und tratsch aufbauende plattform, gleichzeitig die grundlagen solcher kommunikation unterbinden möchte.

noch weiter geht facebook. deren nutzungsbedingungen umfassen ausgedruckt alleine mindestens zehn din a4 seiten und formuliert dort: „inhalte hochzuladen…, die wir als schädlich, bedrohlich, gesetzwidrig, diffamierend, verletzend, missbräuchlich, aufrührerisch, schikanierend, vulgär, obszön, betrügerisch, als verletzung der privatsphäre… betrachten…“. wahnsinn, welche ansammlung von worthülsen, die reine auslegungssache sind. die kontroll- und moralinstanz bündelt sich in dem wort „wir“. nun, was würde man sagen, wenn einem ein hotel mitteilen würde: „sollten sie ihre beziehungspartnerin, ihren beziehungspartner, verbal verletzen oder diffamieren oder sollten sie vulgäre und obszöne worte in ihrem zimmer gebrauchen, behalten wir uns vor, sie des hauses zu verweisen.“? in diesen momenten werden keine sozialen absprachen mehr getroffen, sondern es wird reglementiert auf teufel komm raus, dabei sind wir im netz alles andere, als eine große familie.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s