schreibidee (336)

was ist die midlife-krise anderes, als das gewahr werden, dass man die eigentlichen ziele und seine ganz persönlichen lustfaktoren aus den augen verloren hat. das ruder soll herumgerissen werden, denn man wird älter und vieles blieb bis dahin unerfüllt. wahrscheinlich tun die hormone ihr übriges, dass man glaubt, dieses gefühl könne nicht auch schon mit zwanzig oder noch mit achtzig jahren aufkommen. man kann immer wieder den blick auf die eigene „lebensliste“ werfen. darum dieses mal eine schreibanregung zu „lebenslisten-texten“.

als einstieg können diverse selbstbefragungs-, assoziations- oder listenübungen angeboten werden. ziel aller übungen ist es, dass die schreibgruppenteilnehmerInnen am schluss eine ganz individuelle liste vor sich liegen haben, auf der die zehn punkte vermerkt sind, die sie in ihrem leben noch machen wollen oder die für sie in zukunft am wesentlichsten sind. diese listen werden nicht vorgestellt aber in eine reihenfolge gebracht: oben steht der allerwichtigste gedanken und bei den folgenden nimmt der grad der notwendigkeit ab.

nun werden zu jedem punkt auf der liste von den schreibenden begründungen von maximal 10 zeilen länge notiert. auch diese persönlichen gedanken werden nicht veröffentlicht. sind die begründungen geschrieben (vielleicht jeweils auf eine karteikarte), kann die liste noch einmal überblickt und eventuell spontan umgestellt werden. dann wird zum spitzenreiter der liste eine handlungsanweisung geschrieben. was muss getan werden, damit dieser wesentliche aspekt im eigenen leben umgesetzt wird? die handlungsanweisung sollte nicht länger als eine seite sein. zuhause können auch zu den anderen punkten handlungsanweisungen notiert werden.

aber in der schreibgruppe wird nun eine geschichte zum obersten listenplatz geschrieben. diese kann nur das eigen lebensthema aufgreifen, sie kann aber auch biografische züge tragen, das ist den schreibgruppenteilnehmerInnen überlassen. sie sollten aber darauf hingewiesen werden, dass der text später in der gruppe vorgelesen werden soll. wenn notwendig kann vorher ein cluster zum thema erstellt werden. anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde mit keiner speziellen fragestellung statt.

zum abschluss der schreibgruppe wird von allen teilnehmerInnen noch eine liste mit den zehn momentan überflüssigsten und am meisten energie raubenden aspekten ihres lebens notiert. auch hier kann der vorschlag gemacht werden, doch für jeden aspekt zuhause eine handlungsanweisung zu schreiben, wie man ihn aus seinem leben verbannen kann.

alle schreibideen aus diesem blog finden sich gebündelt hier: http://schreibideen.schreibboutique.de .

selbstbefragung (152) – lust

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „lust“.

  • welches war der lustvollste moment in ihrem leben? beschreiben.
  • bei was können sie lust verspüren?
  • was ist für sie lust überhaupt?
  • wie lustvoll ist ihr leben für sie zur zeit? warum?
  • wer erscheint ihnen in ihrem leben am lustfeindlichsten?
  • kennen sie lese- oder schreiblust? wie fühlt sich das an?
  • wann kippt für sie lust in unlust um? beschreiben sie.
  • auf was hätten sie jetzt gerade lust?
  • was tun sie absurdes, um ihre lust zu befriedigen?
  • wer ist der lustvollste mensch in ihrem leben?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: http://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

wissenschaftliches schreiben und schreiben

im gegensatz zum vorherigen post ist das wissenschaftliche schreiben ein ort der konventionen. kaum eine schreibform ist so klar reglementiert und standardisiert. es gibt einen beinahe weltweiten konsens für veröffentlichungen, formen des zitierens, abschlussarbeiten und dergleichen mehr. ziel des ganzen ist der (krampfhafte) versuch, wissenschaftliche erkenntnisse vergleichbar zu machen. leider leidet unter diesen konventionen meist die schreibsprache und ein großteil der wissenschaftlichen schreibe kommt unglaublich langweilig daher.

dass es auch anders geht, zeigen meist vorträge, vorlesungen oder „populärwissenschaftliche“ texte. hier darf wieder ausgeschmückt, animiert oder akzentuiert werden auf teufel komm raus. von sehr ernsten wissenschaftlern werden diese formen der äußerung abgewertet und gleichzeitig ihr gehalt in frage gestellt. wie wenn wissenschaft frei von jeder schreiblust sein müsse. so lange nicht fabuliert wird, also behauptungen aufgestellt werden, die nicht beweisbar und nachvollziehbar sind, dürfte eine entkrampfte sprache den wissenschaften eigentlich nicht schaden. (übrigens wird in den konventionellen forschungstexten teilweise versteckt unglaublich viel fabuliert, werden ganze forschungsergebnisse gefälscht.)

wer also nicht seinen status in den forschenden welten verlieren möchte, der halte sich an die konventionen. und wenn er mutig ist, dann veröffentlicht er noch nebenher ein knalliges populärwerk. doch auch dabei sei vorsicht geboten, denn zu viel aufmerksamkeit kann schnell bei anderen den oben beschriebenen reflex auslösen: zweifel an der ernsthaftigkeit des wissenschaftlichen vorgehens. es ist faszinierend, wie durch diese bewertungen eine form der Weiterlesen

web 2.0 und schreiben

das internet bietet inzwischen plattformen für alle möglichen schreibvorlieben. außer handschriftlichem schreiben ist alles denkbar. angefangen bei den kurz-kurz-texten über twitter, den dialogen in foren und messenger-systemen, den nachrichten, kommentaren und kurzen texten in blogs, bis zu online-börsen für selbstgeschriebene texte, plattformen für digitale bücher (e-books) und download-portale für pdf-dateien (hier kommt wieder die handschrift ins spiel).

daneben gibt es inzwischen auch die werkzeuge online. da kann die textverarbeitung abseits des eigenen computers auf den servern von großen anbietern kostenlos vorgenommen werden. so umstritten dies sein mag und so kompliziert inzwischen der datenschutz geworden ist, das internet animiert zum schreiben je nach der eigenen persönlichen lust. man kann für sich seinen weg wählen. das einzige manko besteht darin, dass man viel zeit am computer verbringt und einen nicht zu langsamen internetzugang haben sollte.

doch dann stehen einem alle möglichkeiten offen und viele auch noch für lau, also kostenlos. so schnell war noch nie weltöffentlichkeit ;-) wer mit seiner schreibe andere erreichen möchte, dem bietet das web 2.0 viele chancen. gleichzeitig ist eine feste leserInnenschaft sehr viel schwerer zu erlangen, als man glaubt. die schnelllebigkeit des netzes bedeutet auch, dass sich menschen selten lang auf einer seite, bei einem text aufhalten. oft wird das angebot kurz überflogen und schon zieht die karawane weiter.

man kann sich im internet seine nische erschreiben und gleichzeitig zufällig das interesse anderer wecken, aber man kann dies nicht vorhersagen. zur weiteren etablierung bedarf es dann doch eines längeren atems, denn erst nach einer gewissen zeit stellt sich heraus, ob das eigene engagement Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (08)

schreiben

in erster linie diente der computer einmal dem rechnen und dem schreiben, also den grundformen der lebensbewältigung in modernen zeiten. inzwischen leisten pc und konsorten noch ganz andere dinge. sie entziffern gesagtes, gleichen musik mit datenbanken ab, fotografieren, filmen, malen und dergleichen mehr, je nachdem, was die userInnen wünschen. das kann spaß machen, doch eigentlich soll er erst einmal nur schreiben. es ist auch egal, ob es sich dabei um post (mails), geschichten (textverarbeitung) oder programmierungen (texteditor) handelt. ich gebe etwas ein und das ding bildet es ab, um es dann zu drucken, zu versenden oder zu speichern.

aber so einfach ist das heute nicht mehr. gern ist von vornherein die autokorrektur bei manchen geräten eingeschaltet. dies bedeutet, dass das ding nervtötend alle satzanfänge „groß“ schreiben möchte, dass es die anführungszeichen nach seinen regeln oben oder unten platziert, dass es fehler unterstreicht, dass es aus zeichenkombinationen neue zeichen generiert und dass es eine schrift und ein format vorgibt. möchte ich das nicht, dann muss ich erst einmal in die tiefen der einstellungen klettern, um die vorgaben zu verändern.

bei manchen textverarbeitungsprogrammen sind die tiefen inzwischen so tief, dass man gut und gerne stunden damit verbringen kann, alles abzuschalten, das man nicht möchte. natürlich, man kann auch eine neue vorlage (für das layout und schriftbild) wählen und erhält dadurch ein ganzes bündel an veränderungen. einfach drauflosschreiben is nich! selbst wenn man sich so weit durch seinen rechner gekämpft hat, etwas geschrieben hat, dann kann man nicht davon aussehen, dass es bei anderen auf dem computer ebenso aussieht. haben sie nicht das identische betriebssystem und die selben einstellungen, dann kann mein text zu einem datenungeheuer anwachsen, das nicht mehr zu entziffern ist.

bis heute ist es nicht gelungen, dass sich die länder mit den gleichen schriftzeichen auf eine standardvorlage für Weiterlesen

nabelschau (59)

handys sind dafür da, nicht benutzt zu werden, jedenfalls in berlin. sie haben streit in der beziehung und ihr partner glaubt ihnen nicht, dass sie noch gearbeitet haben. im zeitalter der dienstleistungen genügt ein anruf bei der berliner polizei und sie bekommen die auskunft, wann sie sich in der nähe welches sendemasten mit ihrem handy am letzten abend aufgehalten haben. dies könnte zumindest teilweise ihren partner beruhigen. obwohl sie sich natürlich mit ihrem neuen lover auch an der arbeitsstelle getroffen haben könnten.

so könnte die zukunft der handynutzung aussehen, wenn nicht bald jemand einschreitet oder alle nutzerInnen diese nervtötenden dinger abschalten. denn es wird gesammelt: verbindungen, telefonnummern, uhrzeiten, orte. und bringt man sie in kontakt miteinander ergeben sich bewegungsbilder. sie befinden sich fünf mal in der nähe eines tatorts, dann kann es sein, dass die polizei bei ihnen vor der tür steht und vermutet wird, sie hätten eine straftat begangen. nun sollten sie als handybesitzer immer wissen, wo ein tatort ist, damit ihnen dies nicht geschieht. sie haben dann zwei möglichkeiten: einen anderen sendemasten suchen oder das handy ausschalten.

besonders interessant erscheint mir der gedanke, dass davon ausgegangen wird, dass straftäterInnen so eng verwachsen sind mit ihrem handy, dass sie sie nicht zu hause lassen, wenn sie eine straftat begehen. gleichzeitig haben sich bei der millionenfachen datenerfassung in berlin keine straftaten aufklären lassen. hmmm, seltsame vorgehensweise und skurrile argumentation. logischerweise sollte man erwarten, dass jemand öffentlich zu dem schluss kommt, dette bringt wohl nüscht. aber nein, die argumentation geht in eine andere richtung: demos waren bei der erfassung nicht dabei (wie in sachsen), es handelte sich ausschließlich um schwere straftaten.

schwere straftaten sind nicht schön, ja auf alle fälle ahndungswürdig, aber mal auf gut glück (das bis jetzt niemandem hold war) einen generalverdacht gegenüber allen anwesenden und telefonierenden auszusprechen und dementsprechend zu handeln, das ist nur noch schräg. es handelt sich dabei um die aufgeblasene variante der rasterfahndung, bei der nur noch der ort eine rolle spielt. zwei konsequenzen ergeben sich daraus: die hoffnung, dass menschen ihre quasselboxen etwas öfter abschalten, und die handlung, sofort aufzulegen, wenn einen jemand vom handy aus anruft :lol:

schreibberatung und schreiben

vorab die klärung eines missverständnisses: eine schreibberatung ist keine rechtschreibberatung. darum geht es auch nur in zweiter oder dritter linie bei einer schreibberatung, um grammatik, schreibfehler oder die korrekte schreibweise. in erster linie geht es um die initiierung eines relativ entspannten schreibprozesses, der frei von qual und großen emotionalen belastungen ist.

darum suchen meist menschen die schreibberatung auf, deren schreibfluss ins stocken geraten ist, für die schreiben eine unglaubliche anstrengung darstellt. in der schreibberatung können dann techniken vermittelt werden, die einen eventuell schritt für schritt an freieren schreibprozess heranführen, zu dem es erst in zweiter oder dritter linie gehört, die entstandenen texte und geschichten grammatikalisch oder unter rechtschreibgesichtspunkten zu korrigieren.

bei der vermittlung von schreibtechniken in der schreibberatung können kleinere schreibübungen mit den ratsuchenden durchgeführt werden. das ausprobieren der vorgeschlagenen vorgehensweise lässt klientInnen leichter einschätzen, ob diese schreibtechnik für sie überhaupt eine sinnvolle ist. es kann gut sein, dass sich beim schreiben in der beratung herausstellt, diese technik ist schwer umsetzbar, sie bereitet ebenso schwierigkeiten, wie Weiterlesen

schnickschnack (111)

nicht nur die schreibpädagogik ist eine meiner professionen, sondern auch die psychologie. und in der psychologie schlug mein herz schon immer für die kritische psychologie. eine psychologie, die den menschen, das einzelne subjekt, in den vordergrund stellt, die gesellschaftstheoretische analysen heranzieht, da die gesellschaftlichen zustände untrennbar mit dem leben des einzelnen verknüpft sind. eine psychologie, die sich gegen heilsversprechen und psychologische deutungen, ja die psychologisierung der gesellschaft wehrt.

entstanden ist die kritische psychologie aus den überlegungen der studierenden in den 60er jahren. sie ist ein produkt aus der bewegung „zerschlagt die psychologie“, eine profession, die als herrschaftswissenschaft verstanden werden kann. die kritische psychologie versucht dabei den goldenen mittelweg, also den versuch, kritisch an die eigene profession mit all ihren forschungsmethoden heranzugehen. und das buch, das viele der hier genannten überlegungen in sich vereint ist die „grundlegung der psychologie“ von klaus holzkamp.

das buch beginnt, salopp geschrieben bei adam und eva, also der menschwerdung, um daraus später schlüsse für die strebungen und verhaltensweisen des menschen zu ziehen. und nun gibt es die vorlesungsreihe klaus holzkamps zum buch auf youtube zu hören. die erste folge ist online. mein tipp, unbedingt reinhören (dabei sollte man die organisatorischen fragestellungen zu beginn der veranstaltung den universitären abläufen zurechnen).

zu finden ist die vorlesung unter: http://www.youtube.com/watch?v=DY6Geea_qa4 .

neuer jahrgang – neue texte – ein surftipp

wahrscheinlich ist es wie mit dem wein: jeder jahrgang ist anders und man kann nie vorhersagen, was für ein wein am schluss dabei herauskommt. aber das macht das winzern und die weinlese ja auch so spannend.

ebenso ist es mit den texten der studierenden des berufsbegleitenden masterstudiengangs „biografisches und kreatives schreiben“ an der alice-salomon hochschule in berlin. jedes jahr ein neuer blog und eine neue textlese. nie kann man sagen, was der jahrgang in seinem blog veröffentlicht, aber jedes jahr lohnt es sich, sie zu lesen. man kann nicht vorhersagen, was dies am schluss für ein blog sein wird und ob er allen schmeckt. aber das macht es so spannend und einen selber so neugierig.

nun startete wieder ein blog und ich kann nur empfehlen, einen blick hineinzuwerfen. zu finden ist er unter http://schreibmutige.schreibboutique.de . viel spaß beim lesen und verkosten!

Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht – ein Buch

Lebensgeschichten aus dem Garten
oder: Das Credo der Nacktschnecke

Man kann selbstverständlich ohne Garten gut leben. Man kann sich aber auch in der Garten-Guerilla-Bewegung tummeln oder man findet einen Garten – und plötzlich ist alles anders!
Doris Bewernitz ist in Berlin Gartenbesitzerin geworden, mit Leib und Seele stürzt sie sich auf ein kleines überschaubares Stück Natur und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie erzählt Lebensgeschichten aus diesem Garten und lädt uns ein zum Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen. Seien es die Geduld der Regenwürmer, die Namen der Rosen oder das Credo der Nacktschnecke – es gibt viel Sinnbildliches in der Natur, wir müssen nur hinschauen. Und eintauchen in Rosenduft und Blütenmeer oder schwelgen in Kirschen und Kürbis. Dabei erfahren wir, warum ein Kompost bei Liebeskummer hilft, wofür eine Kohlmeise einen Hund braucht, wie man mit einer Höhle zum Mond fliegt, und wie sich die Essenz des Sommers in kalte Wintertage retten lässt.
Gärten sind Lehrmeister für ein glückliches Leben.
Ein Buch für Gartenfreunde, das uns durch das gesamte Gartenjahr begleitet!

Kreuz Verlag Freiburg, ISBN: 978-3-451-61000-4

Die Autorin: Doris Bewernitz, geb. 1960 in Mecklenburg, lebt die meiste Zeit des Jahres in ihrem Garten in Berlin. Sie arbeitete u.a. als Krankenschwester, Gerichtsprotokollantin, Sozialpädagogin, Dozentin und Gestalttherapeutin. Seit 1995 schreibt und veröffentlicht sie Erzählungen, Lyrik, Satiren und Reportagen.

Link zum Buch:
http://www.kreuzverlag.de/presse/pressemitteilungen/neuerscheinungen/neuerscheinungen_d_html?k_beitrag=3255176&k_tnr=61000&titel=Wo%20die%20Seele%20aufbl%FCht

biografisches schreiben und schreiben

beim biografischen schreiben geht es ebenso um ein angenehmes schreiben, wie beim kreativen schreiben. und doch steht die kreativität nicht so im vordergrund, scheinen nicht alle gestalterischen und künstlerischen freiheiten sinnvoll. denn das biografische schreiben verfolgt vor allen dingen eine linie, den eigenen erinnerungen auf die spur zu kommen.

dabei kann manchmal ein recht strukturiertes schreiben hilfreich sein. es geht darum, beim schreiben reihenfolgen herzustellen, eventuell zeitintervalle zu betrachten. in diesen momenten tritt das schreibwerkzeug ein wenig in den hintergrund und es scheint wichtiger, die abfolge der ereignisse nicht zu vertauschen, möglichst wahrhaft die eigene lebensgeschichte wiederzugeben. so kann man sich tabellen anlegen, karteikarten füllen oder sich an datenreihen entlang bewegen. erst wenn die daten stimmig sind, dann können schreibweisen und schreibwerkzeuge gewählt werden.

doch auch hierbei gibt es eine sinnvolle vorüberlegung: vielleicht am computer schreiben, da sich dort am leichtesten in die abfolgen neue erinnerungen einfügen lassen. das eigene leben bildet sich oft wie ein patchwork-teppich ab, die wieder zusammengefügt werden will. natürlich lassen sich die texte handschriftlich vorformulieren, aber letztendlich zusammenfügen und ein leben abbilden lässt sich leichter am pc.

der einstieg in die eigene biografie kann auch ganz ohne schreiben erfolgen. professionelle biografie-schreiberInnen führen interviews. dies kann man ebenso für sich selber nutzen. man lade junge menschen Weiterlesen

kreatives schreiben und schreiben

erstaunlich, dass ich gedanken über das eigentliche schreiben beim kreativen schreiben noch nicht im blog festgehalten habe. wahrscheinlich ist es so selbstverständlich, dass man beim kreativen schreiben schreibt, dass es mir gar nicht in den sinn kam. doch es viele aspekte, die mir beachtenswert erscheinen.

das fängt mit dem schreibwerkzeug an: da es beim kreativen schreiben vor allen dingen darum geht, die schreibkonventionen in den hintergrund treten zu lassen und der eigenen kreativität mehr raum zu geben, sollte man ein werkzeug wählen, dass einem gut gefällt. das schreibwerkzeug sollte nicht den schreibfluss behindern. es gibt keine allgemeingültige regel, mit welchem schreibwerkzeug man kreativer ist. manche behaupten, handgeschrieben wäre für sie das nonplusultra und sie könnten sich kaum vorstellen am computer kreativ zu sein.

erfahrungswerte diverser schreibender menschen sehen anders aus. sie schreiben nur noch am computer. und sie widersprechen mit ihren texten der vorstellung, nur das schreiben von hand animiere bestimmte gehirnregionen, die der kreativität und intuition vorschub leisten. also spüre man einfach für sich nach, was sich beim schreiben am besten anfühlt. der schlichte bleistift, ein kugelschreiber, der edle füller, das laptop oder inzwischen die ganzen pads und phones. hauptsache man fühlt sich durch das gerät nicht gestört.

dann sollte man auch keinen großen gedanken daran verschwenden, wo man schreibt. auch hier gilt wieder: man suche zum schreiben den ort auf, der einem angenehm erscheint. kurze notizen lassen sich überall notieren, hauptsache ein schreibgerät steht zur verfügung. dies erscheint darum so wichtig, da schreibideen innerhalb kürzester zeit wieder verfliegen können. für längere texte suche man einen ort auf, an dem es möglichst wenige Weiterlesen

liste (84) – mild

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „milde“.

in diesen momenten in meinem leben war ich zu mild:

da bin ich gern mild gewesen:

diesen personen gegenüber kann ich nur mild sein:

in diesen momenten möchte ich immer wieder mild sein:

diese personen waren mir gegenüber sehr mild und verständnisvoll:

schreibidee (335)

je technischer und digitaler die welt daherkommt, desto komplizierter kann einem das leben vorkommen. wer dann hofft, dass er hilfestellung im internet oder gedruckt findet, um die ganzen sich ständig erneuernden geräte bedienen zu können, der kann sich schnell getäuscht sehen. teilweise sind die anleitungen für geräte, aber auch für software und ähnliches, sehr kryptisch. die stichwortverzeichnisse im anhang geben selten das wieder, was im vorderen bereich notiert wurde. darum sollen heute in der schreibanregung „gebrauchsanweisungen“ geschrieben werden.

dieses mal wird als einstieg in die schreibidee gezeichnet. als vorlage könnte eine ikea-zeichnung zum zusammenbau eines möbelstücks dienen. die schreibgruppenleitung bringt einen gebrauchsgegenstand mit und fordert alle teilnehmerInnen auf, die richtige benutzung des gegenstands in zeichnungen festzuhalten. dabei kann es sich zum beispiel um einen dosenöffner, ein handrührgerät oder einen föhn handeln. die piktogramme sollen möglichst für alle verständlich sein.

anschließend wird das gezeichnete von den schreibgruppenteilnehmerInnen in worte gefasst. also am beispiel des föhns: was sind die voraussetzungen, um einen föhn zu verwenden? nasse haare und eine steckdose. was muss man dann machen? für was kann man einen föhn noch verwenden? und was sollte man auf keinen fall mit einem föhn machen? sind die gebrauchsanweisungen fertig, werden sie mit den piktogrammen zusammen in der schreibgruppe vorgestellt. bei einer feedbackrunde wird vor allen dingen betrachtet, wie allgemeinverständlich die beschreibungen sind.

im anschluss wird es noch ein wenig komplizierter. alle schreibenden sind aufgefordert, eine gebrauchsanweisung über sich zu schreiben. wie sollte man mit ihnen umgehen? was ist beim umgang zu beachten? und was muss man tun, um bestimmte handlungen oder ergebnisse zu erreichen. dieses mal wird die vorgehensweise umgekehrt: erst wird die gebrauchsanweisung für einen selber geschrieben und dann wird das ganze in kleine zeichnungen gebracht. darunter können auch verbotsschilder sein. was sollte man auf keinen fall mit ihnen machen.

die aufgabe kann beim vorstellen in der feedbackrunde viel heiterkeit hervorrufen. außerdem bekommen die schreibgruppenteilnehmerInnen vielleicht noch mehr gespür füreinander. sollte im anschluss noch zeit übrig sein, dann kann auch eine gebrauchsanweisung für den umgang mit den eigenen texten verfasst werden, die zum abschluss vorgetragen wird.

protest gegen ein gesetz der internetzensur in den usa

in den usa liegt ein gesetz im us-senat, das auswirkungen auf alle anbieter und schreiberlinge im www haben könnte. darum protestieren heute diverse netzanbieter und schwärzen ihre seiten. mehr informationen findet man hier bei wordpress.org: http://wordpress.org/news/2012/01/help-stop-sopa-pipa/ .

möge dieser protest erfolg haben.

wortklauberei (92)

„care-verpflichtungen“

nach den care-paketen kommen die care-verpflichtungen, die in der heutigen zeit immer noch mehrheitlich von frauen übernommen werden. dabei handelt es sich um die „pflege- und sorgearbeit“, die bei der brut oder bei älteren angehörigen zu verrichten sind. als ich diesen begriff das erste mal las, dachte ich, es ginge um einen versicherungsabschluss. doch weit gefehlt, es geht um tätigkeiten, die nicht mehr tätigkeiten genannt werden, da es einen ethischen und moralischen hintergrund gibt.

entweder ist es management- oder arbeitspsychologie-sprech, die sich hier breit machen. jedenfalls könnte man sich den begriff genauso gut in der coaching-sitzung oder in der zukunftsplanung eines großbetriebs vorstellen. es hat mit dem alltag nicht mehr viel zu tun, ähnlich wie „pflege- und sorgearbeit“. was ist bitte sorgearbeit? die anstrengung, sich ständig sorgen zu machen? oder doch nur der oberbegriff für ent- und versorgungstätigkeiten?

schon vom klar her, bekommt man das gefühl in einer durch und durch organisierten und technokratisierten welt zu leben, die in einer distanzierten und kühlen sprache den versuch unternimmt die konflikte im menschlichen zusammenleben (wie eben die weiterhin hauptsächlich den frauen zugeschriebene rolle der versorgung und pflege) zu entemotionalisieren. und so schleicht sich nicht nur der begriff „self-care“ in unsere sprache ein, sondern jetzt sind wir in care-momenten demnächst be-cared und blicken care-voll in die zukunft.

es ist zu vermuten, dass das wort „sorge“, das wir in diesen momenten normalerweise verwenden, zu stark wirkt, also den diskurs verschärft, darum wurde er ent-cared.

web 2.0 und diskurs

diskussionen nehmen im internet oft einen seltsamen verlauf. besonders auffällig finde ich dies in fachforen und ganz speziell in foren rund um computerfragen. es ist wahnsinn, wie schnell jemandem von anderen erklärt wird, dass er seinen computer einfach überhaupt nicht kapiert. besonders faszinierend finde ich es, dass diese foren explizit dazu angelegt sind, sich gegenseitig zu unterstützen und schwierigkeiten zu klären. doch selten werden sie geklärt, oft halb beantwortet und meist driftet der diskurs dann ab.

anscheinend werden auch viele fachforen nicht wirklich von administratorInnen gepflegt, denn auf der suche nach antworten, findet man zwar schnell eine identische frage zur eigenen, aber man findet eben kein brauchbares ergebnis, dafür diskurse über diskurse ohne viel inhalt. dies wiederum kostet viel zeit. da die foren bei den suchmaschinen jedoch recht weit oben als am anfang angesiedelt sind, kann davon ausgehen, dass noch mehr menschen außer mir dies seiten aufrufen.

was für diskurse in foren im web 2.0 definitiv noch fehlt, das ist der „enttäuschungs-button“. an solch einem button könnten sich die suchmaschinen orientieren und somit unbrauchbare foren im nirvana des netzes verschwinden lassen.

doch auch ohne das absprechen der fachlichkeit, gestalten sich diskurse im netzt immer etwas unklar. man hat das gefühl, dass vieles schnell ins persönliche kippen kann und oft auch kippt. dies hat wahrscheinlich mit der erheblichen distanz zwischen den diskutierenden und vor allen dingen mit dem schreiben zu tun. man kann den tonfall des geschriebenen Weiterlesen

selbstbefragung (151) – passiv

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „passives“.

  • welche unangenehme sache haben sie zuletzt erduldet? warum?
  • wen haben sie zu lang erduldet?
  • wann fühlt sich „passiv sein“ für sie gut an? beschreiben sie.
  • können sie beim sex passiv sein?
  • was stört sie an passivität? warum?
  • wann finden sie passives verhalten angebracht?
  • welches war die unangenehmste folge passiven verhaltens in ihrem leben? beschreiben sie.
  • welchen menschen würden sie gern einmal passiv erleben?
  • wann werden sie so richtig aktiv und können sich kaum bremsen? warum?
  • bei welchen themen schadet unserer gesellschaft ihrer ansicht nach passivität?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: http://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

Aktuelles Angebot der SchreibBoutique Christof Zirkel

Schreibberatung für AkademikerInnen oder andere Menschen in Schreibkrisen: siehe unter http://schreibboutique.de/schreibberatung/

Termine nach Vereinbarung
Weitere Informationen siehe unter http://schreibboutique.de/informationen/

NEU!!! NEU!!! NEU!!!

Schreibgruppe: „Ich bin schwul und noch viel mehr …“ – Biografisches Schreiben für schwule Männer ab 40
Ab 16.02.2012. Weitere Informationen siehe unter http://schreibboutique.de/biografisches-schreiben/

Schreibgruppe: Kreatives Schreiben und Uncreative Writing – Ein Hoch auf den Remix
Ab 18.02.2012. Weitere Informationen siehe unter http://schreibboutique.de/kreatives-schreiben/

Anmeldung für die Schreibgruppen:
Weitere Informationen siehe http://schreibboutique.de/informationen/

biografisches schreiben und diskurs

kennen sie diese situation? sie treffen sich mit freundInnen, kollegInnen oder anderen menschen und entspinnt sich eine diskussion. eine diskussion, die sich stetig weiterentwickelt, irgendwann grundsätzliches im visier hat und im laufe der zeit beim „leben“ an sich und der dazugehörigen eigenen philosophie landet. manchmal kann dabei eine ganze nacht an einem vorüberziehen und das morgengrauen zwingt zu beenden des diskurses.

man geht auseinander und das gesagte, gedachte und vor allen dingen dabei gefühlte hallt noch nach. diese momente können einen bewegen und ganze lebenskonzepte in frage stellen, bestärken oder einen über den haufen werfen lassen. diese momente des austausches erlebt man nicht oft, aber sie sind möglich. man möchte sie nicht missen, da sie den kopf einmal so richtig durchspülen.

beim aufschreiben der eigenen lebensgeschichte kann man versuchen, sich an ebendiese momente zu erinnern. oft haben sie einen mehr verändert als die ansprüche von außen, als die gesellschaftlichen gegebenheiten. was war es, was hinterher in einem nachhallte? spielte es eine rolle, mit wem man den diskurs führte oder waren es die argumente der anderen, die einen überzeugten? wie hat sich das eigene leben danach verändert? was ist geschehen? oder fühlte man sich einfach nur wohl, da man sich in seiner eigenen position bestätigt sah, festigte sich die eigene lebensphilosophie durch solch ein gespräch?

zuerst kann man überlegen, wann man solche gespräche erlebte. vielleicht erinnert man sich noch daran, was der auslöser der diskussion war. vielleicht gab es erkenntnisse daraus, die man anderen menschen mitteilen möchte, wenn man seine eigene biografie veröffentlicht. vielleicht will man aber auch nur festhalten, Weiterlesen